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KPI-Toolkit für Destinationen
Zur strategischen Verankerung und Messbarkeit von Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit wird im Tourismus zum strategischen Wettbewerbsfaktor – für Gäste ebenso wie für Mitarbeitende. Das KPI-Toolkit unterstützt Destinationen dabei, Nachhaltigkeit systematisch in der Strategie zu verankern und Wirkung faktenbasiert messbar zu machen.

Destinationen stehen zunehmend unter Druck, Nachhaltigkeit nicht nur kommunikativ, sondern strukturell zu verankern. Einzelmaßnahmen reichen dafür nicht aus. Erforderlich sind klare Zielbilder, Prioritäten und eine nachvollziehbare Erfolgskontrolle.

Vor diesem Hintergrund wurde das KPI-Toolkit entwickelt, um Destinationen eine strukturierte Grundlage zu bieten, Nachhaltigkeit jenseits von Einzelmaßnahmen strategisch zu erfassen und weiterzuentwickeln.

Katrin ErbenÖsterreich Werbung

Expertin für Nachhaltigkeit

KPI-Toolkit für Destinationen als PDF hier downloaden

Nachhaltigkeit strategisch steuern statt punktuell handeln

Von Anspruch zu Steuerungsfähigkeit

Das KPI-Toolkit übersetzt abstrakte Nachhaltigkeitsziele in konkrete Steuerungsgrößen. Es schafft eine gemeinsame Sprache, um ökologische, soziale und ökonomische Aspekte systematisch zu betrachten – und Zielkonflikte sichtbar zu machen, statt sie zu verdecken.

Vergleichbarkeit ohne Vereinfachung

Die ausgewählten KPIs ermöglichen Orientierung und interne Vergleichbarkeit, ohne die Komplexität von Destinationen zu negieren. Sie verstehen sich nicht als Bewertungssystem, sondern als Entscheidungsgrundlage für eine kontextbezogene Weiterentwicklung.

Dynamisches Instrument statt statischer Berichtspflicht

Nachhaltigkeit ist kein Endzustand. Das Toolkit ist daher als lernendes Instrument gedacht, das regelmäßig überprüft, angepasst und weiterentwickelt werden kann – abhängig von regionalen Rahmenbedingungen, Datenverfügbarkeit und strategischen Zielen.

Grundlage für evidenzbasierte Entscheidungen

Durch die strukturierte Erhebung und Interpretation von Kennzahlen unterstützt das Toolkit eine faktenbasierte Diskussion innerhalb der Destination. Es stärkt Transparenz, Priorisierung und die Fähigkeit, Maßnahmen langfristig wirksam auszurichten.

Vorgehensweise bei der Umsetzung

Letztlich geht es darum, das Thema Nachhaltigkeit in den bestehenden Stakeholder-Prozess auf Destinationsebene zu integrieren und aus den genannten Gründen zu einem zentralen strategischen Thema zu machen.

Die Abfolge der Aktivitäten könnte folgendermaßen aussehen:

  1. Awareness für das Thema schaffen und Knowhow aufbauen

  2. Die vorgeschlagene Nachhaltigkeitsstruktur und Indikatoren an die Gegebenheiten und Möglichkeiten der eigenen Destination anpassen. Hier gilt: anfangs lieber klein anfangen und kontinuierlich anpassen und erweitern

  3. Den Istzustand der ausgewählten Kriterien auf Destinationsebene messen. Aufgrund der Fragmentierung und der Notwendigkeit zur Kooperation innerhalb der Destination klingt dies einfacher als es ist.

  4. Messbare Ziele für die Kriterien festlegen. Nur so kann man den Fortschritt auch dokumentieren und die Maßnahmen ausrichten, bzw. Erfolge auch glaubhaft und hinterlegt kommunizieren

  5. Maßnahmen zur Erreichung der gewählten Ziele festlegen

Begleitet werden kann dieser Prozess durch eine gute Kommunikation nach innen innerhalb der Destination, aber auch nach außerhalb in Richtung der bestehenden als auch von potenziellen Gästen. Sehr wichtig ist es dabei zu beachten, keine irreführenden, unklaren und falschen Behauptungen bzw. Versprechungen zu kommunizieren, um nicht in den Vorwurf des Greenwashings zu geraten. Die Kommunikation soll ehrlich, transparent und authentisch sein und soll Ambitionen und Erfolge ohne Übertreibungen sichtbar machen.

Übersicht der Nachhaltigkeitsindikatoren (ESG)
Die folgenden Indikatoren geben einen strukturierten Überblick darüber, wie Nachhaltigkeit auf Destinationsebene erfasst werden kann. Gegliedert nach ESG machen sie ökologische, soziale und Governance-bezogene Wirkungen sichtbar und vergleichbar.

Klima & Umwelt (Environment)

Diese Indikatoren machen sichtbar, wie stark touristische Aktivitäten ökologische Ressourcen beanspruchen und wo zentrale Hebel zur Reduktion von Emissionen, Ressourcenverbrauch und Umweltbelastungen liegen.

Misst den Anteil der Gäste, die für An- und Abreise öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Der Indikator zeigt, wie gut nachhaltige Mobilität strukturell ermöglicht wird und welchen Beitrag die Destination zur Reduktion verkehrsbedingter Emissionen leistet.

Erfasst den Anteil emissionsfreier bzw. emissionsarmer Verkehrsmittel vor Ort. Der Indikator macht sichtbar, ob klimafreundliche Mobilitätsangebote tatsächlich genutzt werden und wie wirksam entsprechende Maßnahmen sind.

Bildet die gesamten Treibhausgasemissionen pro Nächtigung ab. Der Indikator schafft Transparenz über den Klimafußabdruck des Tourismus und dient als zentrale Grundlage für strategische Reduktionsmaßnahmen.

