ÖW Marktupdate
Auswirkungen des Iran-Konflikts auf internationale Märkte
Einleitung
Die Gesamtlage bleibt angespannt, ohne dass derzeit eine generelle Einbruchsdynamik erkennbar ist. Die Auswirkungen unterscheiden sich weiterhin deutlich nach Markt, Segment und Erreichbarkeit.
Das zeigt sich vor allem durch das Ausbleiben arabischer Gäste und durch anhaltende Störungen im internationalen Luftverkehr. Parallel dazu verändern sich die globalen Verkehrsströme. Verbindungen über den Nahen Osten gehen zurück. Alternative Routen sowie zusätzliche Direktverbindungen nach Europa werden aufgebaut.
Der europäische Luftverkehr bleibt insgesamt stabil. Gleichzeitig zeigen sich deutliche Verschiebungen. Seit Ausbruch des Konflikts Ende Februar 2026 sind Verbindungen zwischen Europa und dem Nahen Osten deutlich rückläufig. Interkontinentale Verbindungen in andere Regionen nehmen zu, vor allem Richtung Asien-Pazifik und Nordafrika.
Die Preise für Jet-Fuel und Flugtickets steigen weiter. Im Nahost-Verkehr werden derzeit deutlich weniger Flugkapazitäten pro Woche angeboten. Ursache hierfür sind Streichungen, Reduktionen oder Umleitungen. Parallel dazu bauen Airlines aus Nordamerika und Asien ihre Verbindungen nach Europa aus.
Aktuelle Branchenanalysen zeigen:
Umleitungen verlängern Flugzeiten zwischen Europa und Asien deutlich.
Airlines kalkulieren höhere Betriebskosten durch längere Routen.
Drehkreuze außerhalb des Nahen Ostens, insbesondere in der Türkei, gewinnen an Bedeutung.
Besonders betroffen sind Gruppenreisen und preissensible Segmente. FIT-Reisen entwickeln sich derzeit vergleichsweise stabiler, während das gehobene und Luxussegment widerstandsfähiger bleibt.
Für Österreich bleibt die Gesamtlage derzeit vergleichsweise stabil. Die breite Marktdiversifikation trägt maßgeblich dazu bei. Sie umfasst sowohl starke europäische Märkte als auch wichtige Fernmärkte wie die USA und China.
Internationale Flugverbindungen bleiben ein zentraler Faktor für die Nachfrageentwicklung. Rund 14 Prozent des weltweiten Transitverkehrs laufen über den Nahen Osten. Dadurch sind vor allem Verbindungen aus Asien indirekt betroffen.
Märkte mit hoher Abhängigkeit von Golf-Hubs sind stärker betroffen. Dazu gehören insbesondere Südostasien sowie Australien und Neuseeland.
Österreich profitiert in Asien von seiner Direktanbindung. Gerade in einem Umfeld mit unsicheren Umsteigeverbindungen wird die direkte Erreichbarkeit zu einem wichtigen Wettbewerbsvorteil.
Die Erleichterung nach dem letzten Ausruf der Waffenruhe ist vor Ort spürbar. Sollte die Waffenruhe nachhaltig halten und das Ende des Konflikts markieren, ist nach aktuellem Marktfeedback davon auszugehen, dass sich die Flugkapazitäten bis Ende Mai schrittweise normalisieren.
Die EASA stuft den Luftraum über mehreren Staaten im Nahen Osten und am Persischen Golf (Bahrain, Iran, Irak, Israel, Jordanien, Kuwait, Libanon, Oman, Katar, Vereinigte Arabische Emirate und Saudi-Arabien) weiterhin als Hochrisikogebiet für die zivile Luftfahrt ein.
Betroffene Märkte im Überblick
Arabischer Markt (GCC)
Österreich und Europa werden weiterhin als sichere und relevante Destinationen wahrgenommen.
Die Nachfrage befindet sich derzeit vor allem auf Wartestellung. Reisen werden eher verschoben als storniert.
Kurzfristige Stornierungen werden weiterhin gemeldet, bleiben nach aktuellem Branchenfeedback aber insgesamt im Rahmen.
Hohe Flugpreise und reduzierte Kapazitäten wirken nachfragedämpfend.
Rund 28 Mio. internationale Reisen aus dem Nahen Osten gelten laut Tourism Economics aktuell global als „at risk“.
Die Golf-Carrier operieren derzeit insgesamt bei rund 50 % der Vorkrisen-Kapazität.
Asien-Pazifik
China entwickelt sich derzeit besser als erwartet. Laut Hainan Airlines, Lufthansa und Air China lagen die Ticketverkäufe im März über den Erwartungen.
Taiwan – Chinesisches Taipei bleibt insgesamt stabil.
Japan: Die Stornoraten gehen laut Reiseveranstaltern zurück.
Südkorea: Reisen mit Emirates, Qatar oder Etihad werden häufiger verschoben als ganz storniert. Die Verkehrsrechte mit Österreich wurden von 4 auf 21 wöchentliche Flüge ausgeweitet.
Südostasien und Australien bleiben derzeit am stärksten betroffen: hohe Verschiebungsraten sowie ein Rückgang bei Visaanträgen in Südostasien um 25 %.
USA
In den USA sind derzeit keine wesentliche Veränderung spürbar.
Je nach Dauer des Konflikts ist jedoch eine gewisse Zurückhaltung im mittleren Preissegment zu erwarten, insbesondere aufgrund steigender Flugpreise und wirtschaftlicher Unsicherheit.
Die Entwicklung wird damit weiterhin stärker von der wirtschaftlichen Lage als von der geopolitischen Situation selbst geprägt.
Europa
Europa wird weiterhin als sicherer Reiseraum wahrgenommen.
Kurzfristige Buchungen nehmen zu.
Die Reiseintention bleibt auf hohem Niveau.
Sicherheit zählt zu den wichtigsten Entscheidungskriterien.
Die Nachfrage nach Europa-Reisen und südlichen Destinationen nimmt zu.
Gleichzeitig zeigen sich kürzere Aufenthalte, kleinere Budgets und geringere Ausgaben für Luxusangebote.
Die starke Verankerung in europäischen Märkten bleibt ein zentraler Stabilitätsfaktor für Österreich.
Fazit
Die kurzfristigen Auswirkungen des Iran-Konflikts sind klar erkennbar, führen derzeit aber nicht zu einer generellen Einbruchsdynamik.
Auf der Angebotsseite steigen die Preise, während Kapazitäten reduziert oder angepasst werden.
Auf der Nachfrageseite bleibt die Reisebereitschaft hoch, zugleich steigt die Sensibilität für Sicherheit und Kosten.
Eine generelle Nachfrageschwäche ist derzeit nicht erkennbar.
Österreich bleibt in diesem Umfeld gut positioniert. Stabilität, Sicherheit, Qualität und gute Erreichbarkeit innerhalb Europas bleiben zentrale Stärken.