Ausgabe vom 26.03.2026
Von der Tourismusforschung gesammelte Highlights der letzten Wochen aus Forschungssicht

News aus der Tourismusforschung

Diesmal mit dabei: der T-MONA Bericht: Rad-Urlaub in Österreich im Sommer 2025, die Statistik Austria Publikation: Österreich.Zahlen.Daten.Fakten 2025/26 und Vieles mehr.

Tourismusforschung & Data Analytics
T-MONA: Rad-Urlaub in Österreich im Sommer 2025

80-90% der Rad-Urlauber:innen stammen aus Deutschland oder Österreich, die Niederlande liegen mit 3-5% weit abgeschlagen an dritter Stelle.

Gäste mit Mountainbike oder Rennrad sind etwas jünger als der durchschnittliche Sommergast, Genuss-Radfahrer:innen und E-Biker:innen sind mit 56 Jahren im Schnitt um rund 4 Jahre älter. Knapp zwei Drittel der E-Biker:innen sind 55+ Jahre alt. Gäste mit E-Bike und Mountainbike sind besonders kaufkräftig, 56% der E-Biker:innen und 62% der Mountainbiker:innen verfügen über ein Haushalts-Netto-Einkommen von mehr als 4.000 € (vs. 51% beim durchschnittlichen Sommergast). Alle Rad-Urlauber-Gruppen sind überwiegend als Paar in Österreich unterwegs, ganz vorne liegen hier die E-Biker:innen mit 58%.

8 von 10 Rad-Urlauber:innen sind Stammgäste.

Im Vergleich dazu ist der Stammgäste-Anteil beim durchschnittlichen Sommergast mit 65% etwas geringer, wobei bei den Rad-Urlauber:innen die große Zahl an österreichischen und deutschen Gästen Einfluss hat.

Natur und Landschaft in der Region sind neben den Sportmöglichkeiten das wichtigste Entscheidungskriterium für die Wahl der Destination.
Auch das Angebot an Radwegen bzw. Mountainbikestrecken ist für die Destinationswahl ausschlaggebend.

Genuss-Radfahrer:innen, E-Biker:innen und Mountainbiker:innen bleiben länger als der durchschnittliche Sommergast, Rennradfahrer:innen etwas kürzer. Bei Radfahrer:innen sind 4-Sterne-Hotels die wichtigste Unterkunftsart, ebenso wie beim durchschnittlichen Sommergast. Rad-Urlauber:innen nächtigen zudem häufiger am Campingplatz, dieser macht je nach Rad-Art 11%-17% der Nächtigungen aus, vs. 6% beim durchschnittlichen Sommergast.

T-MONA: Österreichgäste in Flussregionen im Sommer 2025

Für diesen Bericht definieren wir Gäste in Flussregionen als Personen, die angegeben haben, ihren Urlaub in einer der folgenden 8 Flussregionen verbracht zu haben:
Donau Niederösterreich, Donauregion Oberösterreich, Klopeiner See-Südkärnten/Lavanttal, Lavanttal, Lechtal, Linz, Mostviertel, Wörthersee/Rosental. Das waren im Sommer 2025 4% aller Gäste in Österreich.

Knapp 2/3 der Gäste in Flussregionen sind 55 Jahre oder älter.

Der Altersdurchschnitt beträgt 58 Jahre, vs. 52 Jahre beim durchschnittlichen Sommergast. 6 von 10 Gästen in den österreichischen Flussregionen stammen aus Österreich, 3 von 10 kommen aus Deutschland. Das Haushalts-Nettoeinkommen ist etwas geringer als beim durchschnittlichen Sommergast, 39% der Gäste in Flussregionen habe ein HH-Nettoeinkommen über Euro 4.000 (vs. 51% bei den Sommergästen). Die häufigste Reisekonstellation sind Paare (45%), im Vergleich zur Gesamtheit der Sommergäste reist man seltener mit Kindern oder Jugendlichen. Bei den Gästen in Flussregionen gibt es einen sehr hohen Stammgäste-Anteil von 80%, vs. 66% bei den Sommergästen.

