Barrierefreiheit in Österreichs Tourismus
Good practices und internationale Perspektive
Einleitung
Das Thema Barrierefreiheit stand in unserem Magazin bereits wiederholt im Fokus. Aus gegebenem Anlass wollen wir heute den Blick nach innen und nach außen richten: Wir beleuchten drei ausgewählte Good practices aus verschiedenen Bundesländern, stellen das grenzüberschreitende EU-Projekt „Spaces4all“ vor und schauen uns an, welche Rolle das Thema international spielt.
ALL INCLUSIVE: Tourismus für alle. Nicht nur alles inklusive.
Zunächst wollen wir den Begriff nochmals einordnen. Barrierefreier, inklusiver Tourismus bezieht sich nicht nur auf physische Zugänglichkeit, sondern umfasst ebenso sensorische und kognitive Aspekte. Barrierefreiheit nützt Rollstuhlnutzer:innen, seh- und hörbeeinträchtigten Gästen, Menschen mit Lernschwierigkeiten oder kognitiven Einschränkungen genauso wie älteren Reisenden, Familien mit Kinderwägen, temporär verletzten Gästen sowie schlicht und ergreifend Personen mit schwerem Gepäck.
Barrierefreier und inklusiver Tourismus schafft Teilhabe – für Gäste ebenso wie für Einheimische. Er ist ein zentraler Bestandteil sozialer Nachhaltigkeit und leistet einen wichtigen Beitrag zu den Sustainable Development Goals (SDGs), insbesondere zu SDG 10 „Weniger Ungleichheiten“.
"Tourismus für alle" steht damit auch für eine gesellschaftliche Transformation hin zu mehr Chancengleichheit, Diversität und Lebensqualität. Gleichzeitig können barrierefreie und inklusive Angebote die Resilienz von Destinationen stärken, indem sie breitere Zielgruppen ansprechen und den gesellschaftlichen Wandel aktiv mitgestalten.

Einleitung
Barrierefreiheit im Tourismus ist in Österreich Ländersache. Die Vielfalt und Innovationskraft der Initiativen sind groß, es fehlt jedoch an Einheitlichkeit und Skalierbarkeit. Viele Angebote werden als „barrierefrei“ bezeichnet, obwohl Standards uneinheitlich sind. Fehlende Definitionen und Transparenz, unterschiedliche Zertifizierungssysteme und mangelnde Vergleichbarkeit können zu Enttäuschungen seitens der Gäste führen. Der Wunsch nach Synergien zwischen den Bundesländern besteht, bei gleichzeitiger Berücksichtigung regionaler Unterschiede.
Nationale Perspektive: Good practices in den Bundesländern
Einleitung
Auch auf EU-Ebene gibt es zahlreiche Initiativen zur stärkeren Verankerung der Barrierefreiheit: Das Interreg-Projekt Spaces4All (CE-Spaces4All) beispielsweise zielt darauf ab, die Barrierefreiheit im Tourismus in Zentraleuropa zu verbessern, indem öffentliche Stellen, Tourismusorganisationen und Menschen mit Behinderungen enger zusammenarbeiten. Im Fokus stehen die Entwicklung digitaler Tools zur Erfassung von Barrieren sowie gemeinsame Strategien und lokale Aktionspläne, um Barrierefreiheit stärker in Planung und Praxis zu verankern.
Ziel ist es, Menschen mit eingeschränkter Mobilität selbstbestimmtes Reisen – auch in ländlichen Regionen – zu ermöglichen und gleichzeitig Governance, Bewusstsein und Datenbasis für inklusiven Tourismus dauerhaft zu stärken.
Barrierefreiheit auf den Märkten
Allein EU-weit hatten 2024 rund 24 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahren eine Form von Behinderung bzw. längerfristige Aktivitätseinschränkung, was etwa 90 Millionen Menschen entspricht. Weltweit leben laut WHO rund 16 Prozent der Bevölkerung mit einer Form von Behinderung – das sind etwa 1,3 Milliarden Menschen.
Angesichts dieser Zahlen und des demografischen Wandels in Richtung einer alternden Gesellschaft rückt das Thema Barrierefreiheit auch international immer mehr in den Fokus. Doch was versteht die Bevölkerung darunter, wie steht die Politik dazu und was wird bereits konkret umgesetzt? Gibt es einen gesellschaftlichen Diskurs und wie sieht die gesetzliche Grundlage aus? Und welche Relevanz hat Barrierefreiheit beim Reisen?
Diesen Fragen sind unsere Expertinnen und Experten auf den Märkten nachgegangen, wo neben dem Thema Nachhaltigkeit nun erstmals auch die Barrierefreiheit untersucht wurde. Die Antworten gibt es zu jedem Land in der Weltkarte der Trendforschung.
Einleitung
Zusammenfassend lässt sich in allen drei gezeigten Bereichen erkennen: Barrierefreiheit hat sich von einem vorwiegend infrastrukturellen Thema zu einem strategischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Querschnittsthema entwickelt – mit wachsender Relevanz, zunehmend klarer politischer Verankerung, aber weiterhin deutlichen Unterschieden zwischen Theorie und Praxis, Stadt und Land.