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Künstliche Intelligenz & Tourismus
Fazit der Zukunftsreise Paris 2025

Vom Suchen zum Fragen: KI verändert den Zugang zum Gast

Künstliche Intelligenz verändert den Tourismus nicht nur punktuell, sondern strukturell. Sie betrifft nahezu alle Phasen der Reise: Inspiration, Suche, Planung, Buchung, Orientierung vor Ort, Gästeservice, Feedback und Nachbereitung. Besonders relevant ist der Übergang von klassischer Suchmaschinenlogik zu einer neuen Form der Sichtbarkeit in generativen Systemen. Während touristische Anbieter bisher vor allem für Google optimiert haben, werden Inhalte künftig auch für KI-Assistenten verständlich und nutzbar sein (müssen). Dieser Wandel wird häufig als GEO – Generative Engine Optimization bezeichnet. Gemeint ist damit, dass Inhalte so aufbereitet werden, dass Systeme wie ChatGPT, Microsoft Copilot, Google Gemini oder Siri sie erkennen, bewerten und in Antworten oder Empfehlungen einbauen können.

Damit verschiebt sich der Zugang zum Gast grundlegend. Reisende suchen künftig nicht mehr nur nach Stichworten, sondern stellen konkrete Fragen: „Wo soll ich mit meiner Familie drei Tage verbringen?“, „Welche Region passt zu meinen Interessen?“ oder „Was kann ich heute bei Regen unternehmen?“ Die Antwort kommt nicht mehr zwingend über eine Liste von Links, sondern über einen digitalen Assistenten, der Informationen bündelt, vergleicht und konkrete Vorschläge macht. Dadurch werden KI-Systeme zu neuen Vermittlern zwischen Gästen und touristischen Angeboten. Wer dort nicht sichtbar ist, läuft Gefahr, aus der Entscheidungsfindung herauszufallen.

Für Destinationen, Tourismusorganisationen und Betriebe bedeutet das eine neue Aufgabe. Es reicht nicht, inspirierende Texte, schöne Bilder oder klassische Website-Inhalte bereitzustellen. Inhalte sollten aktuell, strukturiert, eindeutig, maschinenlesbar und vertrauenswürdig sein. Öffnungszeiten, Angebote, Preise, Verfügbarkeiten, Mobilitätsinformationen, Barrierefreiheit, Zielgruppenbezüge und Erlebnisbeschreibungen müssen so vorliegen, dass sie von KI-Systemen verarbeitet werden können. Gleichzeitig gewinnt Personalisierung an Bedeutung: Gäste erwarten Informationen, die zu ihrer konkreten Situation passen – etwa zum Aufenthaltsort, zur Tageszeit, zum Wetter, zur Reisedauer, zu Interessen oder zu individuellen Bedürfnissen.

Auch das Verhalten der Reisenden verändert sich. Viele Menschen lesen weniger lange Texte, reagieren stärker auf visuelle Inhalte und erwarten sofort verfügbare Antworten. Die Informationssuche verschiebt sich zunehmend in die Reise hinein: Entscheidungen werden nicht nur vorab, sondern auch laufend während des Aufenthalts getroffen. Dadurch gewinnen digitale Lösungen an Bedeutung, die Gäste direkt erreichen, Orientierung geben und situationsspezifische Inhalte ausspielen können. Entscheidend ist dabei nicht die Menge an Content, sondern seine Relevanz im richtigen Moment.

KI eröffnet darüber hinaus neue Möglichkeiten für touristische Erlebnisse und Services. Dazu zählen dialogische Kulturvermittlung, personalisierte Reiseempfehlungen, automatische Übersetzungen, barrierefreie Assistenz, intelligente Feedbackanalyse, Prognosen für Gastronomie und Besucheraufkommen oder spielerische Anwendungen im Stadtraum. Die Technologie ist damit nicht nur ein Effizienzwerkzeug für interne Prozesse, sondern kann auch neue Erlebnis-, Service- und Geschäftsmodelle ermöglichen. Für den Tourismus entsteht daraus eine klare Handlungsrichtung: AI-ready, GEO-ready und agent-ready werden, kleine Anwendungsfälle rasch testen, aus den Ergebnissen lernen und den direkten Kontakt zum Gast strategisch stärken.

Ohne Daten keine KI: Kooperation als Infrastruktur der Zukunft

Die erfolgreiche Nutzung von Künstlicher Intelligenz im Tourismus setzt eine belastbare Datenbasis voraus. Ohne gute Daten kann KI keine verlässlichen Empfehlungen geben, keine sinnvollen Services personalisieren und keine komplexen touristischen Abläufe unterstützen. Datenqualität, Datenverfügbarkeit, Datensouveränität und Kooperation sind daher die Grundvoraussetzung für den wirksamen Einsatz von KI. Die eigentliche Transformation beginnt nicht beim Chatbot oder beim Prompt, sondern bei der Frage, welche Daten vorhanden sind, wie aktuell sie sind, wie sie strukturiert werden, wer sie nutzen darf und wie sie zwischen Organisationen geteilt werden können.

