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Beschreiben statt bewerten
Was bedeutet EmpCo für Destinationstexte? Drei Beispiele – vorher und nachher

30.09.2026
„Unberührte Natur" fällt weg – was bleibt? Wie touristische Texte ohne pauschale Green Claims funktionieren, und was sie dabei gewinnen.

Seit 27. September 2026 gelten strengere Regeln für Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen. Für alle, die touristische Texte schreiben, stellt sich damit eine praktische Frage: Wie beschreibt man einen Ort, wenn gängige Wörter wie „nachhaltig" oder „umweltfreundlich" allein nicht mehr reichen? 

Die kurze Antwort: konkreter – und damit meistens besser. Bewertungen passen überall, Details nur zu einem ganz konkreten Ort. Wie das aussehen kann, zeigen die folgenden Beispiele: jedes einmal in der nicht EmpCo-konformen Fassung und einmal in einer Version, die konkrete Angaben an die Stelle pauschaler Bewertungen setzt. Derselbe See, dasselbe Frühstück, dieselbe Region – nur anders beschrieben. 

Die Beispiele sind bewusst dicht gebaut: Was sich sonst über eine ganze Seite verteilt, steht hier in wenigen Zeilen. Alle drei könnten von einer Website stammen, für Print gilt dasselbe. Auch Bilder können Umweltaussagen liefern, manchmal erst in Kombination mit dem Text – etwa auf Social Media.

Hinweis: Dieser Blogartikel und die verlinkten Unterlagen geben einen Überblick über die EmpCo-Anforderungen und deren Implikationen für die touristische Kommunikation. Sie ersetzen keine Rechtsberatung. Für verbindliche Aussagen zu konkreten Kommunikationsmaßnahmen ist jedenfalls juristische Expertise einzuholen. 

Beispiel 1: Der See – wenn Bewertungen den Ort ersetzen

Die Beschreibung eines fiktiven Sees auf einer ebenso fiktiven Destinationsseite. Ein klarer Fall: Der See gehört zur Region, vieles lässt sich auf Nachfrage beschaffen. Nur stand es oft nicht im Text, weil die gewohnten Bewertungen den Platz besetzt hatten.

Der See – vorher 

Am See zeigt sich die Natur am Morgen von ihrer schönsten Seite: glasklares Wasser, unberührte Ufer, eine intakte Tierwelt. Motorboote sind hier tabu, umweltfreundliche Ausflugsboote gleiten leise über den See, einladende Badeplätze säumen das Ufer. 

Spätestens wenn die Sonne über die Baumspitzen des umliegenden Waldes kommt, ist die Versuchung groß: zwei Schritte Anlauf und hinein ins saubere Wasser. So fühlt sich Urlaub im Einklang mit der Natur an. 

Der See – nachher 

Der Badesteg am See fühlt sich am Morgen noch kühl an, das Wasser darunter ist ruhig, vielleicht zieht eine Forelle vorbei. Am Ufer brüten Enten. Motorboote mit Verbrennungsmotor sind hier verboten, die beiden Ausflugsboote fahren elektrisch. 

Spätestens wenn die Sonne über die Baumspitzen des umliegenden Waldes kommt, ist die Versuchung groß: zwei Schritte Anlauf und hinein ins Wasser. Vier Meter weit reicht der Blick hinunter, tief genug, um der Forelle nachzuschauen. 

Der See – was den Unterschied macht 

Beim Sprung ins Wasser fehlt nur ein Wort, „sauber" – sonst steht der Satz unverändert da. Wo eine Bewertung stand, steht jetzt etwas, das sich belegen lässt: Aus „glasklar" werden vier Meter Sichttiefe, aus „umweltfreundlich" ein Elektroantrieb. Statt die Natur als „unberührt" und „intakt" zu bewerten, beschreibt der Text Enten und eine Forelle. Kein Gegenstück gibt es für „Urlaub im Einklang mit der Natur" – der Satz entfällt. 

  • Der Fall: Wörter und Wendungen, die bewerten statt zu beschreiben. 

  • Der Ausweg: nachfragen, was ohnehin dokumentiert ist. 

  • Nachfragen bei: Gemeinde und Bootsverleih. 

