Rumänien
Barrierefreiheit
Einleitung
Verständnis & Wahrnehmung
Laut der rumänischen Agentur für die Rechte von Menschen mit Behinderungen (ANPDPD) lebten Ende 2022 3,9% der Bevölkerung mit einer anerkannten Behinderung. Allerdings lassen in Rumänien nicht alle ihre Behinderung anerkennen.
Das rumänische Gesetz klassifiziert Behinderungen nach medizinischen Kriterien in mehrere Kategorien: physisch, visuell, auditiv, Taubblindheit, somatisch, geistig, psychisch, HIV/AIDS und seltene Krankheiten. Laut dem vierteljährlichen Bulletin des ANPDPD hatten in Rumänien Ende 2022 die meisten Menschen mit einem Behindertenausweis eine physische (25%), somatische (20%) oder geistige (15%) Behinderung. In Bezug auf die Schwere der Erkrankung gibt es in Rumänien mehrere Grade: leicht, mittel, schwer und schwerwiegend. Wie in den meisten Ländern wird die Art und der Grad der Behinderung auch in Rumänien in einem Behindertenausweis bescheinigt. Rumänien verfügt zudem über ein System für Invalidenrenten, das von Personen in Anspruch genommen werden kann, die das Rentenalter noch nicht erreicht, aber ihre Arbeitsfähigkeit ganz oder teilweise verloren haben.
Es gibt öffentliche Veranstaltungen und Messen wie die AccessABILITY Expo, die das Thema Zugänglichkeit, inklusive Innovationen und gesellschaftliche Teilhabe für Menschen mit Behinderungen thematisieren.
Alltag & Bewusstsein
Barrierefreiheit ist in der allgemeinen Bevölkerung eher mittel relevant, da alltägliche Zugangsbarrieren oft nicht ausreichend wahrgenommen werden – trotz des wachsenden Bewusstseins, dass fast jede:r im Laufe seines Lebens einmal eine Reduzierung seiner Fähigkeiten erlebt. Man muss nur einen Kinderwagen schieben, um wahrzunehmen, in welch schlechtem Zustand rumänische Gehwege sind. Ein gebrochener Fuß reicht aus, um barrierefrei erreichbare Büroräume schätzen zu lernen.
Im öffentlichen Raum und Verkehr besteht in Sachen Barrierefreiheit weiterhin deutlicher Nachholbedarf: Laut einer Analyse zur Zugänglichkeit öffentlicher Einrichtungen und Verkehrsmittel erzielte Rumänien im EU‑Vergleich sehr niedrige Werte. In einer UpCounsel-Umfrage über den behindertengerechten Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln, Toiletten, Bars, Cafés und Restaurants liegt Rumänien mit nur 2,7 von insgesamt 10 Punkten an letzter Stelle aller Länder der Europäischen Union. Besonders schlecht schneidet es bei der behindertengerechten Zugänglichkeit öffentlicher Toiletten ab, was sowohl Rumänen, als auch Reisende aus dem Ausland mit Behinderungen vor große Herausforderungen stellt.
Auf politischer Ebene ist das UN‑Behindertenrechtsübereinkommen rechtlich bindend, doch die praktische Umsetzung von Zugänglichkeitsstandards in Politik und Verwaltung bleibt herausfordernd.
Der staatliche Umgang mit Behinderungen verweist darauf: In Rumänien wurden Behinderungen lange als ein „medizinisches Problem“ wahrgenommen. Damit war eine Behinderung primär das Problem des betroffenen Individuums und gegebenenfalls der involvierten Angehörigen. Ganz allmählich verschiebt sich der Diskurs jedoch in Richtung Inklusion. Die Frage lautet jetzt also zunehmend: Welche Barrieren gibt es in der rumänischen Gesellschaft für eine spezifische Person, dieselben Grundrechte wie alle anderen Menschen zu genießen und aktiv am sozialen Leben teilzunehmen?
Relevanz für Reisen
Urlaubsgäste mit Behinderungen gehen immer öfter in Rumänien auf Erkundungsreise, obwohl das Land in Sachen Barrierefreiheit Nachholbedarf hat. Die Anfänge in Bukarest, am Schwarzen Meer und in Teilen des Siebengebirges sind zwar gemacht, doch werden noch weitere Maßnahmen notwendig sein, bis Rumänien barrierefrei gestaltet ist. Dies gilt für den Tourismus wie auch für andere Bereiche.
In Rumänien gibt es erste spezialisierte Angebote für barrierefreies Reisen, z. B. barrierefreie Zugänge zu Sehenswürdigkeiten und barrierefreie Unterkünfte. Tourismusregionen wie Siebenbürgen, die Hauptstadt Bukarest und das Schwarze Meer zählen dazu. Generell befindet sich der Markt jedoch noch im Aufbau. Die EU-Plattform für barrierefreien Tourismus Pantou listet einzelne rumänische Anbieter und Services, die Plattform România Accesibilă legt den Fokus mehr auf Bewusstsein, Schulung und Verbesserung der Infrastruktur und weniger auf konkrete Reiseprodukte. Die Plattform Accessible Romania ist Stand Mitte April 2026 nicht (mehr) erreichbar. Sie war geschaffen worden, um barrierefreien Tourismus in Rumänien international sichtbarer zu machen und Reisenden mit Behinderungen Informationen sowie konkrete Reiseangebote bereitzustellen.
Mit zunehmender Zahl von Menschen mit Behinderungen wächst auch die Nachfrage nach barrierefreien Reiseangeboten. Reisende achten verstärkt darauf, dass touristische Dienstleistungen und Infrastrukturen zugänglich sind, was Anbieter dazu veranlasst, ihre Angebote entsprechend anzupassen.
In Rumänien wurden Behinderungen lange als „medizinisches Problem“ wahrgenommen, allmählich verschiebt sich der Diskurs jedoch in Richtung Inklusion.
Im öffentlichen Raum und Verkehr besteht in Sachen Barrierefreiheit Nachholbedarf.
Mit zunehmender Zahl von Menschen mit Behinderungen wächst auch die Nachfrage nach barrierefreien Reiseangeboten.

Einleitung
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