Ausgabe vom 28.05.2026
Von der Tourismusforschung gesammelte Highlights der letzten Wochen aus Forschungssicht

News aus der Tourismusforschung

Diesmal mit dabei: Barrierefreiheit in den Märkten, die ETC Publikation Trends & Prospects und vieles mehr.

Tourismusforschung & Data Analytics
Barrierefreiheit in den Märkten

Barrierefreiheit ermöglicht allen Menschen den Zugang zu (touristischen) Angeboten, unabhängig von körperlichen, sensorischen oder kognitiven Einschränkungen. Allein EU-weit hatten 2024 rund 24% der Bevölkerung ab 16 Jahren eine Form von Behinderung bzw. längerfristige Aktivitätseinschränkung, was etwa 90 Millionen Menschen entspricht.

Angesichts dieser Zahlen und des demografischen Wandels in Richtung einer alternden Gesellschaft rückt das Thema Barrierefreiheit immer mehr in den Fokus.

Das Bewusstsein für Barrierefreiheit, einem Teilgebiet der Nachhaltigkeit, steigt weltweit, wenngleich mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung. Global hat sich Barrierefreiheit von einem vorwiegend infrastrukturellen Thema zu einem strategischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Querschnittsthema entwickelt – mit wachsender Relevanz, aber weiterhin deutlichen Unterschieden zwischen Anspruch und Umsetzung. Wie es in den einzelnen Märkten aussieht, kannst du hier nachlesen:

International
ADFC: Radreiseanalyse 2025 – Herausforderungen meistern, Potenziale heben

Die ADFC-Radreiseanalyse 2025 basiert auf einer Befragung von über 17.300 Personen in Deutschland und liefert umfassende Daten zum Radtourismus. Im Jahr 2025 waren 3,3 Mio. Menschen auf Radreisen mit mindestens drei Übernachtungen unterwegs – weniger als in den Vorjahren. Die Tagesausgaben pro Person liegen bei Radreisen bei 133 bis 144 Euro, bei Tagesausflügen bei 34 Euro. Hochgerechnet erzeugen Radreisen, Tagesausflüge und das Radfahren im Urlaub zusammen ein Gesamtausgabenvolumen von rund 39 bis 42 Mrd. Euro. 44,7 % der Radurlauber nutzen ein Elektrofahrrad, 37,4 % ein Mietrad. Der wichtigste Reisegrund ist, mehr von Land und Leuten zu sehen (65,6 %). Österreich ist das beliebteste Auslandsziel für Radreisen ab drei Übernachtungen (28,3 %), gefolgt von Italien (25,9 %) und Frankreich (19,6 %). Die Analyse zeigt außerdem erstmals eine Gegenüberstellung von Klimadaten und Radreisezahlen: Hitzetage und Niederschläge beeinflussen die Reisetätigkeit. Radreisende vermissen Schutzeinrichtungen und Informationen zu Extremwetter. Die Reiseentscheidungen fallen zunehmend langfristiger, und digitale Informationsquellen wie Apps dominieren (77,5 %). KI-Chatbots werden bereits von 3 % der Radreisenden genutzt.

Booking.com: Travel & Sustainability Report 2026

Der elfte Travel & Sustainability Report von Booking.com basiert auf einer Befragung von 32.500 Reisenden aus 35 Märkten. Ein zentrales Ergebnis ist das sogenannte Generational Paradox: Während jüngere Generationen (Gen Z: 75 %, Millennials: 71 %) stärkere Nachhaltigkeitsabsichten äußern, setzen ältere Generationen mehr konkrete Maßnahmen um – etwa bei der Müllvermeidung (Boomers: 67 % vs. Gen Z: 48 %) oder dem Reisen außerhalb der Hochsaison (Boomers: 63 % vs. Gen Z: 36 %). Extremwetter beeinflusst zunehmend die Reiseplanung: 74 % aller Befragten berücksichtigen Extremwetterrisiken bei der Wahl von Reiseziel und Zeitpunkt, 31 % haben im vergangenen Jahr Reisen aufgrund von Extremwetter storniert oder umgeplant. 43 % planen, überfüllte Destinationen zu meiden (plus 11 % gegenüber dem Vorjahr), 42 % wollen außerhalb der Hauptsaison reisen. Die größten Barrieren für nachhaltigeres Reisen sind Aufwand (42 %), Kosten (38 %) und mangelndes Vertrauen in Nachhaltigkeitslabels (37 %). 60 % der Befragten sehen den Tourismus in ihrer Heimat insgesamt positiv.

