Kroatien
Nachhaltigkeit

Bevölkerung

Vorhaben in zahlreichen Sektoren

In Kroatien wird Nachhaltigkeit vor allem mit Meeres- und Küstenschutz, dem Erhalt der Natur, Abfallvermeidung sowie sauberer Energie verbunden. Klimawandel und Umweltschutz sind regelmäßig Medienthemen, während soziale und wirtschaftliche Aspekte weniger Beachtung finden.

Nur jede:r sechste Kroate/Kroatin fühlt sich darüber gut informiert, dennoch hält rund die Hälfte Nachhaltigkeit für ein zentrales Zukunftsthema. Viele sind zu Verhaltensänderungen bereit, sehen jedoch Hürden wie hohe Preise, mangelnde Information und Zweifel am eigenen Einfluss. Medien und Bildung spielen daher eine wichtige Rolle bei der Sensibilisierung.

Nachhaltigkeit ist auch in Kroatien ein wichtiges Thema in der Politik. Die staatlichen Maßnahmen zur Nachhaltigkeit konzentrieren sich auf den grünen und digitalen Wandel, Energieeffizienz sowie die nachhaltige Entwicklung lokaler Gemeinschaften. Sie werden überwiegend durch EU-Fonds finanziert.

Die Europäische Investitionsbank (EIB) hat 2024 und 2025 Projekte im Wert von rund 1,24 Milliarden EUR finanziert – nahezu eine Verdreifachung gegenüber den Vorjahren. Davon entfielen etwa 721 Millionen EUR auf Klima- und Umweltprojekte in folgenden Bereichen:

1.      Grüne Transformation und Energie: Gebäudesanierung, Ausbau erneuerbarer Energien, kohlenstoffarme Strategien;

2.      Nachhaltige Mobilität und Infrastruktur: Investitionen in den Verkehr, Modernisierung der Eisenbahn, Förderung von Elektrofahrzeugen und Ladeinfrastruktur sowie nachhaltiger Tourismus

3.      Umweltschutz und Kreislaufwirtschaft: Abfall- und Wassermanagement, Schutz der Biodiversität und Erhalt von Ökosystemen;

4.      Soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit: Sicherung des Lebensstandards, Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, demografische Erneuerung sowie digitale und grüne Transformation von Unternehmen.

Verhalten und Konsum

Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit, Bioprodukte und gesunde Ernährung ist auch in Kroatien ein immer wichtigeres Thema. Das ökologische Bewusstsein wächst, doch Kaufentscheidungen bleiben stark preisgetrieben. In den letzten Jahren sind vor allem folgende Trends beim Konsumverhalten festzustellen: Reduzierung von Lebensmittelverschwendung, Bevorzugung von lokalen Produkten, Wachstum des Online-Handels und Skepsis gegenüber „grünen“ Labels.

Im Folgenden einige Beispiele für Nachhaltigkeit:

  • Knapp 13% der Landfläche steht unter besonderem Schutz.

  • Da das Land eher einen schwachen Landwirtschaftssektor hat, hat es in Sachen ökologischer Anbau mit derzeit 11% Anteil viel Potenzial für Wachstum.

  • Aufgrund der steigenden Nachfrage gehören Bioprodukte mittlerweile zum Standardangebot großer Einzelhandelsketten und Drogeriemärkten dazu und es gibt immer mehr spezielle Bioläden. Allerdings werden die meisten Bioprodukte importiert.

  • Typisch für Kroatien sind die Wochenmärkte, die man in fast allen Regionen des Landes vorfinden kann. Auf den beliebten Märkten kaufen zahlreiche kroatische Restaurants ihre Waren bei den Landwirtinnen und Landwirten ihres Vertrauens, die oftmals noch nach alter Tradition vollkommen ökologisch anbauen.

  • Umfragen zeigen, dass Verbraucher:innen bereit sind, im Schnitt rund 9,7% mehr für nachhaltige Produkte zu zahlen und fast die Hälfte würde Marken boykottieren, die keine soziale oder ökologische Verantwortung übernehmen. Die Dörfer haben sich darauf spezialisiert, Lebensweise, Gerichte etc. ihrer Vorfahren zu erhalten und zu präsentieren, sodass man in diesen „Ethnodörfern“ einheimische Gerichte nach uralten Rezepten genießen, in alten Eichenhütten mit traditioneller Einrichtung schlafen und in diversen Veranstaltungen und Führungen das Leben der kroatischen Vorfahren kennenlernen kann.

Tourismus

Proaktiver Ansatz

In den letzten Jahren hat der Tourismus in Kroatien stetig zugenommen. Der Tourismus ist die wichtigste Einnahmequelle für die Wirtschaft. Durch Investitionen in den Tourismus wird die Infrastruktur im Land ausgebaut, Dienstleistungen werden verbessert, was wiederum die Lebensqualität im Allgemeinen steigert. Zudem sind viele Arbeitsplätze eng mit dem Tourismus verknüpft. Mit steigenden Besucherzahlen nimmt jedoch auch die Diskussion über Infrastrukturbelastung, Wohnraummangel in Küstenstädten, höhere Lebenshaltungskosten und Umweltfolgen zu.

Die kroatische Regierung hat einen nationalen Entwicklungsplan für nachhaltigen Tourismus bis 2027 verabschiedet. Im Fokus stehen ökologische Verantwortung, der Erhalt von Kultur und Tradition sowie langfristige wirtschaftliche Vorteile für die lokale Bevölkerung. Dazu zählen zertifizierte Unterkünfte, nachhaltige Mobilität, lokale Produkte und die Stärkung ländlicher Regionen. Aufgrund der großen Anzahl von Nationalparks, Naturparks und anderen Schutzgebieten ist Kroatien in der Lage, die Bedürfnisse und Erwartungen einer großen Bandbreite von Gästen zu erfüllen, von den weniger anspruchsvollen Naturliebhaber:innen bis hin zu den sehr fokussierten Ökotourismus-Fachleuten.

Die Nachfrage nach nachhaltigen Tourismusangeboten wächst: umweltzertifizierte Unterkünfte, Natur- und Aktivtourismus (z. B. Wandern, Radfahren, Nationalparks) sowie regionale Gastronomie gewinnen an Bedeutung. Destinationen wie Međimurje und Mali Lošinj wurden 2024/25 international für nachhaltige Praktiken ausgezeichnet. Dennoch dominiert in Kroatien weiterhin der klassische Bade- und Massentourismus, wobei Preis, Lage und Komfort oft wichtiger sind als die Nachhaltigkeit.

Das Wichtigste zur Nachhaltigkeit
  • Die Europäische Investitionsbank und das Wirtschaftsministerium finanzieren mit Hilfe von EU-Förderungen Projekte für die grüne Transformation, Energieeffizienz und nachhaltige Entwicklung. 

  • Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit im Tourismus ist gegeben.

  • Auch für die Bevölkerung wird Nachhaltigkeit immer wichtiger und sie verlangt danach, obwohl das Nachhaltigkeitsbewusstsein noch nicht so stark entwickelt ist wie in deutschsprachigen Ländern. Aber nur 11% der Bioprodukte werden in Kroatien erzeugt.

Portraitfoto von Peter Szedlak
Péter SzedlákMarket Representative Slowakei, Slowenien, Kroatien
Nachhaltigkeit auf den Märkten

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