Kroatien
Barrierefreiheit

Verständnis & Wahrnehmung

In Kroatien werden unter Barrierefreiheit vor allem folgende Bereiche verstanden und diskutiert:

  • Physische Barrierefreiheit, geregelt durch technische Vorschriften zur Zugänglichkeit von Gebäuden (Rampen, Aufzüge, Parkplätze, sanitäre Einrichtungen)

  • Digitale Barrierefreiheit, geregelt durch das Gesetz über barrierefreie Websites und mobile Anwendungen öffentlicher Stellen (Webzugänglichkeit, Gebärdensprache, tiflotechnische Hilfsmittel (für blinde und sehbehinderte Menschen))

  • Barrierefreiheit im öffentlichen Verkehr, Niederflur-Straßenbahnen und Busse, angepasste Eisenbahninfrastruktur, taktile Flächen und Beschilderung

  • Barrierefreiheit in Tourismus und Gastgewerbe, angepasste Strände, barrierefreie Unterkünfte und touristische Attraktionen

  • Sensorische und kognitive Barrierefreiheit, visuelle und akustische Signalisierung sowie Leichte Sprache für Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen

Die Medien berichten regelmäßig über Barrierefreiheit, insbesondere im Zusammenhang mit neuen gesetzlichen Verpflichtungen, Veranstaltungen, Schulungen und gesellschaftlichen Barrieren, die Menschen mit Behinderungen weiterhin betreffen.

Alltag & Bewusstsein

Das Bewusstsein für Vielfalt und die Rechte von Menschen mit Behinderungen hat in Kroatien in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Trotz erweiterter Rechte in Bildung, Beschäftigung und gesellschaftlicher Teilhabe bestehen jedoch weiterhin zahlreiche Hindernisse, etwa unpassende Terminologie, infrastrukturelle Barrieren oder eine langsame Umsetzung von Projekten.

Das Antidiskriminierungsgesetz schützt Gleichheit als zentralen Verfassungswert. Im Verkehrsbereich verbessern digitale Lösungen, Infrastrukturmaßnahmen und EU‑Instrumente wie der Europäische Behindertenausweis und der EU-Parkausweis für Personen mit Behinderungen die Mobilität. Menschen mit Behinderungen profitieren zudem von kostenlosem Bahntransport und Ermäßigungen auf Autobahnen. Projekte wie TRIPS in Zagreb fördern barrierefreie Verkehrssysteme.

Auch im Kulturbereich wird Barrierefreiheit gefördert: Das Kulturministerium unterstützt Programme zur barrierefreien Teilhabe an kulturellen Inhalten und finanziert Maßnahmen zur Beseitigung architektonischer Barrieren.

Relevanz für Reisen

Barrierefreiheit ist ein zunehmend wichtiges Thema im kroatischen Tourismussektor. Rund 40% der Hotels und ähnlichen Unterkünfte verfügen bereits über Kapazitäten für Gäste mit Behinderungen oder eingeschränkter Mobilität. Die Nachfrage nach barrierefreien Angeboten steigt kontinuierlich.

Tourismus- und Gastronomiebetriebe sowie Destinationen setzen verstärkt auf universelles Design, angepasste Zimmer, Rampen, barrierefreie Strände und zugängliche Attraktionen.

Das Ministerium für Tourismus und Sport veröffentlichte 2025 gemeinsam mit dem kroatischen Arbeitsamt den Aufruf „Tourismus für alle“, der die Beschäftigungsfähigkeit von Menschen mit Behinderungen stärkt und inklusive touristische Angebote fördert, beispielsweise durch angepasste Bildungsprogramme, barrierefreie Dienstleistungen, die Sensibilisierung des Personals und die Anpassung von Arbeitsumgebungen.

Good practices

  • Nationalpark Krka: rollstuhlgerechte Zugänge, Boote mit Rampen, angepasste Wege, Busse mit Rampen

  • Schwimmbadkomplex Kantrida (Rijeka): Rampen, Aufzüge, Hebevorrichtungen, Bodenmarkierungen, geschultes Personal

  • Barrierefrei-Karte Dubrovnik: Übersicht zugänglicher touristischer Angebote

  • Staatliche Pferdezucht Đakovo: Rampen, Aufzug, ebene Wege, angepasste Stallzugänge, geschultes Personal

  • Projekt „Farben des inklusiven Tourismus“ (Pula): Angebote für blinde und sehbehinderte Personen

  • Handbuch „Betreuung von Gästen mit Behinderungen“: Schulungsmaterial für Fachkräfte im Tourismus

  • Accessible Međimurje

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Barrierefreiheit in Kroatien ein immer wichtigeres Thema wird und gesetzlich auch gut geregelt ist, z. B. hier und hier. In der Praxis macht sich allerdings bemerkbar, dass die Umsetzung der Gesetze und Projekte oftmals nicht so gut gelingt und dass es vor allem im Infrastrukturbereich, aber auch bei der allgemeinen Bewusstseinssteigerung noch viel Entwicklungspotenzial gibt.

Das Wichtigste zur Barrierefreiheit
  • In Kroatien werden unter Barrierefreiheit vor allem die Bereiche physische, sensorische, kognitive und digitale Zugänglichkeit sowie öffentlicher Verkehr und Tourismus verstanden.

  • Das Bewusstsein für Vielfalt und die Rechte von Menschen mit Behinderungen hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen.

  • Tourismus- und Gastronomiebetriebe sowie Destinationen setzen verstärkt auf universelles Design, angepasste Zimmer, Rampen, barrierefreie Strände und zugängliche Attraktionen.

  • Vor allem im Infrastrukturbereich, aber auch bei der allgemeinen Bewusstseinssteigerung gibt es noch Entwicklungspotenzial.

Portraitfoto von Peter Szedlak
Péter SzedlákMarket Representative Slowakei, Slowenien, Kroatien
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