Ausgabe vom 12.02.2026
Von der Tourismusforschung gesammelte Highlights der letzten Wochen aus Forschungssicht
Einleitung
Diesmal mit dabei: die Hochrechnung der Nächtigungsstatistik für Dezember und das Kalenderjahr 2025, der aktuelle ETC Long-Haul Travel Barometer und Vieles mehr.
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Einleitung
Aktivurlaub im Freien verfügt über ein großes Marktpotenzial. Besonders das Naturerlebnis spielt dabei eine zentrale Rolle: Für rund die Hälfte der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren ist es ein wesentliches Reisemotiv. Etwa ein Viertel legt im Urlaub Wert auf leichte sportliche Betätigung, während rund zehn Prozent gezielt aktive Sportausübung suchen. Bei Personen, die einen Urlaub in Österreich planen, sind diese Motive deutlich stärker ausgeprägt.
Im Dezember wurden 4,2 Millionen Ankünfte (+9 %) und 13,9 Millionen Übernachtungen (+9,9 %) verzeichnet. Sowohl die Ankünfte ausländischer Gäste (+9,1 %), als auch die inländischen Ankünfte (+8,5 %) nahmen zu. Die Übernachtungen internationaler Gäste stiegen besonders stark um +10,9 %, während die Inlandsnächtigungen mit +5,6 % ebenfalls über dem Vorjahreswert lagen.
Insgesamt wurden im Kalenderjahr 2025 48,2 Millionen Ankünfte (+3,1 %) und 157,3 Millionen Übernachtungen (+1,9 %) verzeichnet. Die Ankünfte von Gästen aus dem Ausland stiegen um +4,0 %, während die inländischen Ankünfte um +1,0 % zunahmen. Ähnlich entwickelten sich die Nächtigungszahlen mit einem Anstieg um +2,4 % bei internationalen Gästen sowie +0,5 % bei inländischen Gästen. Besonders stark wuchsen die Übernachtungen in gewerblichen Ferienwohnungen (+5,9 %) sowie in 5- und 4-Sterne-Hotels (+2,5 %).
Unter den Top-15-Herkunftsländern aus dem Ausland gab es im Kalenderjahr 2025 die größten relativen Nächtigungszuwächse aus den USA (+7,8 %), Polen (+7,3 %), der Slowakei (+6,4 %), der Tschechischen Republik (+6,1 %), Spanien (+6,0 %), Rumänien (+3,5 %) sowie Ungarn (+2,9 %), Italien (+2,2 %) und dem Vereinigten Königreich (+2,1 %).
In der bisherigen Wintersaison (November bis Dezember) wurden 6,6 Millionen Ankünfte (+7,5 %) und 19,7 Millionen Nächtigungen (+8,1 %) gezählt. Die Übernachtungen ausländischer Gäste stiegen um +10,7 %, während die inländischen Nächtigungen um +1,0 % zunahmen.
Einleitung
Laut dem aktuellen „Hotel & Air Travel Trends – Demand Generation Market Snapshot“ von Amadeus Travel Intelligence zeigt die Reise- und Beherbergungsbranche zwischen Januar und April 2026 eine robuste Nachfrage. Die Auswertung globaler Daten zu Flug- und Hotelkennzahlen belegt, dass sowohl internationale als auch regionale Flugsuchanfragen im Vergleich zu den Vorjahren deutlich gestiegen sind, was auf eine anhaltend hohe Reisewilligkeit hinweist. Besonders ausgeprägt ist das Wachstum bei Flug-Suchanfragen im internationalen und regionalen Verkehr, was insgesamt auf einen starken Start ins Reisejahr hindeutet.
Die Hotelseite zeigt stabile bis leicht verbesserte Leistungskennzahlen: Die Auslastung der Hotels sowie Durchschnittsraten pro Zimmer (ADR) sind im Vergleich zu den Vorjahreszeiträumen meist konstant geblieben oder leicht gestiegen, was für eine solide Nachfrage und robuste Erholung spricht. Die Daten deuten zudem darauf hin, dass eine effektive Nachfragegenerierung im Jahr 2026 stark von der Analyse des Reiseverhaltens über mehrere Kanäle und einer gezielten Marketingausrichtung abhängen wird.
