USA
Nachhaltigkeit
Einleitung
Bevölkerung
Für die Mehrheit der US-Bevölkerung ist Nachhaltigkeit kein klar definierter, wissenschaftlicher Begriff, sondern eher ein alltagsnahes, konsumbezogenes Konzept. Primär werden mit dem Begriff Nachhaltigkeit Themen wie Umweltschutz und Klimawandel, “grüne Produkte”, ethischer Konsum oder Unternehmensverantwortung (speziell große Firmen sollen nachhaltiger agieren) in Verbindung gebracht. Amerikaner definieren Nachhaltigkeit stark über Konsumentscheidungen. Sie sind sich bei diesem Thema unsicher und in der breiten Öffentlichkeit auch nur oberflächlich informiert. Nachhaltigkeit wird eher praktisch („Was kaufe ich, wie konsumiere ich?“) als systemisch („Wie funktioniert die Wirtschaft nachhaltig?“) verstanden. Auch gibt es eine große Lücke zwischen Einstellung und tatsächlichem Konsumverhalten.
Besonders erwähnenswert ist die aktuell extreme politische Spaltung und Polarisierung dieses Themenkomplexes. Die beiden politischen Lager (demokratische Partei und die republikanische Partei) mit ihren immer konträreren Weltbildern finden hier kaum noch gemeinsame Realitäten. Während die demokratische Seite stark in Richtung Klimaschutz, Energiewende und soziale Absicherung agiert, steht bei den Republikaner:innen der freie Markt mit geringsten Staatseingriffen ganz oben. Die Regierung Trump hat unzählige Bemühungen der Biden-Regierung wieder zurückgenommen und forciert zum Beispiel fossile Energien.
Die USA liegen aktuell nur auf Platz 44 des „Sustainable Development Reports“, weit hinter fast allen europäischen Ländern. Dieser Report bewertet medizinische, ökologische und wirtschaftliche Aspekte eines Landes zur Erreichung der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung.
Diese Position ist durchaus ernüchternd. Es lohnt sich jedoch anzumerken, dass es innerhalb der USA große regionale Unterschiede gibt. Dies liegt primär an der Tatsache, dass die einzelnen Bundesstaaten ein hohes Maß an politischer und wirtschaftlicher Autonomie genießen.
So gilt Kalifornien weiterhin als Vorreiter in Sachen Umweltschutz und Klimainvestitionen. Hier ist zum Beispiel der Anteil an E-Autos mit 25-30% aller Neuzulassungen ähnlich wie in Großbritannien, aber deutlich hinter vielen Ländern in Westeuropa.
Überraschenderweise ist der konservative Bundesstaat Texas das Epizentrum der Energiewende. Hier kommt es zu einem massiven Ausbau von Solar- und Windkapazitäten. Ausschlaggebend dafür sind wirtschaftliche Interessen, gepaart mit günstigen, natürlichen Bedingungen und nicht primär Klimapolitik.
Verhalten und Konsum
Speziell bei gebildeten und finanziell gut etablierten Menschen in den USA zeigt sich Nachhaltigkeit im Konsum sehr konkret, oft als Lifestyle- und Statusfaktor, sie prägt den Konsum spürbar. Wer es sich leisten kann, wählt Bio-Lebensmittel, fair produzierte Mode oder energieeffiziente Technik.
Nachhaltigkeit ist hier mehr als ein Wert – sie ist ein Lifestyle-Signal. Produkte und Marken, die ökologische Verantwortung zeigen, werden bevorzugt, recherchiert und öffentlich sichtbar genutzt. In dieser Gruppe ist die Lücke zwischen Einstellung und Handeln deutlich kleiner: Hier wird bewusst konsumiert, nicht nur aus Überzeugung, sondern auch, um Werte, Bildung und (politische) Weltanschauung nach außen zu tragen.
Tourismus
Das Thema Nachhaltigkeit ist definitiv bei unserer Kernzielgruppe und auch in der Reiseindustrie selbst angekommen. Viele wohlhabende Reisende möchten ihre Reisen nicht nur genießen, sondern „Sinn“ darin sehen — etwa durch Unterstützung von Naturschutz, lokalen Projekten oder respektvollen Begegnungen mit Kultur und Natur. Auch der verstärkte Trend zu Reisen in Nebensaisonen ist Ausdruck eines stärkeren Nachhaltigkeitsbewusstseins, wenngleich auch eine Reaktion zu Hitze und Overcrowding in zahlreichen Destinationen.
Innerhalb der Reisebranche selbst gibt es einige nennenswerte Entwicklungen und Initiativen. So beschäftigt die United States Tour Operator Association (USTOA), der wichtigste Zusammenschluss aller Reiseveranstalter, seit Jänner 2023 einen Global Social Impact Manager, der Reiseveranstalter bei der Entwicklung nachhaltiger Produkte unterstützt.
Das populäre Reisemagazin AFAR setzt in seinem Leitbild auf „Travel as a Force for Good“ und organisierte sich unlängst als eine sogenannte B-Corp, eine Unternehmensform, die nachweislich nicht nur nach Gewinn, sondern auch nach sozialer und ökologischer Wirkung in ihrem Unternehmenszweck ausgerichtet ist.
In den USA ist das Thema Nachhaltigkeit aus dem täglichen Diskurs in vielerlei Hinsicht verschwunden, beziehungsweise hat sich die politische Diskussion mit dem Antritt der Regierung Trump völlig verändert.
Die Trump-Regierung positioniert sich bewusst als Gegenpol zu allen Nachhaltigkeitsinitiativen und blockiert nicht nur so weit wie möglich, jede Form von erneuerbarer Energiegewinnung, sondern auch von sozialen Nachhaltigkeitsinitiativen.
Allerdings gibt es große regionale und politische Unterschiede zum Thema Nachhaltigkeit. In unserer Zielgruppe beeinflusst dieses Thema das Konsumverhalten mittlerweile sehr stark. Nachhaltiges Agieren wird zum Lifestyle und Statusfaktor; Ausdruck einer kulturellen/politischen Gesinnung.Im Alltag bemerkt man sowohl bei der Mülltrennung, bei Tauschbörsen, beim zahlenmäßigen Anstieg von Bauernmärkten, Fairtrade- und Bioprodukten und sogar bei Finanzinvestitionen den Einfluss des Themas.
In der Reiseszene ist das Thema Nachhaltigkeit aktuell allgegenwärtig. Die Bedeutung von Nachhaltigkeit bei der Reiseentscheidung ist sicherlich noch relativ gering, wird aber speziell bei jüngeren Generationen immer wichtiger.

Einleitung
Informationen unserer Expertinnen und Experten auf den Märkten zum Thema allgemeine Nachhaltigkeit und im Speziellen Barrierefreiheit