Bevölkerung

Nachhaltigkeit ist in der polnischen Bevölkerung klar verankert und wird überwiegend mit Umweltaspekten wie Luftqualität, Abfall und Energie verbunden. Rund 60–75% messen Umwelt- und Klimathemen hohe Bedeutung bei (Quelle: CBOS, Eurobarometer). Gleichzeitig zeigt sich eine deutliche Diskrepanz zwischen Anspruch und Verhalten: Nur etwa 30–40% handeln konsequent nachhaltig (Quelle: CBOS). Nachhaltigkeit bleibt damit eher ein Ideal als ein verbindliches Handlungsprinzip. 

Das Thema ist medial präsent, insbesondere im Kontext von Klimawandel, Energie und Luftverschmutzung, verliert jedoch aktuell an relativer Priorität gegenüber Inflation, Wirtschaft und Sicherheit (Quelle: CBOS, Eurobarometer). Gleichzeitig zeigt sich eine klare Differenz zwischen struktureller und individueller Ebene: Während Polen bei nachhaltiger Entwicklung Fortschritte erzielt (u. a. SDG-Zielerreichung; Quelle: GUS), bleibt die Umsetzung im Alltag begrenzt. 

Verhalten und Konsum

Im Alltag zeigt sich Nachhaltigkeit vor allem in einfach umsetzbaren Maßnahmen wie Mülltrennung sowie Energie- und Wassersparen. Rund 84% geben an, Müll zu trennen (Quelle: Autopay). Auch beim Konsum achten 50–60% auf Umweltaspekte, jedoch sind nur rund 30% bereit, dafür mehr zu zahlen – weniger als in Westeuropa (Quelle: EKObarometr, Deloitte). Nachhaltigkeit ist damit relevant, aber kein dominanter Entscheidungsfaktor. 

Nachhaltiges Verhalten wird häufig eher durch ökonomische Überlegungen als durch Überzeugung motiviert (Quelle: Autopay). Gleichzeitig zeigen sich erste Unterschiede zwischen den Generationen, wobei jüngere Zielgruppen nachhaltigem Konsum eine höhere Bedeutung beimessen (Quelle: Deloitte). Grundsätzlich ist Nachhaltigkeit im Alltag sichtbar, aber selektiv. 

Tourismus

Die Datenlage zur Rolle von Nachhaltigkeit im Reiseverhalten ist begrenzt, zeigt jedoch ein klares Bild: Nachhaltigkeit ist präsent, aber kein zentraler Treiber. Nachhaltigere Optionen erhöhen die Attraktivität von Angeboten, sind jedoch selten ausschlaggebend für Buchungen (Quelle: Booking.com). 

Es gibt Hinweise auf nachhaltigere Reiseabsichten, etwa die Reduktion von Flugreisen oder stärkere Orientierung an Inlandsreisen (Quelle: Business Insider / Marriott). Gleichzeitig bleiben Reiseintensität, Flugreisen und Auslandsaufenthalte hoch (Quelle: CBOS). 

Auf Angebotsseite gewinnt Nachhaltigkeit an Bedeutung: Die polnische Tourismusbranche setzt verstärkt Initiativen und Programme um und reagiert damit auf veränderte Erwartungen – auch im Kontext eines starken Inlandstourismus (Quelle: POT). 

Insgesamt zeigt sich: Nachhaltigkeit ist im Reisemarkt sichtbar, beeinflusst Entscheidungen bislang jedoch nur begrenzt. Auch hier bleiben Preis, Verfügbarkeit und Komfort die dominierenden Faktoren. 

Das Wichtigste zur Nachhaltigkeit
  • Nachhaltigkeit ist im Bewusstsein der polnischen Bevölkerung angekommen, wird jedoch primär mit Umweltaspekten (Luft, Abfall, Energie) verbunden. 

  • Es besteht weiterhin eine deutliche Lücke zwischen Einstellung und Verhalten: Nachhaltigkeit wird befürwortet, aber selten konsequent umgesetzt. 

  • Preis, Inflation und wirtschaftliche Unsicherheiten dominieren Konsumentscheidungen und relativieren die Bedeutung von Nachhaltigkeit. 

  • Polen macht strukturell Fortschritte im Bereich Nachhaltigkeit (Kohleausstieg geplant für 2049), während die Umsetzung im Alltag deutlich hinterherhinkt. 

Robert GröblacherChief Head of Markets and Head of Market Polen
Nachhaltigkeit auf den Märkten

Informationen unserer Expertinnen und Experten auf den Märkten zum Thema allgemeine Nachhaltigkeit und im Speziellen Barrierefreiheit

ÖW News
  • Themen und Trends im Tourismus

  • Entwicklungen in internationalen Märkten

  • Veranstaltungen und Messen

  • Neues aus der Tourismusforschung