Großbritannien
Nachhaltigkeit
Einleitung
Bevölkerung
Nachhaltigkeit wird in Großbritannien vor allem mit Klimaschutz, Umweltbelastung, Abfallvermeidung und dem Schutz natürlicher Ressourcen verbunden; zugleich umfasst der Begriff zunehmend auch die Wirkung auf lokale Gemeinschaften. Das Thema ist im Bewusstsein breit verankert, aber nicht durchgehend Priorität Nummer eins: 53% der Erwachsenen nannten Klima und Umwelt im Mai 2025 als wichtiges nationales Thema und 77% äußerten im Winter 2025 insgesamt Sorge über den Klimawandel. (Quelle: ONS.gov.uk)
Britische Regierung – Umweltgesetz
2021 trat das neue Umweltgesetz (Environment Act 2021) in Großbritannien in Kraft. Zum ersten Mal werden in diesem Gesetz klare gesetzliche Ziele für die Erholung der Natur in vier vorrangigen Bereichen festgelegt: Luftqualität, biologische Vielfalt, Wasser und Abfall. Es enthält auch ein wichtiges neues Ziel zur Umkehrung des Rückgangs des Artenreichtums bis Ende 2030. Diese neuen rechtsverbindlichen Umweltziele werden von einem neuen, unabhängigen Amt für Umweltschutz (Office for Environmental Protection, OEP) durchgesetzt, das die Regierung sowie öffentliche Einrichtungen für die Einhaltung ihrer Umweltverpflichtungen zur Rechenschaft ziehen wird.
Bereits 2020 hat der britische Premierminister Boris Johnson einen 10-Punkte-Plan vorgestellt, um die Nachhaltigkeit der britischen Industrie zu revolutionieren. 12 Milliarden britische Pfund sollen in Bereiche wie saubere Energie, Natur, Verkehr und innovative Technologien fließen; ein Plan, der als „grüne industrielle Revolution“ bezeichnet wird. Unter die zehn Punkte fallen unter anderem die Vervierfachung der Offshore-Windenergie bis 2030 (genug Windenergie, um jeden britischen Haushalt mit Strom zu versorgen und 60 000 Arbeitsplätze zu schaffen), Steigerung der Attraktivität von Radfahren, Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und Investitionen in emissionsfreie öffentliche Verkehrsmittel, Unterstützung emissionsintensiver Industrien durch die Forschung, emissionsfreie Flugzeuge und Schiffe.
Die mediale Berichterstattung bleibt bestehen, verlagert ihren Fokus jedoch zunehmend von Verbraucheraktivismus hin zu politischen Maßnahmen und infrastrukturellen Themen. Bei den Haushalten unter Finanzierungsdruck wird Nachhaltigkeit allerdings als Luxusthema wahrgenommen.
Verhalten und Konsum
Nachhaltigkeit und Konsum
Das Thema Nachhaltigkeit hat einen starken Einfluss auf das Verhalten der britischen Verbraucher:innen.
44% der britischen Verbraucher:innen sehen Plastikmüll als eines der Top-3-Nachhaltigkeitsprobleme (gegenüber dem weltweiten Durchschnitt von 33%).
72% der britischen Verbraucher:innen achten beim Kauf von frischem Obst und Gemüse auf Nachhaltigkeit, aber nur 50% beim Kauf von alkoholischen Getränken.
Für 41% der britischen Gen-Z-Konsumentinnen und Konsumenten sind die Menschenrechte eines der Top-3-Nachhaltigkeitsanliegen (gegenüber 27% aller britischen Verbraucher:innen).
94% nehmen ihre eigenen wiederverwendbaren Einkaufstaschen ins Geschäft mit.
Nachhaltigkeit zeigt sich konkret beim Energiesparen, Abfalltrennung, Wiederverwendung und bewussteren Kaufentscheidungen — ist allerdings starkem Preisvorbehalt unterworfen: 93% der Britinnen und Briten priorisieren Preis, nur 66% berücksichtigen Umweltauswirkungen beim Kauf. 50% geben an, mehr tun zu wollen, können es sich aber nicht leisten.
