Bevölkerung

In der japanischen Bevölkerung wird Nachhaltigkeit überwiegend als Umweltschutz und Ressourcenschonung verstanden. Die SDGs sind allen geläufig (91,6% Awareness) und von fast allen positiv bewertet. Medien aus Wirtschaft und Regierung heben den Ausbau grüner Technologien und Energieeffizienz hervor. Im Alltag schätzen die Menschen allerdings weiterhin Bequemlichkeit: Zwar zeigen über 79% Sympathie gegenüber Unternehmen mit SDG-Engagement, konkrete Einschränkungen (z.B. Verzicht auf Fliegen) fallen vielen schwer (Dentsu).

Verhalten und Konsum

Im japanischen Alltag kommt es zu sehr strikter Mülltrennung und Recycling (bspw. werden bei Plastikflaschen das Etikett, der Deckel und die Flasche selbst getrennt). Die meisten Gemeinden trennen Abfall in viele Arten und die Bevölkerung ist es auch gewohnt, ihren Müll mit nach Hause zu nehmen, da öffentliche Mistkübel relativ selten sind. Andererseits ist der Einweggebrauch hoch: Japan steht UN-basiert an zweiter Stelle beim Pro-Kopf-Plastikverbrauch (Asia Business Council).

Ebenso ist es in der japanischen Kultur weit verbreitet, Geschenke kunstvoll zu verpacken. Oft ist das Aussehen der Verpackung wichtiger als der Inhalt. Beim Überreichen von Geschenken werden diese extra in Sackerl verpackt, weshalb man beim Kauf nicht nur Sackerln zum eigentlichen Transport, sondern auch zum Weiterverschenken erhält. Auch bei Nahrungsmitteln wird exzessiv Verpackungsmaterial verwendet. Oft sind Lebensmittel innerhalb einer Verpackung noch einmal verpackt, um Produkte länger haltbar zu machen. Das Konsumverhalten in urbanen Mittelschichten ist geprägt von Bio-Lebensmitteln und Mehrwegprodukten, aber in der großen Bevölkerung ist es oft weiterhin situationsabhängig und durchaus kostspieliger.

Tourismus

Die Tourismusstrategie Japans setzt verstärkt auf die Förderung regionaler Destinationen, Reisen ins Freie und die Einbindung lokaler Gemeinschaften und werden auch als Initiativen zur Reduktion von Overtourism und zur Stärkung lokaler Wirtschaftskreisläufe genutzt (JNTO – Sustainable Travel). Für Inlandsreisen werden Bahn- und Busverbindungen aufgrund des guten Netzes oft genutzt. In der Praxis werden weitergehende Reiseangebote von japanischen Reisenden allerdings nur eingeschränkt genutzt und meist nur dann gewählt, wenn sie keinen Komfortverlust oder keine Mehrkosten verursachen. Umfragen zufolge betrachten 82% der Reisenden Umweltschutz als wichtig, doch die Zahlungsbereitschaft für nachhaltige Optionen bleibt laut einer Umfrage gering und sie verwenden solche Angebote deutlich seltener als globale Gäste, was vor allem auf geringere Bekanntheit und mangelnde Orientierung bei der Suche zurückzuführen ist (Travel Voice).

Das Wichtigste zur Nachhaltigkeit
  • Japan hat klare Klimaziele: Eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 60% bis 2035 und 73% bis 2040 (jeweils gegenüber 2013) wurde verkündet. Netto-Null soll bis 2050 erreicht werden (JapanNDC).

  • Die SDGs sind in Japan einer großen Öffentlichkeit bekannt: 91,6% der Bevölkerung haben von den SDGs gehört, viele verbinden sie mit Fragen wie Abfallvermeidung und Luftreinhaltung. Schulen haben das Thema im Lehrplan verankert (Dentsu).

  • Der Begriff „Mottainai“ („zu gut, um es wegzuwerfen“) beschreibt das Konzept der japanischen Gesellschaft durchaus: Müll reduzieren, wiederverwerten und recyclen – das Produkt an sich wertschätzen.

  • Trotz hoher Recyclingraten gibt es aber erhebliche Widersprüche: Japan ist nach UN-Angaben weltweit Spitzenreiter beim Plastikverpackungsmüll pro Kopf (Asia Business Council).

  • Öko-Tourismus ist noch eine Nische. Laut Reiseumfragen halten 82% der Japaner:innen nachhaltiges Reisen zwar für wichtig (42% sagen, die Pandemie habe ihr Bewusstsein geschärft), doch Buchungen folgen meist anderen Kriterien und nachhaltige Unterkünfte sind für Reisende schwer zu identifizieren (Travel Voice).

Portraitfoto von Nicole Kirchmeyr
Nicole KirchmeyrMarket Representative Japan
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