Der gläserne Gast
Fazit der Zukunftsreise London 2024
Einleitung
Intelligente Kundenerlebnisse durch Technologie, KI und Daten
Kundenerlebnisse werden künftig stärker davon geprägt sein, wie gut es gelingt, digitale Technologien, künstliche Intelligenz und Daten zu einem einfachen, relevanten und persönlichen Service zu verbinden. Der zentrale Anspruch besteht darin, Reibungspunkte zu reduzieren: Kund:innen sollen weniger suchen, weniger erklären, weniger warten und weniger selbst koordinieren müssen. Stattdessen sollen Informationen, Empfehlungen und Services möglichst genau dann verfügbar sein, wenn sie gebraucht werden.
Künstliche Intelligenz kann dabei eine zentrale Rolle übernehmen. Sie ist in der Lage, große Datenmengen zu analysieren, Muster zu erkennen und daraus personalisierte Vorschläge abzuleiten. Das betrifft etwa passende Angebote, individuelle Empfehlungen, automatisierte Beratung oder die Unterstützung bei komplexeren Planungsprozessen. Digitale Assistenten könnten künftig nicht nur Fragen beantworten, sondern ganze Entscheidungsprozesse vorbereiten: Sie verstehen Interessen, vergleichen Optionen, berücksichtigen Vorlieben und schlagen passende Lösungen vor. Dadurch verschiebt sich der Fokus von der reinen Informationssuche hin zu einer stärker kuratierten, dialogorientierten Begleitung.
Auch Technologien wie Augmented Reality, Virtual Reality, Gesichtserkennung, Sensorik oder Robotics können Kundenerlebnisse erweitern oder vereinfachen. Augmented Reality bezeichnet die digitale Erweiterung der realen Umgebung, zum Beispiel wenn über ein Smartphone zusätzliche Informationen zu einem Ort eingeblendet werden. Virtual Reality schafft hingegen eine vollständig digitale Umgebung, die etwa zur Orientierung, Inspiration oder Vorschau genutzt werden kann. Gesichtserkennung kann Prozesse wie Zugang, Check-in oder Bezahlung vereinfachen, wenn sie verantwortungsvoll eingesetzt wird. Robotics kann einfache, wiederkehrende Aufgaben unterstützen, etwa in Service- oder Empfangssituationen. Entscheidend ist jedoch immer, ob diese Technologien ein konkretes Problem lösen oder ein Erlebnis tatsächlich verbessern.
Ein besonders wichtiger Anwendungsbereich ist Personalisierung. Kund:innen erwarten zunehmend, dass Angebote und Kommunikation zu ihrer konkreten Situation passen. Das kann bei individuellen Produktempfehlungen beginnen und bis zu vollständig personalisierten Erlebnissen reichen. Ein Beispiel ist Airbnb, eine digitale Plattform zur Buchung privater und gewerblicher Unterkünfte: Dort können Algorithmen genutzt werden, um Unterkünfte vorzuschlagen, die besonders gut zu bisherigen Suchmustern, Präferenzen oder Reiseanlässen passen. Ein anderes Beispiel ist Amazon Go, ein stationäres Ladenkonzept des Onlinehändlers Amazon, bei dem Kund:innen Produkte aus dem Regal nehmen und das Geschäft verlassen können, ohne an einer klassischen Kasse zu bezahlen; Sensoren und digitale Systeme erfassen den Einkauf automatisch.
Der eigentliche Mehrwert solcher Technologien liegt darin, Zeit zurückzugeben und Entscheidungen zu erleichtern. Je besser Systeme im Hintergrund Informationen verarbeiten, desto einfacher wird die Interaktion an der Oberfläche. Kund:innen erhalten relevantere Inhalte, passendere Empfehlungen und nahtlosere Abläufe. Gleichzeitig entstehen für Unternehmen neue Möglichkeiten, Bedürfnisse besser zu verstehen und Services gezielter weiterzuentwickeln. Damit dieses Potenzial genutzt werden kann, braucht es jedoch mehr als technische Lösungen. Die Grundlage für erfolgreiche Personalisierung, Automatisierung und AI-gestützte Services sind hochwertige Daten, eine klare strategische Ausrichtung und ein verantwortungsvoller Umgang mit den gewonnenen Informationen. Genau darin liegt die Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung.
Klare Story, Datenqualität und Menschlichkeit als Fundament
Technologie allein schafft noch keinen Mehrwert. Sie wird erst dann wirksam, wenn sie einem klaren Zweck dient, eine relevante Geschichte unterstützt und auf verlässlichen Daten basiert. Deshalb bildet dieses Thema die Grundvoraussetzung für den erfolgreichen Einsatz von AI, Automatisierung und digitalen Kundenerlebnissen. Bevor entschieden wird, welche Technologie eingesetzt werden soll, muss geklärt sein, welches Erlebnis entstehen soll, welche Bedürfnisse angesprochen werden und welche Geschichte erzählt werden möchte. Technologie ist dabei nicht die Geschichte selbst, sondern ein Werkzeug, um sie besser, einfacher oder intensiver erlebbar zu machen.