Zufriedenheit und Weiterempfehlung auf sehr hohem Niveau.
Bei Gästen in Flussregionen ist die Zufriedenheit auf einem sehr hohen Niveau, mit einer Top Bewertung von 63% für die Gesamtzufriedenheit (=Stufe 1 „äußerst begeistert“ auf einer 6-stufigen Skala). Besonders gut bewertet werden Landschaft und Natur (76% Top Bewertung), sowie Gastfreundschaft (65%) und Anreise (59%). Die Weiterempfehlungsabsicht ist mit 91% ebenfalls auf einem sehr hohen Wert (Top 3 auf einer 10-stufigen Skala).

International
WTTC: Iran-Krieg kostet den Reise- und Tourismussektor bereits mindestens 600 Millionen US-Dollar pro Tag

Laut aktueller Analyse des World Travel & Tourism Council (WTTC) verursacht der eskalierende Iran-Konflikt bereits erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen auf den globalen Tourismus. Allein im Nahen Osten belaufen sich die Verluste bei den internationalen Besucherausgaben aktuell auf rund 600 Mio. US-Dollar pro Tag. Hauptursachen sind Einschränkungen im Luftverkehr, sinkendes Vertrauen der Reisenden sowie eine reduzierte regionale und globale Konnektivität.

Die Region hat eine zentrale Bedeutung für den weltweiten Tourismus, sie steht für etwa 5 % der internationalen Ankünfte und rund 14 % des globalen Transitverkehrs. Entsprechend wirken sich Störungen in wichtigen Luftverkehrsdrehkreuzen wie Dubai, Doha oder Abu Dhabi unmittelbar auf internationale Reiseflüsse aus und betreffen neben Airlines auch Hotels, Mietwagenanbieter und Kreuzfahrtunternehmen weltweit.

Vor Ausbruch des Konflikts wurde für den Nahen Osten ein internationales Besucheraufkommen mit Ausgaben von rund 207 Mrd. US-Dollar für 2026 prognostiziert. Die aktuellen Entwicklungen zeigen, wie schnell geopolitische Krisen diese Erwartungen dämpfen können und wie stark der Tourismussektor von stabilen Rahmenbedingungen und funktionierender Konnektivität abhängt.

Gleichzeitig betont das WTTC die hohe Resilienz der Branche: Frühere Krisen zeigen, dass sich die touristische Nachfrage nach sicherheitsbedingten Einbrüchen vergleichsweise rasch erholen kann, teilweise innerhalb von zwei Monaten, sofern Vertrauen schnell wiederhergestellt wird und koordinierte Maßnahmen von Politik und Branche erfolgen.

Insgesamt unterstreicht die Analyse die globale Verflechtung des Tourismus und seine hohe Sensibilität gegenüber geopolitischen Entwicklungen, bei gleichzeitig grundsätzlich robuster Erholungsfähigkeit.

Wachstumssegment Solo-Frauenreisen. Sicherheit und Infrastruktur als Schlüsselfaktoren

Der aktuelle Bericht zu den besten Destinationen für Solo-Frauenreisen zeigt, dass dieses Segment weiterhin stark wächst und zunehmend an Bedeutung für den internationalen Tourismus gewinnt. Ausschlaggebend für die Wahl der Destination sind vor allem Sicherheitsaspekte, gute touristische Infrastruktur sowie eine offene, gastfreundliche Atmosphäre. Besonders Länder wie Island, Japan oder Portugal schneiden regelmäßig gut ab, da sie durch niedrige Kriminalitätsraten, einfache Orientierung und hohe Servicequalität überzeugen.

Auffällig ist zudem, dass Europa eine zentrale Rolle einnimmt: Viele Destinationen profitieren von dichter Verkehrsinfrastruktur, kultureller Vielfalt und vergleichsweise hoher wahrgenommener Sicherheit. Gleichzeitig bleiben auch asiatische Ziele wie Thailand oder Vietnam attraktiv, da sie neben Sicherheit ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und starke soziale Reise-Communities bieten.

Der Trend zur Solo-Frauenreise wird dabei stark von gesellschaftlichen Entwicklungen getragen. Immer mehr Frauen entscheiden sich bewusst für unabhängiges Reisen, getrieben von dem Wunsch nach Flexibilität, Selbstbestimmung und authentischen Erlebnissen. Studien zeigen, dass ein wachsender Anteil von Frauen. insbesondere jüngere Zielgruppen. Solo-Reisen zumindest in Betracht zieht, was das Marktpotenzial weiter erhöht.

