Belgien
Barrierefreiheit
Einleitung
Verständnis & Wahrnehmung
In Flandern wird Barrierefreiheit sehr breit verstanden. Ziel ist es, dass sich alle Gäste willkommen fühlen, indem Hürden möglichst abgebaut werden. Diese Barrieren können physisch, sensorisch, kognitiv oder medizinisch sein – je nach individuellen Bedürfnissen. Was für eine Person selbstverständlich ist, kann für eine andere bereits ein Hindernis darstellen.
Aus diesem Grund wird Barrierefreiheit als eine durchgängige Kette betrachtet, in der jedes Glied zählt. Sie beginnt bei der Vorbereitung: Sind Informationen über das Angebot leicht auffindbar und verständlich? Ist der Standort gut erreichbar, auch für Menschen mit Einschränkungen? Die Erfahrung vor Ort umfasst alles – vom Empfang bis zu Infrastruktur, Komfort und Service. Auch nach dem Besuch bleibt der Austausch mit den Gästen wichtig.
Auch in den Medien ist das Thema präsent. Oft wird Barrierefreiheit positiv dargestellt, etwa durch innovative Projekte wie in der Stadt Gent, wo barrierefreie Toiletten bei stark frequentierten Veranstaltungen verpflichtend sind. Gleichzeitig bestehen weiterhin Herausforderungen, besonders im öffentlichen Verkehr: Von den 254 Bahnhöfen in Flandern sind bis dato nur 73 autonom zugänglich, was einem Anteil von knapp 30% entspricht. NMBS und Infrabel arbeiten an einem Plan, bis 2032 176 Bahnhöfe autonom barrierefrei zu machen und den Anteil somit auf rund 70% zu steigern.
Alltag & Bewusstsein
Im Alltag ist das Thema stark sichtbar, insbesondere im Tourismus, aber auch im öffentlichen Raum und in der Mobilität. Im Laufe des Jahres 2023 erhielten rund 105.744 Personen eine Unterstützung durch die Flämische Agentur für Menschen mit Behinderung oder ein Pflegebudget, was 1,6% der flämischen Bevölkerung entspricht.
Statistische Daten zeigen, dass die Haltung gegenüber Menschen mit einer Behinderung insgesamt positiv ist. Im Jahr 2018 waren mehr als 8 von 10 Befragten der Meinung, dass Personen mit einer Behinderung ihr Leben selbstbestimmt führen sollen. Fast 9 von 10 unterstützten gleiche Chancen für alle. Im Vergleich zu 2014 und 2016 wurde die Einstellung etwas positiver. Dennoch bleibt Diskriminierung ein Problem: Im Jahr 2023 gingen bei der Antidiskriminierungsstelle Unia im Flämischen Gebiet 452 Meldungen ein. Die meisten betrafen „Güter und Dienstleistungen“ (32%), gefolgt von „Arbeit und Beschäftigung“ (24%) sowie „Bildung“ (21%).
In den Medien tauchen regelmäßig konkrete Beispiele auf: barrierefreie Rad- und Wanderwege in Ronse, die Stadt Mechelen, die sich seit 2021 als erste Stadt Flanderns offiziell „Stadt ohne Schwellen“ nennen darf, oder innovative Lösungen wie Rollstuhlzuggeräte, Offroad-Rollstühle und zusätzliche befestigte Wege im Nationalpark Hoge Kempen. Im MICE-Bereich ist Thor Central in Genk ein Vorreiter – als erste flämische Location mit M-Label für barrierefreien Tourismus. Diese Beispiele zeigen, dass Barrierefreiheit längst Teil des Alltags geworden ist und aktiv weiterentwickelt wird.
Relevanz für Reisen
Barrierefreiheit ist in Flandern ein sehr relevantes Thema in der Tourismusbranche. Das zeigt sich nicht nur im gesellschaftlichen Bewusstsein, sondern auch in einer langen Tradition: Das Konzept des zugänglichen Tourismus existiert hier bereits seit 1999 und feiert inzwischen sein 25-jähriges Bestehen. Für die flämische Regierung und VisitFlanders ist Barrierefreiheit eine zentrale gesellschaftliche und wirtschaftliche Säule – mit dem klaren Ziel, Urlaub und Freizeitangebote für alle Menschen zugänglich zu machen.
VisitFlanders hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte erzielt: durch mehr Wissen und Bewusstsein in der Branche, durch den gezielten Ausbau barrierefreier Urlaubsorte und durch klare, verlässliche Informationen für Besucher:innen. Für die Zukunft liegt der Fokus darauf, Menschen mit Behinderung noch besser zu informieren und zu inspirieren, touristische Unternehmer:innen weiter zu stärken und Urlaub insgesamt leist- und machbar zu halten.
Ein wichtiger Baustein ist das flämische Zugänglichkeitslabel. Es gibt eigene Labels für Unterkünfte, Tourismusbüros und Besucherzentren (A oder A+) sowie das bereits oben genannte spezielle M-Label für Meetings und Kongresse. Während Barrierefreiheit früher oft als „Nice to have“ galt, ist sie heute fest im touristischen Angebot Flanderns verankert.
VisitFlanders bietet auf der Website außerdem eine Übersicht über Reiseorganisationen für Menschen mit einer Behinderung. Die aufgeführten Organisationen richten sich an verschiedene Altersgruppen und organisieren Reisen, Wochenenden oder Tagesausflüge im In- und Ausland. Neben Kontaktdaten und Angeboten nennt VisitFlanders in einer übersichtlichen Infobroschüre auch jeweils die Art der Behinderung sowie die Altersgruppe, auf die sich die Organisation spezialisiert.
Einige bekannte regionale und internationale Beispiele aus dieser Übersicht sind Zorganta, das begleitete Urlaube für Menschen mit einer leichten bis mittleren geistigen Behinderung anbietet, 2Move, mit Fokus auf Autismus und Struktur bei Erwachsenen, aber auch größere Anbieter wie Sunweb, das sich auf barrierefreie Sonnenurlaube mit angepassten Unterkünften spezialisiert. Relevant für einen Winterurlaub in Österreich ist außerdem Crejaksie vzw, eine belgische Reiseorganisation, die Winterreisen für Menschen mit einer Behinderung anbietet.
In Flandern wird Barrierefreiheit sehr breit verstanden und als eine durchgängige Kette betrachtet.
Im Alltag ist das Thema stark sichtbar, insbesondere im Tourismus, aber auch im öffentlichen Raum und in der Mobilität.
Barrierefreiheit ist in Flandern ein sehr relevantes Thema in der Tourismusbranche. Das Konzept des zugänglichen Tourismus existiert hier bereits seit 1999.
)
Einleitung
Informationen unserer Expertinnen und Experten auf den Märkten zum Thema allgemeine Nachhaltigkeit und im Speziellen Barrierefreiheit