barrierefreies Naturerlebnis
  1. Startseite
  2. Magazin
  3. Barrierefreiheit im Tourismus

Barrierefreiheit in Österreichs Tourismus
Good practices und internationale Perspektive

13.05.2026
Barrierefreiheit ist für den heimischen Tourismus zunehmend ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Im Nachgang des „Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung“ am 5. Mai beleuchten wir heimische und internationale Entwicklungen.

Das Thema Barrierefreiheit stand in unserem Magazin bereits wiederholt im Fokus. Aus gegebenem Anlass wollen wir heute den Blick nach innen und nach außen richten: Wir beleuchten drei ausgewählte Good practices aus verschiedenen Bundesländern, stellen das grenzüberschreitende EU-Projekt „Spaces4all“ vor und schauen uns an, welche Rolle das Thema international spielt.

ALL INCLUSIVE: Tourismus für alle. Nicht nur alles inklusive.

Zunächst wollen wir den Begriff nochmals einordnen. Barrierefreier, inklusiver Tourismus bezieht sich nicht nur auf physische Zugänglichkeit, sondern umfasst ebenso sensorische und kognitive Aspekte. Barrierefreiheit nützt Rollstuhlnutzer:innen, seh- und hörbeeinträchtigten Gästen, Menschen mit Lernschwierigkeiten oder kognitiven Einschränkungen genauso wie älteren Reisenden, Familien mit Kinderwägen, temporär verletzten Gästen sowie schlicht und ergreifend Personen mit schwerem Gepäck.

Barrierefreier und inklusiver Tourismus schafft Teilhabe – für Gäste ebenso wie für Einheimische. Er ist ein zentraler Bestandteil sozialer Nachhaltigkeit und leistet einen wichtigen Beitrag zu den Sustainable Development Goals (SDGs), insbesondere zu SDG 10 „Weniger Ungleichheiten“.

"Tourismus für alle" steht damit auch für eine gesellschaftliche Transformation hin zu mehr Chancengleichheit, Diversität und Lebensqualität. Gleichzeitig können barrierefreie und inklusive Angebote die Resilienz von Destinationen stärken, indem sie breitere Zielgruppen ansprechen und den gesellschaftlichen Wandel aktiv mitgestalten.

Spannungsfeld „Kommunikation vs. Realität“

Barrierefreiheit im Tourismus ist in Österreich Ländersache. Die Vielfalt und Innovationskraft der Initiativen sind groß, es fehlt jedoch an Einheitlichkeit und Skalierbarkeit. Viele Angebote werden als „barrierefrei“ bezeichnet, obwohl Standards uneinheitlich sind. Fehlende Definitionen und Transparenz, unterschiedliche Zertifizierungssysteme und mangelnde Vergleichbarkeit können zu Enttäuschungen seitens der Gäste führen. Der Wunsch nach Synergien zwischen den Bundesländern besteht, bei gleichzeitiger Berücksichtigung regionaler Unterschiede.

Nationale Perspektive: Good practices in den Bundesländern

Aus einer Vielzahl an Initiativen und Maßnahmen im heimischen Tourismus stellen wir heute drei Good practices vor, die als Beispiele dienen, wie Barrierefreiheit strategisch und praktisch umgesetzt werden kann.

Wien

Barrierefreiheit ist in Wien explizit Teil der Visitor Economy Strategie „Optimum Tourism“ und der städtischen Strategie „Inklusives Wien 2030“. Ziel ist es, Menschen mit Behinderung in allen Lebensbereichen gleichberechtigt einzubeziehen. Mit der Toolbox Barrierefreiheit werden Betriebe dabei unterstützt, Barrieren abzubauen und Angebote inklusiver zu gestalten.

Tirol

Die Regionen Innsbruck und Seefeld haben einen Praxisleitfaden für inklusive Gastfreundschaft für Beherbergungsbetriebe entwickelt, der zeigt, wie Barrierefreiheit ganzheitlich im Tourismus umgesetzt werden kann. Er betont, dass Inklusion nicht nur sozial wichtig ist, sondern auch ein wachsendes Qualitäts- und Wirtschaftsthema darstellt. Durch eine große, kaufkräftige Zielgruppe bietet Barrierefreiheit zudem strategische Vorteile für Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltige Positionierung.

Kärnten

Österreichs südlichstes Bundesland stellt mit der Initiative „Barrierefrei in Kärnten“ zahlreiche geprüfte Angebote wie Unterkünfte, Restaurants, Ausflugsziele und Wanderwege bereit, die für Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen zugänglich sind. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Zusammenarbeit mit dem ÖZIV Bundesverband für Menschen mit Behinderungen, der die Angebote nach klaren Kriterien zertifiziert und sichtbar macht.

Europäische Dimension: Interreg-Projekt „Spaces4All“

Auch auf EU-Ebene gibt es zahlreiche Initiativen zur stärkeren Verankerung der Barrierefreiheit: Das Interreg-Projekt Spaces4All (CE-Spaces4All) beispielsweise zielt darauf ab, die Barrierefreiheit im Tourismus in Zentraleuropa zu verbessern, indem öffentliche Stellen, Tourismusorganisationen und Menschen mit Behinderungen enger zusammenarbeiten. Im Fokus stehen die Entwicklung digitaler Tools zur Erfassung von Barrieren sowie gemeinsame Strategien und lokale Aktionspläne, um Barrierefreiheit stärker in Planung und Praxis zu verankern.

Ziel ist es, Menschen mit eingeschränkter Mobilität selbstbestimmtes Reisen – auch in ländlichen Regionen – zu ermöglichen und gleichzeitig Governance, Bewusstsein und Datenbasis für inklusiven Tourismus dauerhaft zu stärken.

Internationale Perspektive

Barrierefreiheit auf den Märkten

Allein EU-weit hatten 2024 rund 24 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahren eine Form von Behinderung bzw. längerfristige Aktivitätseinschränkung, was etwa 90 Millionen Menschen entspricht. Weltweit leben laut WHO rund 16 Prozent der Bevölkerung mit einer Form von Behinderung – das sind etwa 1,3 Milliarden Menschen.

Angesichts dieser Zahlen und des demografischen Wandels in Richtung einer alternden Gesellschaft rückt das Thema Barrierefreiheit auch international immer mehr in den Fokus. Doch was versteht die Bevölkerung darunter, wie steht die Politik dazu und was wird bereits konkret umgesetzt? Gibt es einen gesellschaftlichen Diskurs und wie sieht die gesetzliche Grundlage aus? Und welche Relevanz hat Barrierefreiheit beim Reisen?

Diesen Fragen sind unsere Expertinnen und Experten auf den Märkten nachgegangen, wo neben dem Thema Nachhaltigkeit nun erstmals auch die Barrierefreiheit untersucht wurde. Die Antworten gibt es zu jedem Land in der Weltkarte der Trendforschung.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich in allen drei gezeigten Bereichen erkennen: Barrierefreiheit hat sich von einem vorwiegend infrastrukturellen Thema zu einem strategischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Querschnittsthema entwickelt – mit wachsender Relevanz, zunehmend klarer politischer Verankerung, aber weiterhin deutlichen Unterschieden zwischen Theorie und Praxis, Stadt und Land.

Weitere Artikel

ÖW News
  • Themen und Trends im Tourismus

  • Entwicklungen in internationalen Märkten

  • Veranstaltungen und Messen

  • Neues aus der Tourismusforschung