China
Nachhaltigkeit
Einleitung
Bevölkerung
In China verbindet ein großer Teil der Bevölkerung Nachhaltigkeit vor allem mit konkreten Umweltbereichen wie sauberer Luft, sauberem Wasser und Lebensmittelqualität, also Themen, die ihren Alltag direkt betreffen. Dieses Verständnis wird durch staatliche Strategien wie Building a Beautiful China gestützt, die ökologische Umweltqualität als zentralen Bestandteil gesellschaftlicher Entwicklung positionieren. Der 15. Fünfjahresplan (2026–2030) bestätigt weitgehend den bestehenden klimapolitischen Kurs, setzt jedoch nun ein wenig stärker auf konkrete Umsetzung und Steuerung: Vorgesehen ist u. a. eine Reduktion der CO₂-Intensität um rund 17% bis 2030, der weitere Ausbau erneuerbarer Energien sowie der Anteil nicht-fossiler Energien auf etwa 25% von 21,7% (CarbonBrief).
Das Bewusstsein für ökologische Themen ist durch die Vorgaben gewachsen, bleibt jedoch im Alltag oft hinter wirtschaftlichen Überlegungen und besonders auch Komfort zurück. Während staatliche Vorgaben eben durchaus ambitioniert sind, zeigt sich in der Bevölkerung ein eher zurückhaltenderes Nachhaltigkeitsverständnis. Ökologische Verbesserungen werden besonders dann unterstützt, solange sie den Lebensstandard nicht einschränken.
Klassische Medien in China berichten regelmäßig und überwiegend positiv über Nachhaltigkeit und Klimapolitik. Dabei werden Fortschritte, Programme und politische Ziele stark hervorgehoben. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass es sich hierbei um stark staatlich gesteuerte Medien handelt, die Themen im Sinne der politischen Agenda auswählen und rahmen. Kritische Perspektiven oder Umsetzungsschwierigkeiten werden daher deutlich seltener sichtbar, wodurch die mediale Darstellung nicht immer die tatsächliche Komplexität widerspiegelt.
Verhalten und Konsum
Nachhaltigkeit zeigt sich im Alltag vor allem durch staatlich initiierte Maßnahmen und technologiebasierte Lösungen. Dazu zählen etwa die Ausweitung von Mülltrennungssystemen in Großstädten, Einschränkungen bei Einwegplastik sowie digitale Anwendungen zur Förderung nachhaltigen Verhaltens, etwa CO₂-Tracking oder „Green Digital Points“-Programme über Plattformen wie Alipay. Insbesondere das bereits seit mehreren Jahren bestehende Programm „Ant Forest“, bei dem Nutzer:innen für umweltfreundliches Verhalten im Alltag (z. B. Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder Verzicht auf Einwegprodukte) digitale Punkte sammeln, die in reale Baumpflanzungen oder ökologische Projekte umgewandelt werden können und das weiterhin aktiv genutzt wird (Ant Group).
Im Konsumverhalten wächst in der jungen urbanen Mittelschichte die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten, etwa bei Lebensmitteln, Kosmetik oder Mode. Dabei steht allerdings weniger der Klimaschutz im Vordergrund als vielmehr Aspekte wie Lebensmittelsicherheit, Qualität und persönliche Gesundheit, die in China eng mit Nachhaltigkeit verknüpft werden (Hong et al. 2024). Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass diese Entwicklung durchaus städtisch geprägt ist und die rurale Bevölkerung, welche nach wie vor rund ein Drittel der Gesamtbevölkerung ausmacht, deutlich weniger in solche Konsumtrends eingebunden ist.
Kritisch ist auch der stark wachsende E-Commerce in China zu betrachten, der mit erheblichem Verpackungsaufkommen einhergeht, während eine konsumorientierte Mittelschicht den Ressourcenverbrauch zusätzlich erhöht. Nachhaltigkeit ist im Alltag zwar präsent, insbesondere bei der jungen urbanen Mittelschicht, stellt jedoch häufig kein ausschlaggebendes Entscheidungskriterium dar, da Kaufentscheidungen weiterhin maßgeblich von Preis, Komfort und besonders auch Markenimage geprägt sind.
Tourismus
Nachhaltigkeit gewinnt im chinesischen Reiseverhalten an Bedeutung, bleibt jedoch ein nachgeordnetes Entscheidungskriterium gegenüber Preis und Komfort. Insbesondere jüngere, urbane Zielgruppen zeigen ein wachsendes Interesse an naturnahen, authentischen Reiseformen wie ländlichem Tourismus, Nationalparks oder kulturellen Erlebnissen, die teilweise auch mit nachhaltigen Aspekten verbunden werden. In der Praxis wirkt sich Nachhaltigkeit weiterhin nur begrenzt auf das konkrete Buchungsverhalten aus: Die Zahlungsbereitschaft für nachhaltige Optionen ist gering und Faktoren wie einfache Buchbarkeit, Infrastruktur und Servicequalität sind weiterhin entscheidend. Nachhaltige Angebote werden vor allem dann angenommen, wenn sie keinen Komfortverlust bedeuten und sich in bestehende digitale Plattformen integrieren lassen, etwa über Anbieter wie die Trip.com Group (TTG Asia).
Die chinesische Regierung fördert allerdings auch den Öko-Tourismus gezielt durch die Einrichtung neuer und großer Nationalparks zum Schutz und zur Regeneration von Ökosystemen sowie zum Erhalt der Biodiversität. Gleichzeitig werden dadurch insbesondere in strukturschwächeren Regionen neue wirtschaftliche Perspektiven und Arbeitsplätze geschaffen, wodurch Nachhaltigkeit auch als Instrument regionaler Entwicklung eingesetzt wird (National Geographic).
Nachhaltigkeit ist in China stark staatlich geprägt, dabei bildet der eben verabschiedete 15. Fünfjahresplan (2026–2030) den zentralen politischen Rahmen für Nachhaltigkeit und definiert Ziele wie CO₂‑Reduktion, Ausbau erneuerbarer Energien, Förderung grüner Technologien und effizientere Ressourcennutzung (ScienceAndTechnologyDaily).
Leitkonzepte wie die Initiative „Building a Beautiful China“ sind in diese Planung integriert und prägen die langfristige Ausrichtung der Umwelt- und Klimapolitik (ChinaDaily).
China ist inzwischen international anerkannt beim Ausbau erneuerbarer Energien und Elektromobilität.
China ist Marktführer bei Elektroautos und das sowohl bei der Produktion als auch beim Absatz. Im Jahr 2025 hat der chinesische Autohersteller BYD offiziell Tesla als weltweit größten Verkäufer rein elektrischer Fahrzeuge abgelöst (YicaiGlobal).
Die Themen Wasser, Luft und Nahrungsmittel werden von Teilen wahrgenommen und gewinnen im gesellschaftlichen Bewusstsein an Bedeutung, bleiben jedoch oftmals nachrangig gegenüber Faktoren wie Komfort oder Preis.
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Einleitung
Informationen unserer Expertinnen und Experten auf den Märkten zum Thema allgemeine Nachhaltigkeit und im Speziellen Barrierefreiheit