Beispiel 2: Das Hotel – wenn ein Schlagwort Angaben ersetzt

Ein fiktives Hotelporträt auf derselben fiktiven Destinationsseite. Die Angaben stammen vom Betrieb, veröffentlicht werden sie von der Destination. Damit trägt sie Mitverantwortung für das, was auf ihrer Seite steht – auch wenn das Haus nicht ihres ist.

Das Hotel – vorher 

Beim Frühstück steht Nachhaltigkeit an erster Stelle: regionale Zutaten, umweltfreundlich produziert und sorgfältig ausgewählt. Das Buffet lässt keine Wünsche offen und ist bis in den späten Vormittag gedeckt. Das Brot wird täglich frisch gebacken, Bio ist hier gelebte Überzeugung – bei Schinken, Käse, Gemüse und den Eiern der glücklichen Hühner aus eigener artgerechter Haltung. Kurze Transportwege schonen die Umwelt, und das schmeckt man. 

Das Hotel – nachher

In aller Früh kommen die Sauerteiglaibe aus dem Ofen; wer erst um zehn Uhr zum Frühstück erscheint, riecht sie immer noch. Das Buffet gleicht einem Wimmelbild: Schinken vom Hof am Ortsrand, Käse aus dem Nachbartal, Gemüse aus dem eigenen Garten. Sieben Höfe versorgen die Küche, keiner liegt weiter als zwölf Kilometer entfernt. 

Kaum ist das erste Semmerl verputzt, zieht es viele Kinder hinters Haus. Hier lässt sich herausfinden, wo das Frühstücksei herkommt – die Antwort wartet gackernd, pickend und ziemlich fedrig. 

Das Hotel – was den Unterschied macht 

Am klarsten zeigt es das Schlagwort: „Nachhaltigkeit an erster Stelle" sagt nichts, was sich nachprüfen ließe – sobald es weg ist, ist Platz für die Fakten. Genauso bei den Zutaten, den Transportwegen und den Hühnern: Was vorher gelobt wurde, hat jetzt einen Ort. „Bio ist hier gelebte Überzeugung" fällt ganz weg – ohne die zertifizierten Produkte zu nennen, gilt der Satz scheinbar für das ganze Frühstück. 

  • Der Fall: ein Schlagwort, das alles Konkrete dahinter ersetzt. 

  • Der Ausweg: nennen, was dahintersteckt – Herkunft, Entfernung, Anzahl. 

  • Nachfragen bei: dem Betrieb selbst. 

Beispiel 3: Die Region – wenn einzelne für alle stehen

Die Destination spricht für die ganze fiktive Region, obwohl Bergbahn, Wanderwege und Almen ihr nicht gehören. Was sie sagt, gilt für viele auf einmal – solche Pauschalaussagen sind unter EmpCo am schwersten zu halten.

Die Region – vorher 

Hier geht es sanft auf den Berg: Die umweltfreundliche Seilbahn führt mitten hinein in unberührte Landschaft. Seit Jahrhunderten bewirtschaften Bäuerinnen und Bauern die Almen im Einklang mit der Natur, den Sommer über grasen die Kühe auf den Hochweiden. Zahlreiche Wanderwege führen zu traumhaften Panoramablicken. 

Auch bei der Mobilität denkt die nachhaltige Region voraus: Bahn und Wanderbus machen viele Ausflüge ohne Auto möglich, die Gästekarte macht es besonders bequem. So wird Urlaub zum Beitrag für kommende Generationen. 

Die Region – nachher

Zwölf Minuten dauert die Fahrt mit der Gondel, dann liegen bei klarer Sicht sieben Dreitausender vor der Nase. Von der Bergstation führen 30 Kilometer markierte Wanderwege ins Tal, vorbei an bewirtschafteten Almen – die älteste wurde 1724 erstmals urkundlich erwähnt. 

Im Juni beziehen die Kühe ihr Quartier auf der Alm. Im September kommen sie zurück – mit Glocken um den Hals, Blumen auf dem Kopf und vermutlich dem auffälligsten Auftritt der Saison. 

Der Wanderbus fährt vom Bahnhof alle 30 Minuten zu den Ausgangspunkten, die Gästekarte gilt als Fahrschein. 

