Ausgabe vom 30.07.2026
Von der Tourismusforschung gesammelte Highlights der letzten Wochen aus Forschungssicht

News aus der Tourismusforschung

Diesmal mit dabei: die T-MONA Rumänische Gäste in Österreich 2024/25, die aktuelle ETC-Studie „Monitoring Sentiment for Intra-European Travel“ und vieles mehr.

 

Tourismusforschung & Data Analytics
T-MONA: Rumänische Gäste in Österreich 2024/25

In dieser ausführlichen T-MONA Studie gehen wir auf das Gästeverhalten und die Gästeeinstellung von rumänischen Urlauber:innen ein.

Beispielerkenntnisse:

  • Rumänische Österreich-Gäste sind jünger als der durchschnittliche Österreich-Gast: zwei Drittel sind zwischen 25 und 44 Jahre alt.

  • 3 von 10 machen zum ersten Mal Urlaub in Österreich, nur 36% sind Stammgäste.

  • Rumänische Österreich-Urlauber:innen haben eine vergleichsweise hohe Bildung, der Akademiker:innen-Anteil beträgt 92%.

  • Rumänische Gäste geben mit 245 Euro pro Tag und Person überdurchschnittlich viel in ihrem Urlaub in Österreich aus. 

  • Bei den Urlaubsarten stehen bei rumänischen Österreich-Besucher:innen Sightseeing, Städte, Shopping und Kultur im Vordergrund. 20% machen einen Wintersport-Urlaub und nur 4% einen Wander-Urlaub.

International
Booking.com & Statista: European Accommodation Barometer 2026

Die sechste Ausgabe des European Accommodation Barometer, gemeinsam von Booking.com und Statista auf Basis einer Befragung von 1.240 Führungskräften und Managern des europäischen Beherbergungssektors erstellt, zeigt eine zuversichtliche Branche. Zwei Drittel der Beherbergungsbetriebe (66%) erwarten für die kommende Saison eine positive Geschäftsentwicklung – ein neuer Höchstwert, deutlich über dem Tiefpunkt von 2022 (38%). Als aktuell führende Märkte gelten Spanien, die nordischen Länder und Griechenland, während Deutschland und Frankreich weiterhin unter dem europäischen Durchschnitt bleiben. Bei der Dynamik zählen Spanien, Irland, Polen und Österreich zu den stärksten Aufsteigern, während Italien und Portugal Anzeichen einer Abschwächung zeigen. Österreichische Betriebe bewerten die jüngste (68%) und aktuelle Lage (72%) solide, sind jedoch mit 56% bei den Zukunftserwartungen zurückhaltender als der EU-Schnitt. Der Kapitalzugang hat sich leicht verbessert (44% ohne Schwierigkeiten), die Investitionsbereitschaft bleibt stabil. Rabatte sind mit 87% die meistgenutzte Strategie gegen Saisonabhängigkeit. Die Hälfte der Betriebe (50%) profitierte von eventgetriebenem Tourismus. Beim Thema Cybersicherheit fühlen sich 66% ausreichend vorbereitet, wobei kleine Betriebe deutlich hinter größeren zurückliegen. Auffällig ist die lokale Verankerung: In Italien, Deutschland und Österreich geben über 40% der Betriebe mindestens drei Viertel ihres Sachaufwandsbudgets an Lieferanten im unmittelbaren Umfeld aus.

BZT / GCB / VDR: Studie zum Potenzial von Bleisure-Reisen

Eine neue Studie des Bayerischen Zentrums für Tourismus (BZT) in Kooperation mit dem GCB German Convention Bureau und dem Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) untersucht die Kombination aus Dienstreise und privatem Aufenthalt in Deutschland. Für die zweistufige Untersuchung befragte das Consumer-Intelligence-Unternehmen NIQ insgesamt 3.000 Geschäftsreisende. Zwei Drittel der deutschen Geschäftsreisenden haben demnach bereits berufliche Reisen privat verlängert. Es zeigt sich ein klarer Zusammenhang: Je häufiger jemand beruflich unterwegs ist, desto eher wird die Reise privat verlängert, wobei die Affinität bei sehr mobilen Reisenden wieder sinkt. Im Schnitt kommt jede Person auf 1,8 Bleisure-Reisen pro Jahr; in 78% der Fälle wird der private Teil an den beruflichen Termin angehängt. Das Durchschnittsalter liegt bei 36,7 Jahren, 65% reisen allein. Beliebtestes Ziel ist mit 38% das Inland Deutschland, gefolgt von Spanien (8%), Italien (7%) und Frankreich (6%); im Städteranking führen Berlin, Hamburg und München, gefolgt von London, Paris, Wien und Rom. Die private Verlängerung dauert im Schnitt 3,1 Nächte, die Gesamtausgaben pro Bleisure-Reise liegen bei rund 1.642 Euro, davon etwa 616 Euro für den privaten Teil. Wichtigste Motive sind Erholung (30%), Abwechslung (26%) und der Wunsch, neue Orte kennenzulernen (26%). 76% der Erfahrenen planen auch für 2026 mindestens eine solche Reise.