Im regionalen Vergleich dominieren Asien-Pazifik, Europa, Nordamerika, Lateinamerika und Nahost/Afrika als Hauptmärkte für Flug- und Hotel-Suchanfragen und Buchungen. Die Auswertung umfasst unter anderem Top-Reiseziele, Herkunftsmärkte und Unterschiede zwischen den Regionen für das Winter- und Frühjahrsgeschäft. Ergänzend legt der Bericht nahe, dass Destinationen und Leistungsträger ihre Strategien auf Grundlage dieser Nachfrage-Insights anpassen sollten, um Spitzenzeiten, Marktsegmente und sich ändernde Buchungsdynamiken optimal zu nutzen.
Der Amadeus-Bericht liefert damit ein datenbasiertes Marktbild für die ersten vier Monate des Jahres und unterstreicht die Bedeutung von zielgerichteten Vertriebs- und Marketingstrategien für die weitere Entwicklung der globalen Reise- und Beherbergungsbranche.
Einleitung
In der Studie „Trains, flights and luggage“ der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften haben Studierende des Bachelorprogramms Mobility Science europaweit 136 Bahn- und Flugverbindungen preislich verglichen, wobei insbesondere die Berücksichtigung von Gepäckkosten im Fokus stand. Ausgangspunkt der Analyse war eine frühere Greenpeace-Untersuchung „Flying cheap, paying dear“, die zeigte, dass ohne Gepäck und Zusatzleistungen Flugtickets auf vielen Routen günstiger sein können als Zugfahrten. Diese ZHAW-Studie erweitert die Perspektive, indem vier realistische Nutzungsszenarien betrachtet wurden, darunter Reisen mit Handgepäck, mit aufgegebenem Gepäck sowie Reisen in Paar- und Familiensituationen.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass für Solo-Reisende ohne oder mit wenig Gepäck Fliegen und Zugfahren oft preislich ähnlich sind, wobei manche Flüge etwas günstiger ausfallen können. Steigt jedoch die Anzahl der Personen oder des Gepäcks, erhöhen sich die Flugkosten überproportional, was dazu führt, dass Bahnreisen für Familien und Gepäckreisende vielfach deutlich günstiger sind. Dies liegt unter anderem an versteckten Gepäckzuschlägen bei Airlines und Kinderrabatten bei Bahnen, die sich im Gesamtpreis erheblich auswirken können.
Die Studie liefert damit eine datenbasierte Grundlage für Verbraucher und Entscheidungsträger im Mobilitätssektor, um die tatsächlichen Kosten von Reisen zwischen Flugzeug und Zug besser vergleichen zu können, insbesondere unter realitätsnahen Bedingungen mit variierenden Reisekonstellationen.
Einleitung
Die Long-Haul Travel Barometer 1/2026-Auswertung der European Travel Commission (ETC) zeigt für das Jahr 2026 eine abgeflachte Nachfrage nach Langstreckenreisen, auch in Richtung Europa. Die Daten basieren auf mehr als 7.000 repräsentativen Online-Interviews potenzieller Reisender aus Australien, Brasilien, Kanada, China, Japan, Südkorea und den USA, mit Blick auf das gesamte Jahr sowie auf die ersten vier Monate 2026.
Insgesamt hat die Absicht, Langstreckenreisen zu unternehmen, im Vergleich zu 2025 merklich nachgelassen, was unter anderem auf finanzielle Limitierungen und eine stärkere Nachfrage nach kurzeren, näher gelegenen oder heimischen Trips zurückzuführen ist. Der Anteil derjenigen, die einen Besuch in Europa planen, ist leicht gesunken, liegt aber weiterhin auf solider Basis. China ist der stärkste Markt mit der höchsten Europa-Reiseabsicht, gefolgt von Brasilien, während Australien, Kanada, die USA, Südkorea und Japan weniger Interesse an Europa zeigen als im Vorjahr.
