
Deutschland
Der Tourismusausblick
Einleitung
Stand Oktober 2026
Hohe Energiepreise und eine Inflation von rund 3% dämpfen die Konsumlaune der Deutschen. Dennoch startet Österreich nach einem Rekordwinter mit 26,5 Mio. Nächtigungen deutscher Gäste weiterhin als Skiziel Nummer eins in die Wintersaison 2026/27.
Wirtschaft & Gesellschaft
Die wirtschaftliche Erholung verläuft besser als erwartet, jedoch bleiben die Lebenshaltungskosten hoch. Verschiedene Institute und die Bundesregierung haben ihre Wachstumsprognosen für 2026 und 2027 auf gut 1% angehoben. Die Inflation liegt mit rund 3% weiterhin über dem Zielwert, während der Arbeitsmarkt stabil bleibt.
Die Landtagswahlen im September zeigen ein politisch zersplittertes Land. Im Osten wird die AfD in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern stärkste Kraft, in Berlin gewinnt die Linke erstmals eine Landtagswahl. Union und SPD verlieren vielerorts deutlich, die Wahlbeteiligung steigt spürbar. Die Bilanz bleibt uneinheitlich und lässt laut Konrad-Adenauer-Stiftung wenig Rückschlüsse auf das Wahljahr 2027 zu.
Der Unmut richtet sich vor allem gegen die Bundesregierung. Die Zufriedenheit mit dem Kanzler befindet sich auf einem historischen Tiefstand, die AfD führt die Sonntagsfrage klar an. Parallel dazu ist die Konsumstimmung gedrückt, und rund zwei Drittel der Deutschen erwarten laut Reiseanalyse eine schlechtere Wirtschaftslage in einem Jahr. Die Sparneigung steigt, besonders bei finanziell gut ausgestatteten Haushalten, also in unserer Kernzielgruppe.
Kraftstoff bleibt mit gut 2 Euro pro Liter teuer. Der Tankrabatt endet Ende Dezember und entfällt damit mitten in der Hauptreisezeit, sofern er nicht verlängert wird.
Tourismus & Trends
Die Reiselust bleibt, die Festlegung sinkt. Trotz der skeptischen Stimmung wollen die meisten Deutschen im Winter verreisen, aber wenige haben bereits feste Pläne und die Anzahl der Unentschlossen ist hoch. Die Veranstalter melden einen zähen Start der Frühbuchungen und seit dem Hochsommer zunehmende Buchungen. Für Österreich als Auto- und Selbstbuchermarkt spiegelt das nur einen Ausschnitt der Nachfrage wider und eignet sich eher als Stimmungsindikator.
Das Inland und Nahziele dominieren, Fernziele bleiben ein Nischenmarkt. Mehr als die Hälfte aller, die planen im Winter zu verreisen, bleibt in Deutschland, nur etwa 10% planen eine Fernreise.
Preis schlägt Prestige. Eine klare Mehrheit der Deutschen reist preisorientiert, Luxus spielt kaum eine Rolle. Rund sechs von zehn Reisenden haben im letzten Jahr anderswo gespart, um sich einen Urlaub leisten zu können. Für 2027 stehen Sonderangebote, günstigere Unterkünfte und die Nebensaison als Sparhebel im Vordergrund.
KI wird zum Reisehelfer. Fast jeder Vierte hat KI schon im Zusammenhang mit einer Urlaubsreise genutzt, deutlich mehr als im Vorjahr, vor allem für Inspirationen und Ideen. Genutzt werden überwiegend allgemeine Chatbots, KI-Angebote von Destinationen spielen bisher kaum eine Rolle.
Urlaub in Österreich
Die Basis ist stark, Österreich liegt bei den Auslandszielen vorn. Im Winter 2025/26 gab es einen Nächtigungsrekord. Die Deutschen stellen mit mehr als 26 Mio. Nächtigungen weiterhin den mit Abstand größten Markt, und auch 2026 entwickelt sich positiv. Im Winter liegt Österreich vor Italien und Spanien und damit über den Werten der Vorjahre. Unter den wintersportaffinen Befragten nennt eine große Mehrheit Österreich als mögliches Ziel, Tirol liegt klar vorn (Snowplaza, nicht repräsentativ).
Österreich verteuert sich schneller als der Markt. Die Skipasspreise steigen stärker als im Durchschnitt und sind nur in der Schweiz höher, Deutschland liegt deutlich darunter. Bei einer so preisorientierten Zielgruppe ist das der größte Angriffspunkt.
Das Buchungsverhalten ist zweigeteilt. Der Kern der Wintersportler plant früh: Zum Zeitpunkt einer Umfrage im September hatte mehr als die Hälfte den Skiurlaub schon gebucht. Zugleich haben laut Reiseanalyse weniger Deutsche als im Vorjahr feste Reisepläne, mehr sind noch unentschlossen. Ein Teil der Skifahrer:innen bucht bewusst kurzfristig, um auf die Schneelage zu reagieren. Die Entscheidung fällt bei vielen also später, teils bis in den Winter hinein.
Randzeiten bieten Chancen. Wer 2027 beim Urlaub sparen will, setzt neben Sonderangeboten und günstigeren Unterkünften zunehmend auf die Nebensaison. Als Zeitfenster außerhalb der Ferien empfiehlt der Deutsche Skiverband (DSV) den Jänner und den März, dazu kommt die Zeit zwischen dem Saisonstart Ende November und den Weihnachtsferien. Da Ostern 2027 früh liegt und die Osterferien meist vom 20. März bis 4. April dauern, bleibt danach Zeit für den Frühjahrsskilauf, der in Hochlagen und auf Gletschern bis in den Mai möglich ist.
Quellen:
BMWE Herbstprojektion, zitiert nach IndexBox
ifo Institut, 03.09.2026
IMK/Hans-Böckler-Stiftung, 17.09.2026:
Konrad-Adenauer-Stiftung, Wahlanalyse Berlin, September 2026:
ARD-DeutschlandTrend Oktober 2026 (Infratest dimap, 28. bis 30.09.2026), via dpa
NIM Konsumklima powered by GfK, September 2026:
FUR, Reiseanalyse 2027, Modul-Special Reisepläne 2026/2027, Stand 9. Oktober 2026
ADAC, 07.10.2026
Statistik Austria
DSV aktiv, Skiurlaub früh buchen
Bessere Wirtschaftslage als erwartet.
Hohe Energiepreise dämpfen die Stimmung.
Die Reiselust bleibt hoch.
Das Buchungsverhalten ist sowohl kurzfristig als auch sehr früh, und dabei preisorientiert.
Wer 2027 beim Urlaub sparen will, setzt neben Sonderangeboten und günstigeren Unterkünften zunehmend auf die Nebensaison.

Einleitung
So wird die nächste Saison – Einschätzungen unserer Experten und Expertinnen auf den Märkten