Schweiz
Barrierefreiheit

Verständnis & Wahrnehmung

  • In der Schweiz wird unter Barrierefreiheit ein breites Inklusionsthema verstanden: nicht nur stufenlose Gebäude und hindernisfreie Mobilität, sondern auch barrierefreie Websites, Untertitel, Audiodeskription, Gebärdensprache, klare Beschilderung und verständliche Sprache.

  • Gesellschaftlich ist das Thema sichtbar, aber oft an konkreten Hürden aufgehängt. Medien berichten vor allem dann darüber, wenn Zugänge im Alltag fehlen. Das zeigte sich 2025 etwa bei einer Untersuchung von 70 Gemeinde- und Stadtwebsites: Keine einzige war vollständig barrierefrei. Gleichzeitig baut das Schweizerische Fernsehen barrierefreie Angebote mit Untertiteln, Gebärdensprache und Audiodeskription aus.

  • Die Relevanz ist hoch, weil das Thema viele Menschen betrifft und mit dem Alter zunimmt: Gemäss BFS leben in der Schweiz 1,8 Millionen zuhause lebende Personen ab 16 Jahren mit einer Einschränkung. Damit ist Barrierefreiheit kein Minderheitenthema, sondern Teil einer alternden und vielfältigen Gesellschaft.

Alltag & Bewusstsein

  • Insgesamt kann die Relevanz in der Schweiz als mittel bis hoch eingestuft werden. Das Bewusstsein ist gewachsen, aber die Umsetzung bleibt uneinheitlich: Im öffentlichen Raum und im Verkehr gibt es Fortschritte, digital und in der Kommunikation bestehen hingegen weiter deutliche Lücken.

  • Im Alltag ist Barrierefreiheit besonders im Verkehr sichtbar. Ende 2024 waren 82% der Bahnstationen für Menschen mit Beeinträchtigung autonom benutzbar. Gleichzeitig zeigt die Zahl auch, dass die gesetzliche Zielsetzung noch nicht flächendeckend erreicht ist. Jemand, der im Rollstuhl unterwegs ist oder mit einer Sehbehinderung lebt, sollte problemlos im öffentlichen Verkehr unterwegs sein können. Gemäß dem Behindertengleichstellungsgesetz hätten bis Ende 2023 alle Haltestellen barrierefrei sein sollen. Bis heute ist das nicht der Fall.

  • Politisch ist das Thema klar angekommen. Nach der im zweiten Halbjahr 2025 durchgeführten Vernehmlassung lehnt der Bundesrat die Initiative „Für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (Inklusions-Initiative)“ zwar ab, will die Anliegen jedoch mit einem indirekten Gegenvorschlag aufnehmen. Parallel dazu wird an der Revision des Behindertengleichstellungsgesetzes gearbeitet, das Rechte von Menschen mit Behinderungen stärken und ihre volle Teilhabe an der Gesellschaft sicherstellen soll.

Relevanz für Reisen

  • In der Schweizer Tourismusbranche ist Barrierefreiheit heute klar ein Qualitäts- und Marktthema. Schweiz Tourismus bündelt barrierefreie Informationen zu Unterkünften, Ausflügen und Mobilität und positioniert das Thema damit sichtbar im touristischen Angebot.

  • Es gibt spezialisierte Akteure und buchbare Angebote, etwa Procap Reisen sowie Claire & George mit barrierefreien Ferien, Assistenz- und Transportlösungen. 2025 wurde zudem gemeinsam mit 13 Schweizer Destinationen die „Accessible Tour of Switzerland“ lanciert.

  • Für Reiseentscheidungen ist die Nachfrage real und wachsend. Die Medienmitteilung zur „Accessible Tour of Switzerland“ verweist auf starke Nachfrage, und Claire & George berichtet, dass sich die Nachfrage ausländischer Gäste nach barrierefreien Reisen in der Schweiz seit 2022 mehr als verdoppelt hat. Das spricht dafür, dass Barrierefreiheit in der Schweiz zunehmend ein relevantes Buchungs- und Differenzierungsmerkmal ist.

Das Wichtigste zur Barrierefreiheit
  • In der Schweiz wird unter Barrierefreiheit ein breites Inklusionsthema verstanden.

  • Barrierefreiheit ist kein Minderheitenthema, sondern Teil einer alternden Gesellschaft.

  • Im öffentlichen Raum und im Verkehr gibt es Fortschritte, digital und in der Kommunikation bestehen hingegen weiter deutliche Lücken.

  • In der Schweizer Tourismusbranche ist Barrierefreiheit ein Qualitäts- und Marktthema.

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