Die Untersuchung zeigt, dass Wert, Nähe und Reiseerlebnis im Vordergrund stehen, wobei Europa trotz leichter Rückgänge weiterhin hohe Aufenthalts- und Erlebnispräferenzen bietet. Insbesondere kulturelle Erfahrung und Erlebnisse bleiben zentrale Treiber für Reisen in die Region, während Kosten, begrenzte Freizeit und ein stärkerer Fokus auf nahe Ziele Barrieren für längere Fernreisen darstellen.
Für Destinationen und Reiseakteure bedeutet dies, dass strategische Positionierung und Kommunikation von Preis-Leistungs-Verhältnis, Flexibilität und einzigartigen Erlebnissen entscheidend sind, um langfristiges Interesse insbesondere aus überseeischen Märkten zu sichern.
Einleitung
Junge Menschen im Alter von etwa 16 bis 35 Jahren reisen laut einer aktuellen Studie der Schörghuber Gruppe zunehmend gemeinsam und legen dabei verstärkt Wert auf Qualität und soziale Erlebnisse. Bei dieser Altersgruppe stehen Hotels als bevorzugte Unterkunftsform im Vordergrund, und viele Reisen werden mit dem Partner oder in Freundesgruppen unternommen. Klassische Erholungs- und Fernreisen sowie längere Urlaube werden typischerweise zu zweit geplant, während Reisen in deutschsprachige Länder öfter in Freundeskreisen stattfinden. Gleichzeitig ist der Anteil der Alleinreisenden rückläufig. Das vorhandene Umweltbewusstsein der Generationen Y und Z wirkt sich nur bedingt auf die konkrete Wahl von Reisezielen und Reiseformen aus, sobald Komfort und Erlebnisqualität im Fokus stehen. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass für diese Generationen Reisen vor allem eine soziale Erfahrung sind, in der gemeinsame Zeit und hochwertige Erlebnisse eine zentrale Rolle spielen.
Einleitung
Eine Studie aus dem F.acT-Zentrum für Tourismusforschung hat untersucht, inwieweit Weiterempfehlungen von Gästen die Besucherzahlen in Skigebieten vorhersagen können. Die Analyse basiert auf einem Langzeit-Datensatz mit über 136 Destinations-Jahres-Beobachtungen und mehr als 120.000 Umfrageantworten von Skigästen zwischen 2011/12 und 2017/18, kombiniert mit archivierten Zugangsdaten aus 38 Skigebieten. Untersucht wurde vor allem der Net Promoter Score (NPS), der die Bereitschaft misst, eine Destination weiterzuempfehlen, und wie gut dieser Wert im Vergleich zu klassischer Kundenzufriedenheit und wahrgenommenem Wert die zukünftige Nachfrage erklärt.
Die Ergebnisse zeigen, dass eine hohe Weiterempfehlungsrate einen positiven Einfluss auf die Besucherzahlen hat, insbesondere für die darauffolgende Saison, wo die Vorhersagekraft am stärksten ist. Allerdings übertrifft die traditionelle Kundenzufriedenheit den Net Promoter Score in ihrer Bedeutung für die Besucherzahlentwicklung, da Zufriedenheit auch dann Einfluss hat, wenn sie nicht unbedingt zu einer Weiterempfehlung führt. Zudem nimmt die Vorhersagekraft des NPS ab, je erfahrener Gäste mit einer Skidestination sind, weil treue Stammgäste bereits loyal sind und ihr Besuchsverhalten dadurch weniger variabel wird.
Die Studie liefert damit theoretische und praktische Einblicke, dass der Net Promoter Score zwar ein nützliches Instrument sein kann, aber nicht automatisch aussagekräftiger ist als klassische Zufriedenheitskennzahlen und besonders bei Stammgästen an Vorhersagekraft verliert.