Konsumentinnen und Konsumenten erwägen Nachhaltigkeit am ehesten bei Lebensmitteln (58%), Haushaltsprodukten (55%) und Körperpflege (55%), seltener bei Reisen (47%). Trotz des Umweltbewusstseins bleiben Billigangebote und Convenience dominant; Kunststoffnutzung sinkt langsamer als erwartet und Verpackungsmüll bleibt ein Frustrationspunkt.
Es gibt eine Kluft zwischen Absicht und Handeln. Nur sehr wenige Menschen sagen, dass sie nicht den Wunsch haben, sich nachhaltiger zu verhalten. Werden konkurrierende Prioritäten angeführt, ändert sich allerdings auch das Verhalten. Laut dem „BRC / EY Future Consumer Index“ machten im Jahr 2019 ethische Ausgaben nur 0,07% des britischen Konsums aus, obwohl 61% der Verbraucher:innen angaben, dass sie wahrscheinlich zu einer Marke wechseln würden, die umweltfreundlicher sei. Der größte Konflikt besteht nach wie vor in der Preissensibilität: Der Preis hat für das größte Segment der künftigen Verbraucher:innen (33%) Priorität, der Umweltschutz für 18%. Nur 22% der Verbraucher:innen, die auf den Preis Wert legen, würden mehr für nachhaltig produzierte Produkte bezahlen, während 58% der Verbraucher:innen, die auf Umweltschutz Wert legen, dies tun würden. 51% der Verbraucher:innen gaben an, dass sie hauptsächlich dann Umweltmaßnahmen ergreifen, wenn sie dadurch Geld sparen.
Nachhaltigkeit in London
2018 belegte London den ersten Platz als nachhaltigste Stadt der Welt und führte den „Arcadis Sustainability Cities Index“ an. Londons Bürgermeister Sadiq Khan hat sich zum Ziel gesetzt, die britische Hauptstadt zu einer der grünsten und gesündesten Städte der Welt zu machen. Londons Bürgermeister Sadiq Khan hat 2025 einen £500-Mio.-Green Finance Fund lanciert und visiert Londons Net-Zero bis 2030 und 80% emissionsfreie Mobilität bis 2041 an.
Die Pandemie hat den Fokus auf Nachhaltigkeit verstärkt, wobei der Schwerpunkt auf dem Wiederaufbau und der Neugestaltung Londons liegt, damit es gerechter, gleicher, grüner und widerstandsfähiger wird als vor der Krise.
Die Londoner Umweltstrategie 2018 des Bürgermeisters zielt darauf ab, Londons Umwelt zum Nutzen aller Londoner:innen in sieben Schlüsselbereichen zu verbessern: Luftqualität, grüne Infrastruktur, Klimawandel, Abfall, Anpassung an den Klimawandel, Umgebungslärm und Kreislaufwirtschaft. London soll bis 2050 kohlenstofffrei sein, und bis 2041 sollen 80% der Wege zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden. So wird der öffentliche Fahrradverleih laufend erweitert. Er umfasst bereits über 750 Stationen. Alle Londoner Doppeldecker-Busse haben bereits einen Hybrid-Antrieb. Auch die U-Bahn soll in Zukunft mit erneuerbarer Energie betrieben werden.
Das Programm „Healthy Streets“ des Bürgermeisters, welches eine Rekordinvestition von 2,2 Milliarden Pfund vorsieht, soll Straßen in ganz London für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen attraktiver machen und die Luftqualität verbessern. Das Programm „Liveable Neighbourhoods“ soll eine radikale Reduzierung des Autoverkehrs und Verbesserungen für die Umwelt in London finanzieren.
