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Arabische Länder
Barrierefreiheit

Verständnis & Wahrnehmung

In den Staaten des Gulf Cooperation Council (GCC) – Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate (VAE), Katar, Kuwait, Oman, Bahrain – wird Barrierefreiheit überwiegend als physische Zugänglichkeit verstanden, etwa in Form von Rampen, Aufzügen oder rollstuhlgerechter Infrastruktur. Sensorische (z. B. Beschilderung, Audiohilfen) und kognitive Aspekte (z. B. einfache Sprache) sind weniger im öffentlichen Verständnis verankert. Der Begriff ist stark mit moderner Infrastruktur, Smart Cities und internationalem Standard verbunden.

Gesellschaftliche Diskussionen sind vorhanden, bleiben jedoch meist technisch und projektbezogen, etwa im Zusammenhang mit neuen Stadtentwicklungen oder Mega-Projekten. Parallel dazu gibt es eine zunehmende institutionelle Sensibilisierung: Laut UN-Angaben lebt weltweit etwa jede sechste Person mit einer Form von Behinderung, was auch in den GCC-Staaten als relevante Zielgruppe anerkannt wird, wenngleich Datenlage und Sichtbarkeit variieren.

Alltag & Bewusstsein

Barrierefreiheit hat in der Bevölkerung eine mittlere Relevanz und wird häufig als Service- und Komfortmerkmal wahrgenommen. Sichtbar ist sie vor allem in neuen urbanen Räumen: moderne Flughäfen, Shopping Malls und Metro-Systeme sind meist gut zugänglich. In Dubai etwa sind öffentliche Verkehrssysteme weitgehend barrierearm gestaltet. Gleichzeitig zeigen Studien und Praxisbeispiele, dass die Umsetzung uneinheitlich bleibt, insbesondere im Bestand.

Politisch ist das Thema klar verankert: In den VAE regelt etwa das Federal Law No. 29 (2006) die Rechte von Menschen mit Behinderungen und garantiert Zugang zu Bildung, Arbeit und öffentlichen Dienstleistungen. Zudem wurden Strategien wie die National Policy for Empowering Persons with Disabilities (2017) eingeführt, um soziale Integration zu fördern.

Im digitalen Bereich gelten zunehmend konkrete Standards: Die National Digital Accessibility Policy sowie Vorgaben wie WCAG 2.1 (Level AA) sind für staatliche digitale Services verpflichtend. Dennoch ist Barrierefreiheit im Alltag – insbesondere digital und kommunikativ – noch nicht flächendeckend umgesetzt.

Relevanz für Reisen

In der Tourismusbranche gewinnt Barrierefreiheit an Bedeutung, ist jedoch noch kein durchgängig etablierter Standard. Internationale Hotelketten und neue Resorts integrieren zunehmend barrierefreie Zimmer, Zugänge und Services, häufig im Rahmen von Qualitäts- und Luxusstandards. Spezialisierte Reiseanbieter sind in den GCC-Staaten jedoch kaum vorhanden; barrierefreie Angebote werden meist in bestehende Produkte integriert, statt als eigenes Segment vermarktet. Auch bei Reiseentscheidungen spielt Barrierefreiheit bislang nur eine begrenzte Rolle: Für die Mehrheit der Reisenden sind weiterhin Preis, Komfort und Erlebnis entscheidend. Relevanz besteht vor allem für internationale Gäste mit spezifischen Bedürfnissen. Gleichzeitig zeigt sich ein klarer Entwicklungstrend: Im Zuge von Mega-Events, wachsendem internationalen Tourismus und ESG-Strategien wird Barrierefreiheit zunehmend als Wettbewerbs- und Qualitätsfaktor erkannt, auch wenn die Nachfrage derzeit noch nicht marktprägend ist.

Das Wichtigste zur Barrierefreiheit
  • In den GCC-Staaten wird Barrierefreiheit überwiegend als physische Zugänglichkeit verstanden, etwa in Form von Rampen, Aufzügen oder rollstuhlgerechter Infrastruktur.

  • Barrierefreiheit hat in der Bevölkerung eine mittlere Relevanz und wird häufig als Service- und Komfortmerkmal wahrgenommen.

  • In der Tourismusbranche gewinnt Barrierefreiheit an Bedeutung, ist jedoch noch kein durchgängig etablierter Standard.

Portraitfoto von Michael Tauschmann
Michael TauschmannHead of Markets Middle East und India
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