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„Der Rest ist für Sie!“
Die Trinkgeldkultur in unseren Herkunftsmärkten

22.07.2026
Ob Japan, USA oder Deutschland – rund um das Thema Trinkgeld gelten weltweit unterschiedliche Regeln. Wer die Gepflogenheiten der internationalen Gäste kennt, kann ihr Verhalten besser einordnen und Missverständnisse im touristischen Alltag vermeiden.

Man sitzt nach einem gelungenen Abendessen im Urlaub entspannt im Restaurant, die Rechnung kommt – und plötzlich taucht eine Frage auf: Wie war das hier eigentlich mit dem Trinkgeld? Gibt man zehn Prozent? Rundet man einfach auf? Oder wäre ein Trinkgeld sogar unhöflich? Fragen, die sich auch unsere Gäste stellen.

Werfen wir daher gemeinsam einen Blick in unsere Herkunftsländer und die dortigen Trinkgeldgewohnheiten. Wer diese kennt, versteht manche Situationen besser und vermeidet Missverständnisse. Denn fehlendes Trinkgeld bedeutet nicht automatisch, dass das Service nicht gefallen hat.

In manchen Ländern ist Trinkgeld unerwünscht

Bleibt das Trinkgeld aus, kann dies kulturbedingte Gründe haben. In Japan ist Trinkgeld unüblich und kann das Servicepersonal gleichermaßen irritieren. Wer dennoch Geld als Anerkennung geben möchte, erlebt häufig, dass dieses wieder zurückgegeben wird. Gutes Service gilt als selbstverständlicher Bestandteil der Dienstleistung. Ähnlich ist es in China, Südkorea und Singapur. Trinkgeld war in China lange Zeit unerwünscht und galt zeitweise als offiziell untersagt. Am Flughafen von Singapur ist die Annahme von Trinkgeld für viele Mitarbeitende sogar ausdrücklich untersagt.

Kartenzahlung verändert das Trinkgeldverhalten

Immer mehr Menschen bezahlen mit Karte oder Smartphone – auch im Urlaub. Gleichzeitig verändert sich dadurch das Trinkgeldverhalten. Laut Studien geben Gäste bei bargeldlosen Zahlungen häufig weniger Trinkgeld. Oft fehlt schlicht das passende Bargeld extra, viele wissen auch nicht, dass Trinkgeld elektronisch möglich ist. Gäste aus Italien zum Beispiel kennen die Möglichkeit gar nicht, Trinkgeld elektronisch „on top“ zu geben, da diese Variante in ihrem Heimatland nicht möglich ist.

Um diesem Trend entgegenzuwirken, setzen immer mehr Restaurants auf digitale Bezahlterminals mit integrierter Trinkgeldfunktion. Beim Bezahlen werden den Gästen automatisch verschiedene Trinkgeldoptionen – etwa 15, 20 oder 25 Prozent – angezeigt.

Diese Form der Trinkgeldabfrage wird durchaus kritisch gesehen. Studien zeigen, dass sich viele Gäste durch die vorgegebenen Auswahlmöglichkeiten unter sozialen Druck gesetzt fühlen und eher einen höheren Betrag wählen, als sie ohne Option gegeben hätten.

 Zwischen Servicegebühr und freiwilligem Trinkgeld

Dass digitale Trinkgeldoptionen gerade in den USA so verbreitet sind, hängt eng mit der dortigen Trinkgeldkultur zusammen. Für viele Servicekräfte ist das Trinkgeld ein wesentlicher Bestandteil des Einkommens. Entsprechend gelten 20 Prozent oder mehr vielerorts als selbstverständlich – eine Gewohnheit, die US-Gäste häufig auch auf Reisen mitbringen.

Nicht überall müssen Gäste selbst über die Höhe des Trinkgelds entscheiden. In Dänemark sind Serviceleistungen bereits im Preis enthalten – eine Regelung, die 1969 offiziell eingeführt wurde. Zwar kommen auch dort vereinzelt Bezahlterminals mit integrierter Trinkgeldfunktion zum Einsatz. Mitunter deaktivieren Servicekräfte diese Option jedoch noch vor dem Bezahlvorgang, da ihnen die aktive Aufforderung zum Trinkgeld unangenehm ist.

In Großbritannien wird in den meisten Restaurants eine Servicegebühr (service charge) von rund 12,5 Prozent auf die Rechnung gesetzt. Ist diese enthalten, wird in der Regel kein zusätzliches Trinkgeld erwartet. Fehlt sie, sind etwa zehn bis 15 Prozent üblich. Ähnlich verhält es sich in Singapur: Auch dort wird in vielen Restaurants automatisch eine Servicegebühr verrechnet – häufig in Höhe von zehn Prozent.

Gäste aus Deutschland, der Schweiz, Italien, Frankreich, den Niederlanden, Tschechien und Ungarn zeigen beim Trinkgeld häufig ein ähnliches Verhalten wie österreichische Gäste. Für gutes Service wird auch dort üblicherweise aufgerundet oder ein Trinkgeld von etwa fünf bis zehn Prozent gegeben. In Polen ist das Trinkgeldverhalten grundsätzlich mit jenem in Österreich vergleichbar. Lediglich wird in vielen polnischen Restaurants bei größeren Gruppen automatisch eine Servicegebühr verrechnet.

Verständnis statt Missverständnisse

Gerade im Tourismus treffen unterschiedlichste Kulturen aufeinander. Deshalb lohnt es sich, die Gewohnheiten internationaler Gäste zu kennen. Ein freundlicher Hinweis darauf, dass in Österreich kein Serviceentgelt in der Rechnung enthalten ist, kann Missverständnisse vermeiden. Gleichzeitig hilft das Wissen über andere Trinkgeldkulturen dabei, das Verhalten der Gäste richtig einzuordnen und nicht vorschnell als Unzufriedenheit zu interpretieren. Auch wir von der Österreich Werbung tragen dazu bei, indem wir die Travel-Trade-Branche in unseren Herkunftsmärkten für die österreichische Trinkgeldkultur sensibilisieren.

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