Nachhaltige Projekte – Beispiele
Eden Project
Das „Eden Project“ ist ein botanischer Garten in Cornwall, der von zwei riesigen Gewächshäusern, derzeit die größten der Welt, dominiert wird. Das „Eden Project“ wurde am 17. März 2001 eröffnet und soll ein Ort sein, an dem jeder Mensch seine Abhängigkeit von der Natur erforschen und sich inspirieren lassen kann, wie man die Umwelt erhalten und die Erde zu einem besseren Ort zum Leben machen kann. www.edenproject.com
Refurnish
„Refurnish“ fördert das Recycling und einen umweltfreundlichen Lebensstil, indem es Möbel sammelt und restauriert, um sie dann zu erschwinglichen Preisen an die Menschen vor Ort zu verkaufen. „Refurnish“ soll nicht nur einen Beitrag zum Umweltschutz leisten, sondern auch zur Verringerung der Abfallmenge, die auf Mülldeponien landet, beitragen. Die Organisation sammelt alte und beschädigte Möbel von Privathaushalten und Einzelhändler:innen ein, restauriert sie und verkauft sie dann zu niedrigen Preisen an benachteiligte Familien. www.refurnish.co.uk
Kin Café
Das „Kin Café“ entstand aus der Idee, frisches und gesundes Essen in einer gemütlichen und freundlichen Atmosphäre anzubieten. Das Café legt großen Wert auf die Beschaffung hochwertiger Zutaten. Nachhaltigkeit wird großgeschrieben, nicht nur in Bezug auf die Umwelt, sondern auch im sozialen Bereich, indem andere Start-ups und kleine Unternehmen unterstützt werden. https://kincafe.co.uk
Forest Green Rovers – der nachhaltigste Fußballclub der Welt
Nachhaltigkeit ist ein zentrales Thema bei den Forest Green Rovers (FGR). Von Sonnenkollektoren und Ladestationen für Elektrofahrzeuge bis hin zu einem veganen Menü beweisen sie, dass Sportvereine den Kampf gegen den Klimawandel anführen können. 2017 bezeichnete die FIFA die FGR als den „grünsten Fußballverein der Welt“. Sie sind der erste und einzige vegane Fußballverein und der erste, der von den Vereinten Nationen als klimaneutral zertifiziert wurde. https://www.fgr.co.uk/another-way
Tourismus
25% der britischen Erwachsenen geben an, dass Klimawandel ihre Urlaubsentscheidungen stark/sehr stark beeinflusst; jüngere Reisende sind überrepräsentiert. 32% haben gezielt nach einer nachhaltigen Unterkunft gesucht, 71% davon meinen, diese wären leicht zu finden. Der Anteil derer, die „nachhaltiges Reisen ist mir sehr wichtig" stark zustimmen, stieg von 28% (Okt. 2023) auf 33% (Okt. 2025).
Zugleich überlagert die Kostensensibilität diese Absicht: Nachhaltige Optionen werden akzeptiert, wenn der Preisaufschlag gering ist oder es Kostenersparnisse gibt (z. B. Energieeffizienz, Wassersparen). Die Nachfrage nach Auslandsreisen bleibt robust, Top-Nachhaltigkeitsthemen sind: nachhaltige Unterkünfte, Reisen außerhalb der Hochsaison, lokale Restaurants/Handwerk und weniger überlaufene Destinationen (Mintel Report; Visit Britain).
2018 belegte London den ersten Platz als nachhaltigste Stadt der Welt
2020: 10-Punkte-Plan vorgestellt, um die Nachhaltigkeit der britischen Industrie zu revolutionieren.
2021: Neues Umweltgesetz mit klaren gesetzlichen Zielen für die Erholung der Natur in vier vorrangigen Bereichen: Luftqualität, biologische Vielfalt, Wasser und Abfall.
Das Thema Nachhaltigkeit hat einen tiefgreifenden Einfluss auf das Verhalten der britischen Verbraucher:innen, allerdings gibt es eine große Kluft zwischen Absicht und Handeln
Einleitung
Informationen unserer Expertinnen und Experten auf den Märkten zum Thema allgemeine Nachhaltigkeit und im Speziellen Barrierefreiheit
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