Phocuswright: Europe Consumer Travel Report 2026

Der Europe Consumer Travel Report 2026 von Phocuswright, aufgegriffen von Tageskarte, verweist auf wachsende Unterschiede im Reiseverhalten der Bevölkerungen Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands. Die Annahme eines einheitlichen europäischen Reiseverhaltens verliere an Bedeutung. Britische Reisende unternahmen mehr Reisen, während deutsche Reisende zwar seltener verreisten, dafür aber höhere Beträge ausgaben. Französische Reisende äußerten verstärkt den Wunsch nach Bahnreisen, Mietwagen und erlebnisorientierten Angeboten. Pan-europäische Vermarktungsstrategien würden dadurch zunehmend weniger effizient. Die Rechercheintensität vor einer Buchung nahm über alle drei Märkte hinweg ab, wobei Online-Reisebüros klassische Suchmaschinen als primäre Anlaufstelle überholt haben. Der Einsatz künstlicher Intelligenz bei der Reiseplanung steigt zwar, bleibt aber hinter herkömmlichen Methoden zurück: Zwischen 30 und 40% der Reisenden nutzen entsprechende Hilfsmittel, die Akzeptanz KI-gestützter Buchungsprozesse liegt bei nur etwa 30% der technikaffinen Reisenden. Bei der Buchungsentscheidung priorisieren Reisende Benutzerfreundlichkeit, praktische Erfahrung und vertrauenswürdige Bewertungen. Rund 40% der Befragten fühlten sich bei Besuchen in den USA im Vergleich zum Vorjahr unwohler. Trotz solcher Bedenken attestiert der Bericht eine hohe Marktresilienz: Die Mehrheit will Frequenz, Dauer und Klasse ihrer Reisen in den kommenden zwölf Monaten konstant halten.

Tourism Review: Campingplätze richten Angebot an Generation Z aus

Tourism Review beleuchtet, wie Campingbetriebe ihr Angebot auf die Präferenzen der Generation Z (geboren zwischen 1995 und 2010) und den Beginn der Generation Alpha (ab 2010) ausrichten. Diese Digital Natives nehmen im europäischen Tourismusmarkt eine wachsende Rolle ein und stellen besondere Anforderungen sowohl an das Reiseerlebnis als auch an die gewählte Unterkunft. Campingplatzbetreiber sollten ihre Bedürfnisse berücksichtigen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. An erster Stelle steht die Digitalisierung: Diese Generation erwartet auch im Urlaub den gewohnten Komfort, was intuitive Online-Buchungssysteme, kontaktlose und vereinfachte Check-in-Prozesse sowie mobilen Zugang zu Informationen und Services zwingend voraussetzt. Betriebe, die vom Buchungszeitpunkt bis zum Aufenthaltsende das komfortabelste digitale Erlebnis bieten, haben die besten Chancen. Eine aktive Präsenz in sozialen Medien kann zudem das von jungen Menschen gesuchte soziale Erlebnis fördern. Die Präferenzen der Generation Z und der beginnenden Generation Alpha lassen sich in fünf Punkten zusammenfassen: Digitalisierung, Wunsch nach einzigartigen Erlebnissen, Nachhaltigkeit, die Möglichkeit zum bewussten Abschalten von der Online-Welt sowie die Bedeutung sozialer Interaktion. Diese Merkmale werden den Tourismussektor laut Bericht in den kommenden Jahren prägen.