Die Region – was den Unterschied macht 

Die Alm zeigt es am deutlichsten: „Seit Jahrhunderten bewirtschaften Bäuerinnen und Bauern die Almen im Einklang mit der Natur" galt für alle, 1724 gilt für eine. Genauso bei den Wegen, den Aussichten, den Almkühen und dem Wanderbus: überall ließ sich etwas nachschlagen. Für den „Beitrag für kommende Generationen" findet sich nichts zum Nachschlagen; solche Green Claims fallen weg. 

  • Der Fall: ein Teil, der für das Ganze steht. 

  • Der Ausweg: zählen und datieren, statt für alle zu sprechen. 

  • Nachfragen bei: Bergbahn, Gemeinde und Verkehrsverbund. 

Der Aufwand liegt vor dem Text 

Der Aufwand liegt in allen drei Fällen nicht beim Formulieren, sondern davor. Wer schreibt, dass der Wanderbus alle 30 Minuten fährt, hat den Fahrplan aufgemacht. Wer sieben Höfe nennt, hat sie gezählt. 

Die gute Nachricht: Ist diese Recherche einmal gemacht und sauber dokumentiert, lässt sich darauf aufbauen. Wer die Angaben beisammen hat, schreibt danach schneller als vorher – und hat nebenbei eine genaue Beschreibung der eigenen Region. Aktuell halten muss man sie trotzdem: Fahrpläne ändern sich, aus sieben Höfen werden sechs. 

Konkrete Angaben machen Destinationstexte unverwechselbar

Der größere Gewinn liegt woanders. „Glasklares Wasser" und „traumhafte Panoramablicke" stehen auf hunderten Webseiten, 1724 steht auf einer. Das macht unverwechselbar, auch in der Suche – und brauchbar: Mit einem Halbstundentakt lässt sich ein Ausflug planen, mit „viele Ausflüge ohne Auto" nicht. 

Damit verschiebt sich auch der Wettbewerb. Bisher konnten alle dasselbe versprechen; jetzt zählt, wer etwas Konkretes zu erzählen hat. Die EmpCo-Richtlinie verlangt damit nichts, was gute Texte nicht ohnehin täten: etwas Bestimmtes über einen bestimmten Ort sagen. Nur hat eben nicht jede Formulierung einen Ersatz. 

Womit anfangen? Der oben verlinkte Leitfaden der Österreich Werbung führt aus, welche Begriffe kritisch sind, wie sich Zertifikate korrekt nennen lassen und was bei Inhalten von Partnerbetrieben gilt. Dazu acht Schritte für die Umstellung der eigenen Kommunikation – von den Zuständigkeiten bis zur Prüfung bestehender Inhalte. Der Download lohnt sich vor der nächsten Textrunde. 

FAQs

Seit 27. September 2026 gelten strengere Regeln für Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen in der touristischen Kommunikation. Allgemeine Begriffe müssen spezifiziert und auf Nachfrage belegt werden. Für Destinationstexte heißt das: Statt einen Ort zu bewerten, beschreibt man ihn – mit Angaben, die sich nachschlagen lassen, etwa Fahrzeiten, Entfernungen, Jahreszahlen oder Messwerte. 

Nein. Die Begriffe bleiben verwendbar, sie reichen aber nicht mehr allein. Eine allgemeine Umweltaussage braucht laut dem EmpCo-Leitfaden der Österreich Werbung eine Spezifizierung im selben Zusammenhang und auf Nachfrage einen Nachweis. Absolute Aussagen wie „unberührte Natur" lassen sich praktisch nicht belegen und entfallen daher meist ersatzlos. 

Durch eine Angabe, die dieselbe Eigenschaft messbar macht. Statt „glasklares Wasser" nennt man die Sichttiefe, statt „umweltfreundliche Boote" den Antrieb, statt „kurze Transportwege" die Entfernung in Kilometern. Die Angaben liegen meist schon vor – bei Gemeinde, Verkehrsverbund, Bergbahn oder beim Betrieb selbst. Wo es keine Entsprechung gibt, entfällt die Formulierung. 

Autorin: Melanie Wachter

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