Für Destinationen ergibt sich daraus eine klare strategische Chance: Angebote, die gezielt auf Sicherheit, Orientierung und soziale Anschlussmöglichkeiten ausgerichtet sind, können Wettbewerbsvorteile schaffen. Insgesamt unterstreicht der Bericht die zunehmende Relevanz dieses Segments als dynamischen Wachstumstreiber im globalen Tourismus.

Camperurlaub bleibt auf Wachstumskurs

Der Camper- und Wohnmobiltourismus bleibt trotz eines herausfordernden Umfelds ein dynamisches Wachstumssegment. Laut Branchenbeobachtungen entwickelt sich die Nachfrage weiterhin positiv, auch wenn sich einzelne Märkte unterschiedlich entwickeln. So zeigen sich etwa klassische Fernziele wie die USA zuletzt schwächer, während andere Destinationen wie Kanada, Australien oder Neuseeland deutlich zulegen und von Nachfrageverschiebungen profitieren.

Ein wesentlicher Wachstumstreiber liegt in der breiten Zielgruppenansprache: Camperreisen sprechen sowohl junge Reisende und Familien als auch ältere Zielgruppen an. Auffällig ist dabei der hohe Anteil an Erstnutzern. Ein Großteil der Kunden hat zuvor keine Erfahrung mit dieser Urlaubsform, was auf ein weiterhin großes Marktpotenzial hinweist.

Die Attraktivität des Segments basiert vor allem auf zentralen Reisemotiven wie Flexibilität, Unabhängigkeit und Naturerlebnis. Diese Bedürfnisse gewinnen im Kontext eines zunehmend individualisierten Reiseverhaltens weiter an Bedeutung. Gleichzeitig zeigt sich eine hohe Wiederkehrrate, sobald Reisende positive Erfahrungen mit dieser Urlaubsform gemacht haben.

Herausforderungen bestehen insbesondere auf der Angebotsseite: Engpässe bei Campinginfrastruktur und Stellplätzen, vor allem in Europa, können das weitere Wachstum bremsen. Insgesamt bestätigt sich jedoch, dass Camperurlaub nicht nur ein kurzfristiger Trend ist, sondern sich als stabiler Bestandteil des globalen Tourismus etabliert hat.

Kulturtourismus wird vielfältiger und strategisch wichtiger für Destinationen

Die Literaturübersicht des Bayerischen Zentrums für Tourismus zeigt, dass Kulturtourismus ein breit gefächertes und wachsendes Forschungsfeld ist, das weit über klassische Besichtigungsangebote hinausgeht. Im Zentrum steht das Interesse der Reisenden, Kultur in unterschiedlichen Formen zu erleben. Dazu zählen neben dem Besuch von Sehenswürdigkeiten auch Veranstaltungen, Alltagskultur und spezifische Themenangebote wie Kulinarik-, Literatur- oder Architekturtourismus.

Ein zentrales Ergebnis der Forschung ist die zunehmende Ausdifferenzierung des Segments: Kulturtourismus umfasst heute eine Vielzahl spezialisierter Nischen, von Heritage- und Industrietourismus bis hin zu spirituellen oder literarischen Reiseformen. Diese Diversifizierung eröffnet Destinationen neue Möglichkeiten zur Profilbildung und Zielgruppenansprache.

Gleichzeitig wird Kulturtourismus nicht mehr nur als touristisches Thema verstanden, sondern als Schnittstelle zwischen Tourismus, Kulturpolitik und regionaler Entwicklung. Die enge Zusammenarbeit zwischen kulturellen Institutionen und touristischen Akteuren gilt als entscheidend, da beide zunehmend dieselben Zielgruppen adressieren und gemeinsam Wertschöpfung generieren.

Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Bedeutung von Authentizität und qualitativ hochwertiger Vermittlung. Erfolgreiche kulturtouristische Angebote basieren auf den spezifischen kulturellen Ressourcen einer Destination und deren glaubwürdiger Inszenierung. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach erlebnisorientierten und emotional ansprechenden Formaten, die über reine Wissensvermittlung hinausgehen.

Insgesamt unterstreicht die Literaturübersicht das hohe Potenzial des Kulturtourismus als strategisches Entwicklungsfeld. Insbesondere für europäische Destinationen mit dichtem kulturellem Erbe bietet er vielfältige Chancen zur Differenzierung, Wertschöpfung und nachhaltigen Positionierung im internationalen Wettbewerb.