ETC: Monitoring Sentiment for Intra-European Travel (MSIET) – Wave 25, Sommer & Herbst 2026

Die 25. Ausgabe der ETC-Studie „Monitoring Sentiment for Intra-European Travel“ (MSIET, Wave 25) basiert auf einer Befragung von 6.076 Personen in zehn europäischen Kernmärkten im Mai 2026 und beleuchtet die Reisepläne für den Zeitraum Juni bis November 2026. 81% der Europäer:innen planen in Sommer und Herbst eine Reise – ein signifikanter Anstieg von 4% gegenüber dem Vorjahr. Beliebteste Reisemonate sind Juli (25%) und August (24%). Innereuropäische Reisen dominieren mit 64%, während stabil 26% im eigenen Land bleiben wollen. Das Interesse an Süd- und Mittelmeereuropa steigt auf 61% (+4%). Beliebteste Zielländer sind Spanien (14%), Italien (12%), Frankreich (8%), Griechenland (7%) sowie Portugal und Deutschland (je 5%); Österreich liegt mit 3% auf Rang 10. Sonne & Strand bleibt mit 30% die bevorzugte Urlaubsart, gefolgt von Natur & Outdoor (15%) und Städtereisen (14%). 55% planen mehrere Reisen. Flugreisen bleiben trotz gestiegener Treibstoffkosten das führende Verkehrsmittel (53%). Wichtigste Kriterien der Zielwahl sind Sicherheit (20%), angenehmes Wetter (15%) und attraktive Angebote (14%). Größte Sorgen bereiten steigende Reisekosten (22%) und die persönliche Finanzlage (17%), gefolgt von Bedenken wegen des Nahostkonflikts (14%, +7%). Bei den Österreicher:innen steigt die Reiseabsicht auf 79% (Mai 2026); ihre wichtigsten europäischen Ziele sind Italien (20%), Kroatien (12%), Deutschland (9%), Spanien (7%) und Griechenland (5%). Der Bericht empfiehlt u. a. eine bessere räumliche Besucherlenkung, die Stärkung der Nebensaison durch kuratierte Herbstangebote und die gezielte Kommunikation angenehmerer Wetterbedingungen.

National
Statistik Austria: Touristische Beherbergung und Nächtigungen 2025

Der aktuelle STATreport von Statistik Austria bietet einen umfassenden Überblick über Angebot und Nachfrage im österreichischen Tourismus. Im Kalenderjahr 2025 verzeichneten Österreichs Beherbergungsbetriebe insgesamt 157,29 Mio. Nächtigungen und 48,17 Mio. Ankünfte – ein Plus von 1,9% bei den Nächtigungen und 3,1% bei den Ankünften. 74,3% aller Nächtigungen entfielen auf ausländische Gäste. Im Tourismusjahr 2024/25 (November bis Oktober) lagen die Nächtigungen bei 155,80 Mio. und übertrafen das Vorkrisenniveau von 2019 um rund 3,91 Mio. Die Wintersaison 2024/25 brachte 72,38 Mio. Nächtigungen, die Sommersaison 2025 mit 83,42 Mio. etwas mehr. Regional dominieren Tirol (rund 49,49 Mio.), Salzburg (30,49 Mio.) und Wien (knapp 19,75 Mio.), die zusammen fast zwei Drittel des Aufkommens abdecken. Deutschland bleibt mit 57,98 Mio. Nächtigungen und einem Anteil von 37,2% der wichtigste Herkunftsmarkt, gefolgt vom Inlandstourismus (25,9%) und den Niederlanden (7,1%). Überdurchschnittliche Zuwächse verzeichneten Israel (+49,0%), Spanien (+8,1%), die USA (+7,8%) und Polen (+6,2%). Das Angebot umfasste rund 73.174 Betriebe mit etwa 1,20 Mio. Betten (exkl. Camping). Mit rund 14,8 Nächtigungen pro Einwohner:in zählt Österreich zu den tourismusintensivsten Ländern Europas und liegt deutlich über dem EU-Durchschnitt von etwa 6,9.

TP-Blog / Prodinger: Rechenbeispiel – Ab wann sich Ganzjahres-Tourismus rechnet

Im TP-Blog geht Elfriede Krempl der Frage nach, ab welcher Auslastung sich zusätzliche Öffnungstage in der Zwischen- bzw. „deep season“ wirtschaftlich rechnen. Anlass ist die neue österreichische Tourismusstrategie Vision T, die auf mehr Öffnungstage außerhalb der Spitzenzeiten, mehr Beschäftigung und mehr Wertschöpfung im Jahresverlauf drängt. Unter Verweis auf eine Analyse von Thomas Reisenzahn wird betont, dass Ganzjahrestourismus kein Selbstzweck sei: Zusätzliche Öffnungstage bedeuten zusätzliche Kosten für Mitarbeiter, Energie und Infrastruktur. Das Rechenbeispiel geht von einem 4-Sterne-Hotel mit 120 Betten aus, das zwölf zusätzliche Wochen (je sechs im Frühjahr und Herbst) zu einem realistischen Zwischensaison-Preis von 105 € netto pro Person öffnet. Bei den Mitarbeiterkosten wird berücksichtigt, dass rund 40% der 45 Vollzeitäquivalente ohnehin saisonal fluktuieren und acht Mitarbeiter ganzjährig beschäftigt sind. Ergebnis: Bei rund 23% Auslastung – etwa 14 durchgehend belegten Zimmern – ist die Öffnung gerade kostendeckend für alle variablen Kosten. Bei 25% Auslastung bleiben rund 34.000 € zur Deckung bestehender Fixkosten übrig. Die 23-Prozent-Marke sei allerdings kein Universalwert; jedes Haus habe eigene Fixkosten, Fluktuationsraten und Marktpreise. Vision T könne die Richtung vorgeben, ob sich die Öffnung rechne, ergebe nur die Kalkulation im eigenen Haus.

