Frankreich
Nachhaltigkeit

Bevölkerung

Frankreich schuf mit einem eigenen Umweltministerium zentrale Rahmenbedingungen für Nachhaltigkeit; die Pariser Klimakonferenz 2015 und das Gesetz „Climat et Résilience“ stärken das öffentliche Bewusstsein für die Klimaziele „Fit for 55“ bis 2030. Mit dem Plan „Destination France – Tourisme Durable“ verfolgt die Regierung das Ziel, Frankreich bis 2030 als führende, nachhaltige Tourismusdestination zu etablieren.

Nachhaltigkeit wird vom Großteil der Bevölkerung primär ökologisch verstanden: Klimaschutz, Abfallvermeidung, Recycling, erneuerbare Energien und regionale Wertschöpfung stehen im Vordergrund. Soziale Aspekte wie faire Arbeitsbedingungen oder ethischer Konsum werden weniger wahrgenommen. Rund 80% messen dem Umweltschutz hohe Bedeutung bei, 76% befürworten strengere Umweltauflagen und 70% äußern Sorge über den Klimawandel. Dennoch besteht eine deutliche Lücke zwischen Anspruch und Verhalten – nur etwa ein Drittel richtet sein Konsumverhalten konsequent an Nachhaltigkeitskriterien aus. Hauptgründe sind steigende Preise, Unsicherheit gegenüber Greenwashing sowie komplexe Kennzeichnungen.

Anfang 2026 tritt angesichts geopolitischer und konjunktureller Herausforderungen das Thema Klimawandel und Umweltschutz in den Hintergrund.

Medial bleibt das Thema präsent: TV und Radio widmen Umweltfragen 4,9% ihrer Sendezeit, Biodiversität erreicht 2,6%. Nachhaltigkeit ist damit gesellschaftlich etabliert, jedoch mit schwankender Priorität.

Verhalten und Konsum

80% der Französinnen und Franzosen sind überzeugt, dass die Klimakrise einen Wandel von Lebensstil und Konsum erfordert. Im Alltag zeigt sich dies vor allem im Lebensmittelbereich: Rund 75% bevorzugen regionale Produkte, etwa 60% reduzieren ihren Fleischkonsum aus gesundheitlichen oder ökologischen Gründen. Trotz Inflationsdruck bleibt der Bio-Markt relevant.

Auch die Kreislaufwirtschaft gewinnt an Bedeutung: Knapp jede zweite Person kaufte zuletzt Second-Hand-Produkte, über 80% beteiligen sich an der Mülltrennung. Reparaturangebote und Sharing-Modelle werden zunehmend genutzt.

Im Mobilitätsbereich beeinflussen Umweltzonen das Verhalten; der Bahnverkehr profitiert von einem positiven Image. Gleichwohl bleibt der Preis entscheidend: Nur 30–40% sind bereit, dauerhaft einen spürbaren Aufpreis für nachhaltige Produkte zu zahlen.

Tourismus

Beim Thema Urlaub bekunden rund 70% der französischen Reisenden den Wunsch, nachhaltiger reisen und einen besseren CO2-Abdruck hinterlassen zu wollen. Tatsächlich setzen jedoch weniger als die Hälfte diese Absicht konsequent um. Bei Inlands- und Kurzstreckenreisen wird der Zug zunehmend als klimafreundliche Alternative gewählt, sofern Reisezeit und Preis konkurrenzfähig sind. Bei Mittelstrecken- und Fernreisen dominieren weiterhin Kosten- und Komfortüberlegungen.

Nachhaltig zertifizierte Betriebe werden positiv wahrgenommen. Besonders aufgeschlossen sind urbane, junge etablierte Zielgruppen sowie Familien mit ausgeprägtem Umweltbewusstsein. Die Zahlungsbereitschaft für nachhaltige Urlaubsangebote liegt realistisch bei etwa 5–10% Mehrkosten, sofern ein erkennbarer Mehrwert geboten wird.

Konzepte wie „Slow Tourism“, naturnahe Aktivitäten und lokal verankerte Anbieterstrukturen werden sehr positiv wahrgenommen. Weniger erfolgreich sind Angebote, die mit Komforteinbußen verbunden sind.

Insgesamt stellt Nachhaltigkeit am französischen Quellmarkt einen relevanten Differenzierungsfaktor dar. Sie beeinflusst Image, Markenwahrnehmung und mittelfristig auch Buchungsentscheidungen, bleibt jedoch für die Mehrheit derzeit noch ein ergänzendes Entscheidungskriterium.

Das Wichtigste zur Nachhaltigkeit
  • Frankreich setzte mit der Einrichtung eines eigenen Umweltministeriums und dem Gesetz „Grenelle“ weichenstellende Rahmenbedingungen für die Förderung von wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Nachhaltigkeit im Land.

  • Nachhaltige Konsumation bedeutet für 47% der französischen Bürger:innen, lokal zu konsumieren, Verschwendung zu vermeiden und überflüssige Einkäufe zu begrenzen.

  • Der Nachhaltigkeitstrend im Konsum ist auch beim Reiseverhalten sichtbar. Mehr als eine:r von zwei Befragten gibt an, bei den Reiseentscheidungen von Nachhaltigkeit beeinflusst zu sein (53%).

Portraitfoto von Kathrin Weiss-Reinthaler
Kathrin Weiss-ReinthalerHead of Market Frankreich
Nachhaltigkeit auf den Märkten

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