CHIP/WTTC/GTAI: US-Tourismuszahlen sinken 2025 deutlich

Die USA verzeichneten 2025 einen deutlichen Rückgang im internationalen Tourismus. Laut World Travel & Tourism Council (WTTC) sanken die Ausgaben internationaler Touristen um geschätzt 12,5 Mrd. US-Dollar. Die U.S. Travel Association beziffert die Tourismuseinnahmen 2025 auf 1,35 Billionen US-Dollar – nominell nur 1,1 % mehr als im Vorjahr, real ein Rückgang von knapp 2 %. Die Zahl der internationalen Ankünfte per Flugzeug lag in den ersten drei Quartalen 2025 rund 2 % unter dem Vorjahr. Für das Gesamtjahr rechnet die U.S. Travel Association mit 67,9 Mio. ausländischen Besuchern, ein Minus von 6,3 % gegenüber 2024. Als Ursachen werden die Stärke des US-Dollars, verschärfte Einreise- und Grenzpolitiken, wirtschaftliche Unsicherheit und die Folgen des Zollkonflikts genannt. Besonders betroffen sind klassische Ziele wie Florida, New York und Washington. Die Buchungen aus Österreich gingen 2025 um 10 bis 15 % zurück. Für 2026 wird hingegen eine Trendwende mit steigenden Besucherzahlen erwartet.

htr hotelrevue: Kühle Nächte verkaufen sich gut – Alpendestinationen und der Trend der Hitzemüden

Alpendestinationen in der Schweiz und in Tirol positionieren sich zunehmend als Alternative für hitzegeplagte Mittelmeerurlauber. Marcel Perren, Direktor von Luzern Tourismus, sieht Potenzial für die Schweiz durch die steigenden Sommertemperaturen in Mittelmeerländern, verweist aber auf Kapazitätsgrenzen in vielen Schweizer Destinationen im Juli und August. Fabian Weber, Co-Leiter des Competence Center Tourismus an der Hochschule Luzern, betont, dass mediterrane Destinationen bereits reagieren und die Saison verlängern. Schweizer Bergdestinationen sollten die Zielgruppe der Hitzemüden frühzeitig auf dem Radar haben. Bergbahnen, natürliche Bademöglichkeiten und breite Aktivitätsangebote seien zentrale Erfolgsfaktoren. In Tirol wirbt etwa die Region Gurgl unter dem Claim Coolcation mit Höhenlage und kühler Bergluft. Pontresina setzt dagegen auf Qualität und langfristige Standortentwicklung statt auf kurzfristige Marketingmaßnahmen. Das Schweizer Klimaszenario CH2025 zeigt, dass auch Alpenregionen künftig häufiger von Hitzewellen betroffen sein werden. Die Preisfrage bleibt relevant: Viele Mittelmeerregionen sind deutlich günstiger als die Schweiz.