National
Statistik Austria: Österreich.Zahlen.Daten.Fakten 2025/26

Die Publikation „Österreich. Zahlen. Daten. Fakten 2025/26“ der Statistik Austria zeigt ein insgesamt stabiles bis wachsendes Bild der österreichischen Wirtschaft und Gesellschaft, in dem der Tourismus weiterhin eine zentrale Rolle einnimmt. Besonders hervorzuheben ist, dass der Tourismus 2024 erneut zulegen konnte: Die Nächtigungen stiegen auf rund 154,3 Mio., getragen sowohl von inländischen (+0,9 %) als auch internationalen Gästen (+2,5 %). Damit bestätigt sich die anhaltend hohe Bedeutung des internationalen Tourismus für Österreich.

Im gesamtwirtschaftlichen Kontext bleibt der Tourismus eine wichtige Stütze der österreichischen Wirtschaft, die eng mit anderen Bereichen wie Beschäftigung, regionaler Entwicklung und Infrastruktur verknüpft ist. Die steigenden Gästezahlen wirken sich positiv auf Wertschöpfung und Arbeitsmarkt aus, stehen jedoch gleichzeitig im Spannungsfeld struktureller Herausforderungen wie Preisentwicklung, Arbeitskräftemangel und Nachhaltigkeitsanforderungen, die den gesamten Wirtschaftsraum betreffen.

Über den Tourismus hinaus verdeutlicht die Publikation grundlegende Rahmenbedingungen für die weitere Entwicklung: Österreich zählt Anfang 2025 rund 9,2 Mio. Einwohner:innen mit weiter leicht wachsender Bevölkerung, wobei insbesondere urbane Räume wie Wien stark an Bedeutung gewinnen. Diese demografischen Entwicklungen sind auch für den Tourismus relevant, etwa im Hinblick auf Arbeitskräfte, Nachfragepotenziale und Infrastruktur.

Zugleich zeigt sich Österreich als geografisch und klimatisch vielfältige Destination mit unterschiedlichen naturräumlichen Voraussetzungen, die eine zentrale Grundlage für touristische Angebote bilden. Insgesamt zeichnet die Publikation das Bild eines weiterhin erfolgreichen Tourismusstandorts, der jedoch zunehmend in ein komplexes gesamtwirtschaftliches und gesellschaftliches Umfeld eingebettet ist und sich mit strukturellen Transformationsprozessen auseinandersetzen muss.

Kohl & Partner: Stimmungsradar Wintersaison 2025/26

Das aktuelle Stimmungsradar von Kohl & Partner zur Wintersaison 2025/26 zeigt eine leichte Aufhellung der touristischen Stimmung im Vergleich zum Vorjahr, getragen vor allem von einem guten Saisonstart, besserer Auslastung und stabiler Preisdurchsetzung. Rund 70 % der befragten Betriebe bewerten ihre Geschäftslage als gut oder sehr gut, und fast die Hälfte erwartet höhere Umsätze als im Vorjahr.

Gleichzeitig hat sich die Problemlage der Branche verschoben: Während Kostensteigerungen an Bedeutung verloren haben, stehen nun die Sicherung der Auslastung und die Durchsetzung von Preisen im Vordergrund. Dies spiegelt ein sensibler gewordenes Nachfrageumfeld wider, in dem Gäste verstärkt auf ihre Ausgaben achten und insgesamt zurückhaltender konsumieren.

Positiv hervorzuheben ist die deutliche Entspannung am Arbeitsmarkt: Die Mitarbeitersituation wird von der großen Mehrheit der Betriebe als gut eingeschätzt, und der Personalmangel ist im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig nehmen jedoch Unzufriedenheit mit Bürokratie und regulatorischen Anforderungen zu.

Die bisherige Auslastung liegt über dem Vorjahr, während die Buchungsaussichten für den restlichen Winter differenziert sind und stark von kurzfristigen Faktoren wie Wetter, Schneelage und Ferienverschiebungen abhängen. Insgesamt zeigt sich ein stabiler, aber volatiler Markt.

Mit Blick nach vorne überwiegt vorsichtiger Optimismus: Auch für den Sommer 2026 erwarten viele Betriebe eine zumindest stabile, teilweise bessere Nachfrageentwicklung. Insgesamt bestätigt das Stimmungsradar ein robustes, aber anspruchsvolles touristisches Umfeld, in dem kurzfristige Entwicklungen weiterhin eine zentrale Rolle spielen.

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