
Ungarn
Der Tourismusausblick
Einleitung
Stand Oktober 2026
Ungarn erlebt aktuell einen politischen und wirtschaftlichen Aufschwung. Seit dem Regierungswechsel im Frühjahr 2026 hat sich das Verhältnis zur EU deutlich entspannt und eingefrorene EU-Mittel werden schrittweise freigegeben. Die Inflation ist niedrig, die Reallöhne steigen kräftig und der Forint ist stark. Dadurch erhöht sich die Kaufkraft für Auslandsreisen. Österreich bleibt für Ungarn ein bedeutender Markt, insbesondere für Winter- und Kurzurlaub sowie Städtereisen. 1
Wirtschaft & Gesellschaft
Inflation niedrig, Kaufkraft steigt: Laut Eurostat lag die Inflation in Ungarn im August 2026 bei 1,8% (August 2025: 4,2%). Das ist einer der niedrigsten Werte in der EU. Zugleich stiegen die Reallöhne im Juli 2026 laut dem ungarischen Amit für Statistik KSH um 7,8% im Vergleich zum Vorjahr. Der Bruttodurchschnittslohn lag bei 745.500 Forint (HUF) (+7,5%). Ergänzend wirken erweiterte Steuerentlastungen für Familien und Mütter sowie ein stabiler Forint, der im Oktober 2026 mit einem Kurs von etwa 1 Euro zu 360 Forint rund 10% an Kaufkraft gegenüber der Schwächephase des Vorjahres gewonnen hat. Dies stärkt vor allem auch das Reisebudget. 2, 3
Der Arbeitsmarkt kühlt leicht ab: Die Arbeitslosenquote stieg im August 2026 auf 4,7% (Juli: 4,5%) und entspricht damit 229 000 Arbeitslosen. Die Zahl der Beschäftigten sank im Vormonatsvergleich um 21 000. Für Juni bis August liegt die Quote bei 4,8%, ein Jahr davor waren es 4,4%. 4
Wachstum zieht an, Budgethaushalt bleibt angespannt: Die Europäische Kommission erwartet in ihrer Frühjahrsprognose 2026 ein BIP-Wachstum von 1,8% für 2026 und 2,1% für 2027 (2025: 0,5%). Wichtigster Treiber 2026 ist der private Konsum. Das Budgetdefizit dürfte nach den hohen Ausgaben vor der Wahl aber bei rund 6,2% des BIP liegen. 5
Weiterhin hohe Zustimmungswerte für die neue Regierung: Sechs Monate nach der Wahl bleibt die Zustimmung zum Kabinett Magyar bei über 60%. Die beliebtesten Politiker:innen sind der Verkehrsminister David Vizety mit 52%, die Parlamentspräsidentin Agnes Forsthoffer mit 45% und die Außenministerin Anita Orban mit 43%. 6, 7, 14
Tourismus & Trends
Preisbewusster Sommer, weniger Urlaub im Inland: Laut einer repräsentativen Studie von Impetus Research planten 45% der Ungar:innen im Jahr 2026 einen Urlaub, gleich viele wie im Vorjahr. Außerdem ging man davon aus, dass mehr Menschen im Inland und weniger im Ausland machen würden. 8 Dies hat sich nicht bewahrheitet. Nicht zuletzt aufgrund der Kaufkraft des Forint haben sich in diesem Jahr mehr Menschen für einen Auslandsurlaub entschieden. Von den beliebtesten Auslandszielen – Italien und Kroatien, Spanien, Österreich und Griechenland – vermelden bereits Kroatien und Österreich neue Rekordergebnisse. Diese scheinen trotz des heißen Sommers mehrheitlich zulasten des Inlandstourismus erzielt worden zu sein. Die bei Weitem beliebteste Inlands-Sommerdestination vermeldet bislang stagnierende Ergebnisse
Häufiger, dafür kürzer: Ungar:innen machten 2025 mehr als dreimal so viele Inlandsreisen wie Auslandsreisen. Weniger Menschen fuhren im Vergleich mehrtägig weg (47%). Wer verreiste, tat dies häufiger (im Schnitt 2,9 Reisen) und bevorzugte kürzere Aufenthalte. Das spricht für Kurz- und Mehrfachurlaube. Österreich und Kroatien profitieren besonders von der geografischen Nähe. 9
Weihnachts- und Silvesterreisen ins Ausland nehmen zu: Laut dem Reiseveranstalter und Medienkonzern Invia buchen jedes Jahr mehr Ungar:innen Reisen über die Feiertage. Auf Oktober bis Februar entfällt bereits mehr als ein Viertel aller Buchungen, die Aufenthalte dauern im Schnitt 7,6 Nächte. Über die Hälfte (53,7%) bucht innerhalb von 60 Tagen vor der Abreise. Das wichtigste Buchungsfenster ist daher September bis November. 10 Invia ist ein Online-Reiseveranstalter, also eine Buchungsplattform für Reisen, vor allem für Pauschal- und Badeurlaube. In Ungarn tritt Invia unter invia.hu auf (Invia.hu Kft., Budapest, gegründet 2006, rund 43 Mitarbeitende im Jahr 2024).