ETC: European Tourism – Trends & Prospects, Quarterly Report Q1/2026

Der Quartalsbericht der European Travel Commission (ETC) zeigt, dass die internationalen Touristenankünfte in Europa 2025 um 3,5 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind. Fast 90 % der erfassten Destinationen verzeichneten Wachstum. Besonders stark wuchsen die Ankünfte in Finnland (+14,1 %), Norwegen (+12,5 %) und Malta (+12,9 %). Österreich verzeichnete 2025 ein Ankünfteplus von 4,1 % und ein Nächtigungsplus von 2,4 %. Zu Beginn 2026 beschleunigte sich das Wachstum: Die internationalen Ankünfte in Europa legten in den ersten Monaten 2026 um 5,6 % zu. Österreich startete mit +7,4 % bei den Ankünften und +5,5 % bei den Nächtigungen stark ins Jahr, gestützt durch gute Skibedingungen und günstige Ferientermine in Deutschland, den Niederlanden und Polen. Der Iran-Krieg belastet die Tourismusbranche: Höhere Treibstoffkosten, Flugausfälle und geringere Reisen aus dem Nahen Osten setzen die Branche unter Druck. Tourism Economics schätzt, dass rund 4 % der internationalen Nächtigungen in Europa (103 Mio.) 2026 durch den Konflikt gefährdet sind. Europa profitiert jedoch von seiner hohen intraregionalen Nachfrage (ca. 80 %) und der Umleitung von Reiseströmen hin zu als sicherer wahrgenommenen Destinationen. Die Hotel-Performance in Europa liegt mit einem RevPAR-Plus von 2,3 % über allen anderen Weltregionen.

VIR/FUR: Bedeutung von Camping als Urlaubsform nimmt weiter zu

Laut einer Auswertung des Online-Reisevertriebsverbands VIR auf Basis von Daten der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) sowie der Ergo Reiseversicherung haben rund 6,7 Millionen Menschen in Deutschland in den vergangenen drei Jahren mit Zelt, Wohnmobil oder Wohnwagen Urlaub gemacht. Das entspricht etwa 9 % der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren. Besonders beliebt ist Camping bei den 30- bis 69-Jährigen. Mehr als die Hälfte der Camper reist zu zweit, 86 % verbringen den Urlaub mit Personen aus dem eigenen Haushalt. Die Buchung verlagert sich stark ins Digitale: 72 % der Campingurlaube werden inzwischen ausschließlich online gebucht; 2019 lag der Anteil rein analoger Buchungen noch bei fast 30 %, heute nur noch bei 10 %. Mit der Beliebtheit von Wohnmobil- und Caravanreisen steigt auch der Planungsaufwand: Reisende müssen sich um Stellplätze, Routen, länderspezifische Vorschriften zu Gewicht, Beladung und Maut kümmern.

YouGov: Deutsche Reisende nutzen KI-Anwendungen bislang nur selten

Eine aktuelle YouGov-Studie unter 12.389 Reisenden in Deutschland zeigt eine deutliche Kluft zwischen Interesse und tatsächlicher Nutzung von Künstlicher Intelligenz im Reisebereich. 40 % der Befragten können sich vorstellen, KI für Übersetzungen und Kommunikation auf Reisen zu nutzen, tatsächlich tun dies aber nur 8 %. Bei personalisierten Empfehlungen für Reiseziele liegt das Interesse bei 38 %, die Nutzung bei 6 %. Individuelle Reisepläne finden 33 % vorstellbar, die Nutzung liegt bei 4 %. Die Akzeptanz variiert je nach Reisephase: Am Reiseziel ist die Zustimmung am höchsten, insbesondere für Übersetzung und Kommunikation (36 %) und automatische Erinnerungen (27 %). Bei der Reisebuchung ist die Nutzung am geringsten (maximal 1 %). Jüngere Reisende sind offener gegenüber KI-Anwendungen, während 34 % der über 65-Jährigen KI im Reisekontext grundsätzlich ablehnen. Laut YouGov-Account Director Christoph Zeh zeigt die große Lücke zwischen Interesse und Nutzung, dass viele Reisende die verfügbaren KI-Tools noch nicht kennen oder ihnen nicht vertrauen.