Zeigt die prozentuale Reduktion der Gesamtemissionen gegenüber einem Basisjahr. Der Fokus liegt auf Fortschritt über Zeit und der Wirksamkeit gesetzter Maßnahmen, nicht auf Einzelwerten.

Misst den Anteil erneuerbarer Energie am Gesamtenergieverbrauch der Destination. Der Indikator zeigt, wie unabhängig die Destination von fossilen Energieträgern ist und wie resilient ihre Energieversorgung gestaltet ist.

Erfasst den Wasserverbrauch pro Nächtigung. Der Indikator macht Effizienz sichtbar und zeigt, wie verantwortungsvoll mit einer zunehmend knappen Ressource umgegangen wird.

Misst die Recyclingquote der Destination. Der Indikator zeigt, wie gut Abfälle vermieden, getrennt und wiederverwertet werden und wie funktional der Abfallkreislauf organisiert ist.

Der Biodiversitätsindex bildet Zustand und Vielfalt von Lebensräumen und Arten ab. Er zeigt, inwieweit touristische Entwicklung mit dem Erhalt ökologischer Vielfalt vereinbar ist.

Mensch & Gesellschaft (Social)

Diese Dimension fokussiert auf soziale Wirkung, Akzeptanz und Teilhabe. Sie zeigt, wie Tourismus zur Lebensqualität, Chancengerechtigkeit und gesellschaftlichen Stabilität beiträgt.

Misst den Anteil lokal beschäftigter Personen. Der Indikator zeigt, inwieweit touristische Wertschöpfung tatsächlich in der Region verankert ist.

Vergleicht das Lohnniveau im Tourismus mit nationalen Referenzwerten. Der Indikator macht sichtbar, ob Tourismus als attraktiver und fairer Arbeitsmarkt wirkt.

Der Diversity-Index zeigt, wie inklusiv und vielfältig die Destination strukturell aufgestellt ist – etwa in Bezug auf Geschlechtergerechtigkeit, Barrierefreiheit oder soziale Integration.

Erfasst Investitionen und Leistungen des Tourismus für die lokale Gesellschaft. Der Indikator zeigt, ob Tourismus über wirtschaftliche Effekte hinaus gesellschaftliche Verantwortung übernimmt.

Misst den Anteil der Gäste, die an nachhaltigen Aktivitäten teilnehmen. Der Indikator zeigt, wie stark Nachhaltigkeit im Gästeerlebnis verankert ist und Mitwirkung ermöglicht wird.

Innovation, Ethik, Richtlinien & Zertifikate (Governance)

Diese Indikatoren bilden die strukturellen Voraussetzungen nachhaltiger Entwicklung ab – von Steuerung und Transparenz bis zu Innovations- und Lernfähigkeit.

Erfasst die Anzahl nachhaltiger Innovationen in der Destination. Der Indikator zeigt, wie aktiv neue Lösungen für ökologische und soziale Herausforderungen entwickelt werden.

Misst die Teilnahmequote an Austausch- und Weiterbildungsformaten. Der Indikator zeigt, wie gut Wissen geteilt und Akteur:innen eingebunden werden.

Erfasst die Gesamtzufriedenheit der Gäste. Der Indikator dient als Qualitätsmaßstab und zeigt, ob nachhaltige Entwicklung mit positiven Gästeerlebnissen vereinbar ist.

Misst die Zustimmung der lokalen Bevölkerung zum Tourismus. Der Indikator macht soziale Tragfähigkeit sichtbar und hilft, Konflikte frühzeitig zu erkennen.

Der Tourismusbelastungsindex setzt Besucher:innenzahlen ins Verhältnis zur Tragfähigkeit. Er zeigt, ob Nutzung und Belastungsgrenzen im Gleichgewicht stehen.

Misst den Umsetzungsgrad definierter Nachhaltigkeitsrichtlinien. Der Indikator zeigt, ob strategische Ziele tatsächlich in die Praxis überführt werden.

Erfasst den Anteil nachhaltiger Produkte und Dienstleistungen am Gesamtbeschaffungsvolumen. Der Fokus liegt auf struktureller Hebelwirkung entlang von Lieferketten.

Misst den Anteil zertifizierter Betriebe und Unterkünfte. Der Indikator zeigt den Verbreitungsgrad überprüfbarer Nachhaltigkeitsstandards.

Erfasst den Implementierungsgrad eines systematischen Nachhaltigkeitsmanagements. Der Indikator zeigt Steuerungs- und Lernfähigkeit der Destination.

Misst den Anteil der Gäste, die nachhaltige Angebote kennen und nutzen. Der Indikator zeigt Wirksamkeit und Glaubwürdigkeit der Kommunikation.

Erfasst die Anzahl veröffentlichter Berichte. Der Fokus liegt auf Transparenz, Nachvollziehbarkeit und kontinuierlicher Berichterstattung.

Misst die Anzahl strukturierter Dialogformate mit relevanten Akteur:innen. Der Indikator zeigt, wie stark partizipative Destinationsentwicklung gelebt wird.

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Betriebsinterne Nachhaltigkeitskennzahlen

Auch für Unternehmen relevant:

Zur Unterstützung bei der Auseinandersetzung mit betriebsinternen Nachhaltigkeitskennzahlen wurde gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Österreich, Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft, dem Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus und der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank das Infopapier "Betriebsinterne Nachhaltigkeitskennzahlen – Der Schlüssel zu ganzheitlichen Unternehmenserfolg" erarbeitet.

Das Factsheet führt Tourismus- und Freizeitwirtschaftsbetriebe an das Thema Nachhaltigkeitskennzahlen heran und informiert über sämtliche Vorteile.

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