Belgien
Nachhaltigkeit
Einleitung
Bevölkerung
Laut einer aktuellen Verbraucherumfrage geben fast 42% der Belgier:innen an, dass sie sich gut bis sehr gut über Nachhaltigkeit informiert fühlen – insbesondere über Themen wie Abfallwirtschaft. Das Wissen über Konsum und Dienstleistungen ist nach wie vor geringer (test-aankoop.be, 2025).
Die Art und Weise, wie die flämische Bevölkerung Nachhaltigkeit versteht und anwendet, unterscheidet sich jedoch stark nach sozialen und demografischen Merkmalen. Umweltbewusstes Handeln ist eindeutig keine einheitliche Größe. Diejenigen, die sich sehr umweltbewusst verhalten, sind häufiger hochgebildet und leben häufiger in Innenstädten.
Auch das Konsumverhalten in Bezug auf Lebensmittel weist große Unterschiede auf. Hochgebildete, Frauen und Stadtbewohner:innen entscheiden sich häufiger für saisonales Gemüse und vegetarische Produkte. Lokal angebaute Lebensmittel werden vor allem von älteren Generationen konsumiert, während junge Erwachsene weniger darauf setzen. Darüber hinaus zeigt sich, dass Verhaltensweisen wie die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung, die Reduzierung des Plastikverbrauchs und das Trinken von Leitungswasser stark mit dem Bildungsniveau und der Herkunft zusammenhängen.
Umweltbewusstes Handeln besteht also aus verschiedenen, voneinander unabhängigen Verhaltensweisen, die jeweils ein eigenes soziales Profil haben. Wer in einem Bereich nachhaltig handelt, tut dies nicht automatisch auch in anderen Bereichen. Dies unterstreicht die Bedeutung einer gezielten und differenzierten Kommunikation: Ein einheitlicher Ansatz in Bezug auf Nachhaltigkeit erreicht nicht alle Menschen auf die gleiche Weise (data.gemeente-stadsmonitor.vlaanderen.be, 2023).
Verhalten und Konsum
Belgische Verbraucher:innen handeln immer konsumbewusster: 37% reduzieren ihren Überkonsum stark, 33% tun dies ein wenig. Mehr als die Hälfte (53%) entscheidet sich für nachhaltige und reparierbare Produkte, während 71% Produkte so lange wie möglich verwenden und 32% regelmäßig Dinge reparieren anstatt neue zu kaufen. Dies deutet auf eine klare Bewegung Richtung nachhaltigeren und zirkulären Konsumverhalten hin (test-aankoop.be, 2025).
Lebensmittelverschwendung
43% der Belgier:innen geben an, ihre Lebensmittelverschwendung stark zu reduzieren, 23% sogar fast vollständig. Darüber hinaus versuchen 40%, weniger Fleisch zu essen, auch wenn 43% dies nicht bewusst tun; 2% sind Vegetarier:innen und 2% Veganer:innen (test-aankoop.be, 2025). In Flandern werden jährlich 60 Kilogramm pro Einwohner:in weggeworfen, was unter dem europäischen Durchschnitt von 70 Kilogramm pro Einwohner liegt. (ovam.vlaanderen.be, 2023)
Müll
61 flämische Gemeinden haben 2023 so wenig Restmüll gesammelt, dass sie bereits die Normen für 2030 erfüllen. Bis dahin dürfen sie maximal 100 Kilogramm Restmüll pro Einwohner:in verbrauchen. Vieles hat mit der Einführung der „Müllgebühr nach Gewicht“ im Jahr 2021 zu tun, bei der man für Restmüll pro Kilogramm einen höheren Preis als für Verpackungsmüll (PMD) oder Biomüll (GFT) bezahlt.
Bahn
Immer mehr Belgier:innen setzen auf umweltfreundliche Mobilität: 43% versuchen, Flüge möglichst zu vermeiden, und ebenso viele (43%) bewegen sich täglich zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln (test-aankoop.be, 2025). Die belgische Eisenbahngesellschaft NMBS beförderte 2024 insgesamt 245 Millionen Fahrgäste, womit die Zahl der Zugreisenden um fast eine halbe Million im Vergleich zu 2023 anstieg (belgiantrain.be, 2025).
In Belgien verkehrt derzeit der Nightjet der ÖBB dreimal pro Woche zwischen Brüssel und Wien. Neben Österreich betreibt European Sleeper dreimal pro Woche Nachtzüge von Brüssel über Amsterdam nach Berlin, Dresden und Prag. Ab Ende März 2026 kommt die Strecke Paris–Brüssel–Berlin hinzu, ebenfalls dreimal pro Woche; später ergänzt um einen Halt in Hamburg, einem wichtigen Knotenpunkt für Zugreisen nach Skandinavien. Dies zeigt das wachsende Interesse an Nachtzügen in Belgien (hln.be, 2026).