Der Tourismus ist besonders datenintensiv, weil die Reiseerfahrung aus vielen einzelnen Bausteinen besteht. Informationen zu Unterkünften, Mobilität, Veranstaltungen, Attraktionen, Gastronomie, Wetter, Besucheraufkommen, Buchbarkeit, Barrierefreiheit oder Gästefeedback liegen meist bei unterschiedlichen Akteuren. Hotels, Destinationen, Verkehrsbetriebe, Kulturinstitutionen, Plattformen, Gemeinden und Technologieanbieter verfügen jeweils über Teilinformationen. Für den Gast zählt aber nicht, wer welche Daten besitzt. Entscheidend ist, ob daraus eine stimmige, aktuelle und hilfreiche Gesamtinformation entsteht. Genau hier liegt die Herausforderung: Solange Daten in Silos bleiben, können KI-Systeme ihr Potenzial nur eingeschränkt entfalten.

Ein wichtiger Ansatz sind sogenannte Datenräume oder Data Spaces. Darunter versteht man eine sichere, vernetzte Infrastruktur, über die Organisationen Daten kontrolliert austauschen können, ohne sie zentral abgeben zu müssen. Jede Organisation behält die Hoheit über ihre eigenen Daten und entscheidet, wer welche Informationen zu welchem Zweck nutzen darf. Ein Beispiel dafür ist EONA-X, ein europäischer Datenraum für Transport, Mobilität und Tourismus. Ziel solcher Initiativen ist es, Datensilos aufzubrechen, Interoperabilität herzustellen und gemeinsame Anwendungen zu ermöglichen – etwa im Besucherstrommanagement, in der Mobilitätssteuerung oder bei personalisierten touristischen Services.

Der Unterschied zu einem klassischen Data Lake ist wesentlich: In einem Data Lake werden große Datenmengen zentral gesammelt. Ein Data Space hingegen verbindet dezentrale Datenquellen miteinander. Das ist im Tourismus besonders relevant, weil viele Akteure zusammenwirken müssen, ohne ihre Daten vollständig aus der Hand zu geben. Datensouveränität wird damit zu einem Schlüsselfaktor. Sie bedeutet, dass Organisationen selbst bestimmen können, wie ihre Daten genutzt, geteilt und geschützt werden. Gerade für europäische Tourismusorganisationen ist dieser Ansatz wichtig, weil Vertrauen, Datenschutz und faire Nutzung zentrale Voraussetzungen für Kooperation sind.

Datenräume schaffen die Grundlage für konkrete Anwendungen: Besucherströme können gemessen und prognostiziert, Mobilitätsangebote besser abgestimmt, saisonale Spitzen entzerrt und Angebote stärker personalisiert werden. Auch kleinere Betriebe und Regionen können profitieren, wenn sie über gemeinsame Standards und Schnittstellen Teil eines größeren touristischen Ökosystems werden. Unternehmen wie Affluences, ein Anbieter für Besucherstrommanagement, zeigen, wie aus Daten operative Entscheidungen entstehen können: Besucherzahlen werden gemessen, Wartezeiten prognostiziert und Informationen über Schnittstellen oder Dashboards bereitgestellt, damit Einrichtungen ihre Kapazitäten besser steuern können.

Für die KI-Transformation bedeutet das: GEO, Agent-Readiness und personalisierte Gästekommunikation funktionieren nur dann, wenn Daten aktuell, zugänglich und vertrauenswürdig sind. Ein digitaler Assistent kann nur so gut beraten, wie die zugrunde liegenden Informationen sind. Kooperation wird damit zur Infrastruktur der Zukunft. Destinationen, Betriebe, öffentliche Stellen und Technologiepartner brauchen gemeinsame Standards, Schnittstellen und eine gemeinsame Organisation der Daten, sodass daraus verlässliche Services entstehen. Erst auf dieser Grundlage kann KI im Tourismus nachhaltig wirksam werden.

Das Wichtigste:
  • KI verändert den Zugang zum Gast grundlegend – von der klassischen Suche hin zum dialogischen Fragen.

  • Sichtbarkeit im Tourismus entsteht künftig nicht nur über Websites, sondern über KI-Assistenten und digitale Agents.

  • Ohne aktuelle, strukturierte und vertrauenswürdige Daten kann KI im Tourismus nicht wirksam funktionieren.

  • Kooperation und gemeinsame Datenräume sind die Grundlage, damit Destinationen, Betriebe und Plattformen intelligente Services entwickeln können.

Infos aus der Zukunftsreise Paris 2025, „Tourismus, Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit – Lessons learned from the Olympic Games in Paris 2024“, organisiert von AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA der WKO (AußenwirtschaftsCenter Paris) in Kooperation mit der Österreich Werbung.

Portraitfoto von Ruth Rosendorf
Ruth RosendorfTeam Research & Data Analytics

Ansprechpartnerin für globale Trends

Start-ups, die im Rahmen der Zukunftsreise in Paris gepitcht haben:
Start-up Pitches "Tourismus, Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit"

Zu diesen Themen präsentierten zehn Start-ups ihre KI-Lösungen: Naboo, Ask Mona, Cryptors in the City, Fullsoon, Luniwave, Mybakup, Oorion, Skiif, Better World AI und IntensCity.

Das Video entstand im Rahmen der Zukunftsreise „Tourismus, Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit – Lessons learned from the Olympic Games in Paris 2024“, die die AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA der WKO (AußenwirtschaftsCenter Paris) in Kooperation mit der Österreich Werbung organisierte.

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