Einleitung
Der Jugend-Internet-Monitor ist eine jährlich durchgeführte, repräsentative Studie im Auftrag von Saferinternet.at, die untersucht, wie Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren in Österreich soziale Netzwerke und Online-Plattformen nutzen und wie sich diese Nutzung verändert. Die Studie zeigt die beliebtesten digitalen Angebote und Trends im Nutzungsverhalten dieser Altersgruppe.
Für 2026 liegen aktuelle Daten zu den am häufigsten genutzten Plattformen vor. WhatsApp bleibt mit 82 Prozent Nutzung Spitzenreiter, gefolgt von YouTube (76 %), Snapchat (65 %), TikTok (64 %) und Instagram (64 %). Diese großen Angebote verzeichnen im Vergleich zum Vorjahr deutliche Rückgänge in der Nutzung, wobei auch Plattformen wie Microsoft Teams (31 %) Platz im Ranking finden. Kleinere Dienste wie Pinterest, Roblox, Discord und Twitch werden ebenfalls genutzt, zeigen aber ebenfalls rückläufige Zahlen. Die App BeReal hat besonders stark an Bedeutung verloren und wird nur noch von einer Minderheit verwendet.
Geschlechtsspezifische Unterschiede bei den Top-Netzwerken sind 2026 insgesamt gering, wobei YouTube und TikTok etwas häufiger von Jungen genutzt werden, während bei WhatsApp, Snapchat und Instagram keine Unterschiede mehr bestehen. Bei bestimmten kleineren Angeboten zeigen sich weiterhin Unterschiede zwischen Mädchen und Burschen, etwa bei Pinterest oder Discord.
Die Ergebnisse des Jugend-Internet-Monitors werden genutzt, um Trends in der Mediennutzung Jugendlicher zu identifizieren, Risiken für junge Nutzerinnen und Nutzer zu erkennen und Sensibilisierungs- und Unterstützungsmaßnahmen anzupassen. Dies dient unter anderem dazu, Erwachsene über digitale Lebenswelten von Jugendlichen zu informieren und digitale Bildungs- und Präventionsangebote auszurichten.
Einleitung
Das aktuelle ÖHV-Urlaubsradar der Österreichischen Hotelvereinigung (ÖHV), das gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Reppublika Research durchgeführt wurde, zeigt für die Semesterferien 2026 eine deutlich gesteigerte Reiselust unter den Österreicherinnen und Österreichern. Im Vergleich zum Vorjahr planen 30,7 Prozent der Befragten, in den Semesterferien zu verreisen, nachdem im Jahr zuvor 25,5 Prozent eine Reise angekündigt hatten. Gleichzeitig hat der Inlandstourismus stark zugenommen. Knapp vier von fünf Urlauberinnen und Urlaubern – konkret 78,6 Prozent – verbringen ihre Ferien in Österreich, was einen deutlichen Anstieg gegenüber 63,8 Prozent im Jahr 2025 markiert. Kurze Wege, Verlässlichkeit, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und die breite Angebotsvielfalt werden als Hauptgründe für diese Entwicklung genannt.
Bei den beliebtesten Reisezielen liegen die klassischen Winter- und Aktivregionen vorne: Salzburg (19,9 %), Tirol (14,6 %) und Steiermark (13,0 %) führen das Ranking an. Ergänzend gewinnen Städtereisen nach Wien an Bedeutung und sprechen besonders urbane Zielgruppen an. Hinsichtlich der Urlaubsarten dominieren Aktiv- und Erlebnisurlaube – etwa Skifahren und Winterwandern – mit 39,4 Prozent, wobei auch Wellnessurlaube mit 25,2 Prozent weiter an Interesse gewinnen. Neben diesen klassischen Formen werden Städtereisen und Kulturaufenthalte (16,7 %) sowie Besuche bei Familie und Freund:innen (17,5 %) als weitere Urlaubsoptionen genannt.
Die Ergebnisse des Urlaubsradars signalisieren optimistische Erwartungen für die Wintersaison 2026 im österreichischen Tourismus, insbesondere für Hotellerie, Gastronomie und Freizeitangebote im Inland.