Elektroautos
Ende 2023 waren in Flandern 353 168 umweltfreundliche Autos zugelassen (9,6% des Fahrzeugbestands). Der Anteil sowohl batteriebetriebener Elektroautos (22%) als auch Plug-in-Hybride (23%) stieg dabei zusammen auf 45%, gegenüber 29% im Jahr 2022. (Vlaanderen.be) Belgien hat inzwischen die Marke von 100 000 öffentlichen Ladestationen für Elektroautos erreicht, wie der Branchenverband EV Belgium mitteilt. Damit gehört Belgien zu den drei EU-Mitgliedstaaten mit den meisten Ladestationen pro Einwohner (vrt.be, 2025). Allerdings gibt es noch strukturelle Herausforderungen für die Zukunft, wie ein überlastetes Stromnetz, die geringe Rentabilität von Ladestationen und fehlende Ladelösungen für Lkw (fleet.be, 2026). Eine flämische Premiere in Europa: Leuven ist die erste europäische Stadt, in der ein autonomer Bus durch die Straßen fährt. (vrt.be, 2026).
Tourismus
Mehr als jede:r dritte Urlauber:in gibt an, sich im Urlaub weniger mit Nachhaltigkeit zu beschäftigen als zu Hause. Nur ein Drittel entscheidet sich bewusst für eine nachhaltige Unterkunft, obwohl mehr als 50% bereit sind, für einen Aufenthalt, der sich um die Umwelt bemüht, einen Aufpreis zu zahlen. „Wir sehen, dass die Menschen Nachhaltigkeit zwar für wichtig halten, aber sobald es um Komfort oder Entspannung geht, tritt sie oft in den Hintergrund“, sagt Gijs Van Essche, Forscher an der Thomas More-Hochschule.
Dennoch gibt es durchaus Verhaltensweisen, die breite Unterstützung finden. Mehr als 90% der Urlauber:innen geben an, Handtücher gerne mehrere Tage lang zu benutzen, Müll zu trennen und das Licht auszuschalten. Auch lokale und saisonale Lebensmittel passen für viele perfekt zum Reiseverhalten. Diese Maßnahmen erfordern wenig Aufwand oder Verzicht und lassen sich daher leichter umsetzen. Schwieriger sind Verhaltensweisen, die den Komfort beeinträchtigen. Im Urlaub möchten die Menschen loslassen, sich entspannen und nicht über Regeln nachdenken. Nachhaltiges Verhalten wird dann schnell als zusätzliche Belastung empfunden.
Komfort und Preis-Leistungs-Verhältnis bleiben die wichtigsten Faktoren bei der Wahl einer Unterkunft. Nachhaltigkeit steht selten an erster Stelle. Die Menschen wollen vor allem unbeschwert genießen, ohne auf Luxus oder Komfort verzichten zu müssen. „Wenn Nachhaltigkeit als zusätzlicher Aufwand empfunden wird, springt man schneller ab. Deshalb ist es wichtig, dass nachhaltige Optionen intuitiv und komfortabel sind, ohne dass man sich als Reisende:r bewusst darum bemühen muss”, so Van Essche.
Darüber hinaus spielen Wahrnehmungen und Missverständnisse eine Rolle. Nachhaltiges Wohnen wird noch zu oft mit höheren Preisen, weniger Komfort oder abgelegenen Standorten assoziiert. Außerdem wissen viele Menschen nicht genau, was eine nachhaltige Unterkunft eigentlich bedeutet und stehen Nachhaltigkeitslabels skeptisch gegenüber. Vor allem junge Menschen (Generation Z), die oft über ein begrenzteres Budget verfügen und „Greenwashing“ kritisch gegenüberstehen, lassen Nachhaltigkeit bei ihren Entscheidungen eher außer Acht (thomasmore.be, 2025).
Die Regierung solle mehr für den Klimaschutz tun, meinen 89,8% der Belgier:innen (Mo.be).
61,4% der Belgier:innen unterstützen einen Mindestbeitrag von 1% für Klimaschutzmaßnahmen, glauben jedoch, dass nur knapp 38% ihrer Altersgenossen dies ebenfalls tun würden. Dies liegt unter dem weltweiten Durchschnitt von 43% (Mo.be).
Obwohl fast 90% der Belgier:innen mehr Klimaschutzmaßnahmen für notwendig halten, gehört das Klima für viele nicht zu den höchsten Prioritäten (Mo.be).
Belgien hat inzwischen die Marke von 100 000 öffentlichen Ladestationen für Elektroautos erreicht.
Gedanken über ihren ökologischen Fußabdruck beim Reisen machen sich 32% der Belgier:innen, aber nur 24% wollen dafür ihr Verhalten ändern (europ-assistance.be, 2025).
Um die SDG 7 bis 2030 zu erreichen, muss der Anteil erneuerbarer Energiequellen 17,5% betragen, was Belgien erreichen wird. (unric.org, 2023).
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Einleitung
Informationen unserer Expertinnen und Experten auf den Märkten zum Thema allgemeine Nachhaltigkeit und im Speziellen Barrierefreiheit