WIFO: Energiepreise bremsen Österreichs Konjunktur nur kurz aus

In seiner Sommerprognose vom 25. Juni 2026 erwartet das WIFO für Österreich in den Jahren 2026 und 2027 ein Wirtschaftswachstum von jeweils etwa 1%. Die österreichische Wirtschaft ist im Vorjahr stärker gewachsen als in der Frühjahrsprognose angenommen, wodurch die Ausgangslage günstiger ist. Der Iran-Krieg und der damit verbundene Anstieg der Rohöl- und Erdgaspreise bremsen jedoch die Konjunktur: Die Inflation ist im Frühjahr deutlich gestiegen und die Stimmung von Haushalten und Unternehmen hat sich eingetrübt. Mit der schrittweisen Normalisierung der weltweiten Öl- und Gasmengen und dem entsprechenden Rückgang der Energiepreise ab der zweiten Jahreshälfte 2026 dürfte die Konjunktur wieder an Schwung gewinnen. Laut Prognoseautor Stefan Ederer würde sich die Erholung bei einem noch schnelleren Preisrückgang rascher einstellen. Die Verbraucherpreisinflation wird 2026 im Jahresdurchschnitt 3,2% betragen und 2027 auf 2,4% sinken. Die Arbeitslosenquote steigt 2026 zunächst geringfügig auf 7,5% und geht 2027 leicht auf 7,3% zurück. Industrie und Exportwirtschaft dürften wieder am weltweiten Aufschwung teilhaben, während in der Bauwirtschaft kein kräftiges Wachstum zu erwarten ist. Der Finanzierungssaldo des Staates beträgt voraussichtlich 4% (2026) bzw. 3,7% (2027) des BIP, die Staatsschuldenquote steigt bis 2027 auf knapp 84%.

Marketagent: AI Slop auf dem Vormarsch – KI-Inhalte zwischen Faszination und Vertrauenskrise

Die Eigenstudie von Marketagent (Feldzeit April 2026, n = 1.016, repräsentativ für die österreichische Bevölkerung im Alter von 18 bis 75 Jahren) untersucht die Haltung der Österreicher:innen zu künstlicher Intelligenz und KI-generierten Inhalten. Rund ein Drittel (35%; Generation Z: 49%) hat eine positive Grundhaltung zu KI, 20% eine negative. 51% nutzen mindestens einmal pro Woche aktiv eine KI (Generation Z: 80%), vor allem zur schnellen Recherche (62%). Fast sechs von zehn Befragten (58%; Generation Z: 75%) nehmen häufig KI-generierte Inhalte wahr; die zunehmende Verbreitung wird von 41% eher negativ empfunden, und jede zweite Person konsumiert solche Inhalte eher ungern (52%). Die Qualität der KI-Inhalte wird mit einem Mittelwert von 2,9 nur als mittelmäßig bewertet. Nur rund ein Viertel fühlt sich sicher, KI-Inhalte zu erkennen (23%; Generation Z: 40%); geachtet wird vor allem auf unnatürlich wirkende Elemente (49%) und unstimmige Details (43%). 85% fordern eine klare Kennzeichnung von KI-Inhalten. Ein Drittel berichtet von verändertem Social-Media-Verhalten (33%), wobei Inhalten weniger vertraut (54%) und kritischer geprüft wird (47%). 71% nehmen eine „Content-Flut“ belangloser KI-Inhalte wahr, sechs von zehn sehen die Verdrängung hochwertiger menschlicher Inhalte. Der Begriff „AI Slop“ ist mit 23% Bekanntheit (Generation Z: 41%) noch wenig verbreitet, doch 75% erwarten eine zunehmende Verbreitung.

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