National
WIFO: Auswirkungen des Iran-Krieges auf die Konjunktur bereits sichtbar

Der WIFO-Konjunkturbericht vom Mai 2026 analysiert die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Krieges. Die Straße von Hormus ist seit Anfang März faktisch blockiert, Rohöl der Sorte Brent kostete im März und April durchschnittlich rund 100 US-Dollar je Barrel, Erdgas (Dutch TTF) rund 50 Euro je MWh. Die Terminmarkt-Notierungen deuten darauf hin, dass die Energiepreise noch mehrere Monate auf ähnlichem Niveau bleiben. In Österreich stieg die Verbraucherpreisinflation im April auf 3,3 %, Energie war um fast 11 % teurer als im Vorjahr. Die WIFO-Konjunkturampel sprang im April auf Rot. Die Lagebeurteilungen und Erwartungen der Unternehmen lagen per Saldo wieder klar im pessimistischen Bereich. Die Beschäftigung wuchs im April um 0,8 %, die Arbeitslosenquote betrug voraussichtlich 7,5 %. Laut WIFO-Autor Stefan Ederer entsprachen die tatsächlichen Rohölpreise im März und April den Annahmen der WIFO-Prognose, die Gaspreise lagen sogar etwas darunter.

WIFO: Leichtes BIP-Wachstum im I. Quartal 2026 – Schnellschätzung

Die WIFO-Schnellschätzung zeigt ein leichtes Wachstum der österreichischen Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2026: Das BIP stieg real um 0,2 % gegenüber dem Vorquartal und um 0,6 % im Jahresvergleich. Nach der Stagnation im vierten Quartal 2025 war damit wieder ein leichter Zuwachs zu verzeichnen. Der Ausbruch des Iran-Krieges im März 2026 beeinflusste das Quartal nur teilweise. In der Industrie wurde die Wertschöpfung um 0,4 % ausgeweitet, in der Bauwirtschaft setzte sich jedoch der Rückgang fort (-0,5 %). Im Bereich Handel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie ging die Wertschöpfung um 0,4 % zurück – der Verkehrssektor dürfte auch durch den Iran-Krieg belastet worden sein, der Handel lieferte hingegen einen positiven Beitrag. Auf der Nachfrageseite stützte der private Konsum (+0,8 %) und die Bruttoanlageinvestitionen (+1,0 %) die Konjunktur. Die Exporte stagnierten nahezu, während die Importe um 0,9 % zulegten.

ACB/ÖW: Meeting Industry Report Austria 2025

Der Meeting Industry Report Austria 2025, herausgegeben vom Austrian Convention Bureau (ACB) und der Österreich Werbung, dokumentiert 27.041 gemeldete Veranstaltungen in Österreich: 7.835 Kongresse (29 %), 14.472 Firmentagungen (53,5 %) und 4.734 Seminare (17,5 %). Insgesamt nahmen rund 1,9 Mio. Personen teil, die knapp 4,3 Mio. Nächtigungen generierten – das entspricht 2,7 % aller Tourismusnächtigungen in Österreich (2024: 2,4 %). Die Zahl der Veranstaltungen ging gegenüber 2024 leicht zurück (-1,2 %), die Gesamtteilnehmerzahl stieg jedoch um 3,5 %, die Nächtigungen sogar um 15,4 %. Besonders dynamisch entwickelten sich internationale Teilnehmerzahlen (+10,8 %) und internationale Nächtigungen (+19 %). Kongresse bleiben mit durchschnittlich 128 Teilnehmenden das größte Veranstaltungsformat und generieren 65 % aller Nächtigungen. Wien hält mit 35,6 % den größten Marktanteil, die übrigen acht Bundesländer tragen knapp zwei Drittel bei. Salzburg liegt mit 18,6 % auf Platz zwei. 845 verschiedene Locations waren Gastgeber. Im Bereich Green Meetings wurden 336 zertifizierte Veranstaltungen und 223 Green Events mit insgesamt 802.563 Teilnehmenden gezählt. Die häufigsten Themengebiete bei Kongressen sind Wirtschaft & Politik (40,1 %), Geisteswissenschaften (20,2 %) und Humanmedizin (17,8 %).

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