Eine starke Story gibt Orientierung. Sie hilft, Angebote nicht nur funktional, sondern emotional und nachvollziehbar zu gestalten. Menschen entscheiden sich selten ausschließlich aufgrund technischer Perfektion; sie suchen Bedeutung, Vertrauen, Wiedererkennbarkeit und Relevanz. Gerade im Dienstleistungsbereich ist entscheidend, wofür ein Angebot steht und welches Gefühl es vermittelt. Digitale Tools können diese Wirkung unterstützen, indem sie Informationen passender ausspielen, Inspiration erleichtern oder Abläufe vereinfachen. Ohne klare inhaltliche Richtung bleibt Technologie jedoch austauschbar. Dann entstehen zwar moderne Anwendungen, aber kein überzeugendes Erlebnis.
Ebenso wichtig ist die Rolle des Menschen. Automatisierung kann administrative Aufgaben reduzieren, Wartezeiten verkürzen und Standardprozesse effizienter machen. Dadurch sollte aber nicht die persönliche Beziehung verdrängt werden. Im Gegenteil: Wenn Technologie im Hintergrund entlastet, kann mehr Raum für echte Begegnung, individuelle Betreuung und menschliche Aufmerksamkeit entstehen. Besonders in Bereichen, in denen Vertrauen, Gastfreundschaft oder Beratung wichtig sind, bleibt die zwischenmenschliche Interaktion zentral. Der Anspruch sollte daher nicht sein, Menschen aus dem Erlebnis zu entfernen, sondern sie dort einzusetzen, wo sie den größten Unterschied machen.
Dazu kommt die Verantwortung im Umgang mit Daten. Personalisierung funktioniert nur, wenn Informationen über Interessen, Verhalten oder Bedürfnisse genutzt werden. Gleichzeitig entsteht dabei eine sensible Grenze: Ein Service kann hilfreich wirken, wenn er relevante Vorschläge macht; er kann aber unangenehm oder übergriffig erscheinen, wenn Kund:innen das Gefühl haben, zu stark beobachtet oder analysiert zu werden. Deshalb braucht es Transparenz, Datenschutz, Datensicherheit und einen klaren moralischen Kompass. Nicht alles, was technisch möglich ist, sollte automatisch umgesetzt werden. Entscheidend ist, ob die Nutzung von Daten nachvollziehbar, angemessen und vertrauenswürdig ist.
Die Qualität der Daten ist dabei ein weiterer Schlüsselfaktor. Künstliche Intelligenz kann nur so gute Ergebnisse liefern, wie es die zugrunde liegenden Informationen erlauben. Sind Daten unvollständig, veraltet, widersprüchlich oder schlecht strukturiert, entstehen ungenaue Empfehlungen und fehlerhafte Services. Der Grundsatz „Rubbish in, rubbish out“ bringt das auf den Punkt: Schlechte Eingaben führen zu schlechten Ergebnissen. Deshalb braucht es klare Datenmodelle, laufende Pflege, eindeutige Verantwortlichkeiten und Personen oder Teams, die die Datenqualität aktiv sichern.
Erfolgreiche digitale Transformation entsteht somit aus dem Zusammenspiel von Story, Menschlichkeit, Verantwortung und Datenqualität. Erst wenn diese Grundlagen vorhanden sind, können Technologien wie AI, digitale Assistenten, Augmented Reality oder automatisierte Services ihr Potenzial entfalten. Sie sind kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck: Sie sollen Orientierung schaffen, Prozesse vereinfachen, Relevanz erhöhen und Menschen mehr Zeit für das Wesentliche geben.
Technologie schafft nur dann Mehrwert, wenn sie konkrete Kund:innenbedürfnisse löst.
Künstliche Intelligenz und Daten ermöglichen personalisierte, einfache und reibungsarme Erlebnisse.
Eine klare Story ist die Voraussetzung dafür, dass Technologie sinnvoll eingesetzt wird.
Menschlichkeit, Datenqualität und Verantwortung entscheiden über den Erfolg digitaler Kundenerlebnisse.
Die Informationen wurden im Rahmen der Zukunftsreise London 2024, „The transparent Customer – eine 360° Kundenperspektive“, organisiert von AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA der WKO (AußenwirtschaftsCenter London) in Kooperation mit der Österreich Werbung, gewonnen.
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Ansprechpartnerin für globale Trends
Im Rahmen der Zukunftsreise fand auch eine Diskussion zwischen Vertretern der Unternehmen Triptease, Lycamobile, Punk Rock Business und der Automobilbranche unter der Leitung von Yonder Consulting statt:
Just start.
Nicht zu lange überlegen, abwägen, in Frage stellen, sondern eine gemeinsame Vision entwickeln und losstarten.
Time.
Je personalisierter das Angebot, der Buchungsprozess, die Informationsweitergabe und die Beantwortung von Fragen und Empfehlungen im Hintergrund gestaltet werden können, desto mehr Zeit bleibt für den persönlichen Kontakt und Betreuung.
It’s about the story.
„Was ist deine Story?“ war wohl der Satz, der am öftesten gefallen ist. Neben all dem Einsatz von Technologien muss sich jeder bewusst sein, welche Story er erzählen möchte. Der Gebrauch von Technologie an sich ist nie Teil der Story, sondern eine Mittel, um sie zu erzählen.
Rubbish in Rubbish out.
Die Qualität der genutzten Daten muss unbedingt hochwertig sein. Ohne einer strukturierten und genauen Erfassung und vor allem auch Pflege der Daten ist die beste technologische Anwendung wertlos.
Real Time Conversation.
Die Wichtigkeit der zwischenmenschlichen Interaktion darf nie unterschätzt werden.
Don’t take humans out of the experience.
Menschen sind und bleiben das Um und Auf der Dienstleistung.
Embrace technology, use it and do not be scared.
Use your moral compass.