Die Muttergesellschaft Invia Group mit Sitz in Prag vermittelt Reisen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Polen. In Deutschland betreibt sie unter anderem ab-in-den-urlaub.de und fluege.de. Seit April 2025 gehört die Gruppe vollständig dem polnischen Medienkonzern Wirtualna Polska Holding. Die Daten basieren auf Invia-eigenen Buchungen und sind daher nicht repräsentativ für die gesamte ungarische Bevölkerung, geben aber Aufschluss über das Buchungsverhalten der Kundschaft. Diese bucht in diesem Zeitraum überwiegend Pauschalreisen, etwa nach Ägypten oder in die Türkei; Gäste aus Österreich sind unter den Kunden weniger präsent. Dennoch erlauben die Ergebnisse Rückschlüsse auf allgemeine Urlaubsgewohnheiten.
Urlaub in Österreich
Österreich bleibt nach Kroatien die mit Abstand beliebteste Auslandsreisedestination. Sowohl bei den Ankünften (705 000) als auch bei den Nächtigungen (2,23 Mio.) konnte 2025 ein Rekordwert erzielt werden, der 2026 sicher um mehr als 5% übertroffen werden wird. Die größten monatlichen Schwankungen gibt es traditionell im März und Oktober. Brückentage an den Nationalfeiertagen (15. März und 23. Oktober) sorgen jeweils für eine zusätzliche Nachfrage nach Urlaub in Österreich.
Mehr Angebot für Bahnreisende wird seitens der Westbahn durch die Aufnahme der Strecke Wien–Budapest ab Dezember 2026 erwartet. Ab dem 13. Dezember 2026 soll neben den ÖBB/MÁV und RegioJet auch die Westbahn fünfmal täglich auf dieser Strecke verkehren. 15
Das Wachstumspotenzial für Wintersport bleibt erhalten. Im vergangenen Winter gab es seit 13 Jahren wieder einmal viel Schnee im ganzen Land, das die Begeisterung für Wintersport deutlich gesteigert hat. Die Potenzialanalyse der Österreich Werbung für die Jahre 2024/25 schätzt, dass etwa 400 000 Ungar:innen als mögliche Wintersportbegeisterte zu gewinnen sind – siehe Winterpotenziale 2024/25.
Der frühe Ostertermin steigert die Chancen für Wachstum im Wintersport: In Ungarn sind vom 23. März bis zum 4. April 2027 Frühlingsferien.
Quellen:
1) Österreich Werbung, „Markt Ungarn” (mit Aktuelles vom 03.07.2026), abgerufen am 09.10.2026
2) Eurostat, Euro indicators, „Annual inflation up to 3.2% in the euro area”, veröffentlicht am 17.09.2026
3) KSH, Gyorstájékoztató „Keresetek, 2026. július”, veröffentlicht am 16.09.2026:
4) KSH, „Foglalkoztatottság és munkanélküliség, 2026. augusztus”, veröffentlicht am 25.09.2026:
5) Europäische Kommission, COM(2026) 217 final (enthält die Werte der Frühjahrsprognose 2026), 03.06.2026
6) Euronews, „Hungary unlocks €16.4bn in EU funds…”, 29.05.2026; Bloomberg, „EU to Unblock €4.2 Billion for Hungary…”, 23.09.2026:
7) Pénzcentrum, Wechselkurs-Anzeige vom 09.10.2026 (EUR/HUF rund 365), siehe Artikel in 11)
8) Portfolio.hu / Impetus Research, „Kevesebb külföldi út, több belföldi pihenés…”, 08.06.2026:
9) KSH, Press release „Helyzetkép 2025 – Tourism, catering”, 17.06.2026
10) Pénzcentrum / INVIA, „Új trend hódít a magyarok körében: ide menekülnek karácsonykor”, 05.10.2026
11) Pénzcentrum, „Húzós tél vár a magyar síelőkre…”, 01.10.2026
12) Statistik Austria, „Wieder Höchstwert: 157 Mio. Nächtigungen im Jahr 2025", 30.01.2026:
13) WienTourismus / MA 23, Länderanalyse Ungarn 2025 (abgerufen am 09.10.2026)
14) Europion fragte, wen man gerne in einer wichtigen öffentlichen Rolle sehen würde (Umfrage am 7. und 8. September 2026, 2.100 Befragte).
15) Westbahn
Recherchethemen unter anderem inspiriert durch Claude und ChatGPT
Es ist eine steigende Kaufkraft zu beobachten.
Die neue Regierung genießt eine große Zustimmung bei der Bevölkerung.
Weihnachts- und Silvesterurlaube werden immer beliebter.
Es gibt mehr Angebot für Bahnreisende.
Der frühe Ostertermin steigert die Chancen für Wachstum im Wintersport.

Einleitung
So wird die nächste Saison – Einschätzungen unserer Experten und Expertinnen auf den Märkten