Spanien
Barrierefreiheit

Verständnis & Wahrnehmung

In Spanien wird seitens der Zentralregierung sowie aller autonomen Regionen seit mindestens 20 Jahren in die Optimierung der Infrastruktur der Barrierefreiheit im öffentlichen Bereich investiert, zum Teil ist dies gesetzlich vorgegeben.

  • Physisch

    Niederflurplattformen, moderne Hebe- und Senkplattformen, Liftanlagen, Rampen und Blindenleitsysteme sind im öffentlichen Raum und Verkehr sowie in Bildungsstätten, Spitälern und Behörden selbstverständlich. Im privatwirtschaftlichen Bereich gelten gesetzliche Mindeststandards, die je nach Anzahl und Art der Behinderung der Mitarbeiter:innen eingehalten werden müssen und strengen Prüfungen unterliegen.

  • Sensorisch

    In fast allen Großstädten sind an den wichtigsten Zebrastreifen Ampelanlagen mit Signaltechnik für Menschen mit Sehbehinderung installiert. Informationen zu Verspätungen, Unfällen, Sicherheitsvorfällen oder Streiks werden in Metro- und Tramstationen über Lautsprecherdurchsagen vermittelt. Für Menschen mit Hörbehinderung stehen ergänzend visuelle Anzeigen zur Verfügung. Auch Umweltkatastrophen werden über Handysignale und entsprechende Bildschirmanzeigen kommuniziert. Sowohl die autonomen Regionen als auch die Zentralregierung haben bereits seit mehreren Jahrzehnten sensorische Einrichtungen für Menschen mit Seh- und Hörbehinderungen im öffentlichen Raum etabliert.

  • Kognitiv

    In diesem Bereich hat Spanien möglicherweise noch Aufholbedarf, da Leitsysteme im Verkehr und in der Straßenbeschilderung teilweise fehlen. Kognitive Hilfestellungen sind jedoch insbesondere für ältere Menschen im öffentlichen Raum stärker etabliert: In Spitälern, Altersheimen und Behörden sind Leitsysteme meist kurz gehalten und in großer Schrift gestaltet.

In Spanien existiert mit Once seit über 80 Jahren eine der bedeutendsten Blinden-Hilfsorganisationen der Welt. Sie betreut Sehbehinderte und andere Menschen mit Behinderung in allen Bereichen: von Arbeitsinklusion bis hin zu Behandlungstherapien. Once wird überwiegend durch Spenden und die große Lotterie finanziert, die in Spanien einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert hat.

Alltag & Bewusstsein

Im Alltag ist das Bewusstsein für Barrierefreiheit und ganz allgemein für Behinderungen aller Art relevant und in der spanischen Gesellschaft gut verankert. Gesetzliche Vorgaben zum Thema Inklusion in der Arbeitswelt, laufende infrastrukturelle Anpassungen und Investitionen im öffentlichen wie privaten Sektor sind sichtbar. So fördern beispielsweise Privatpersonen wie Amancio Ortega, der Gründer von Inditex (Zara, Bershka u.a.m.) Inklusion und Organisationen für Barrierefreiheit. 2023 hat Inditex sein Inklusionsprojekt gelauncht und ist weltweit ein Vorreiter für große Unternehmen. Ortegas Stiftung spendet jedes Jahr ca. 700 Millionen Euro für soziale Zwecke mit Fokus auf Optimierung in den Bereichen Barrierefreiheit und Gesundheit.

Relevanz für Reisen

Barrierefreiheit in der Tourismusbranche ist vor allem für Blindenvereine, Menschen im Rollstuhl, Hilfsorganisationen und Stiftungen mit Personen aller Art von Einschränkungen ein Thema. Es existieren einige Reiseveranstalter und -vermittler, die sich in den letzten Jahren auf Destinationen mit Angeboten für barrierefreie Reisen spezialisiert haben, z. B. Tour4all Travel, Argus viajes, Mobee Travel oder Travel xperience. Oftmals stehen diese Reiseagenturen in engem Kontakt zu Stiftungen oder Blindenvereinen.

Das Wichtigste zur Barrierefreiheit
  • In Spanien wird seit vielen Jahren in die Optimierung der Infrastruktur der Barrierefreiheit im öffentlichen Bereich investiert.

  • Barrierefreiheit wird vor allem physisch und sensorisch verstanden, im kognitiven Bereich besteht noch Aufholbedarf.

  • Im Alltag ist das Bewusstsein für Barrierefreiheit und Behinderungen aller Art relevant und in der spanischen Gesellschaft gut verankert.

  • Es gibt einige auf barrierefreie Reisen spezialisierte Reiseveranstalter.

Portraitfoto von Blanka Trauttmansdorff
Blanka TrauttmansdorffMarket Representative Spanien
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